Die Bewohner der sagenumwobenen, aller Wahrscheinlichkeit nach fiktiven Kleinstadt Schilda, taten sich oft schwer mit der Umsetzung diverser Projekte, deren Scheitern schon im Vorfeld selbst für geistig schwächer ausgestattete Zeitgenossen zu erkennen war. Dennoch scheint sich die deutsche Politelite dazu berufen zu fühlen, die Schildbürgerstreiche alter Tradition ins Kommunikationszeitalter transportieren zu wollen…
So trug es sich zu, dass findige Erdenbürger, die unverschämte Managergehälter beziehen oder auch mit einer stattlichen Abgeordnetenbesoldung ihr Dasein fristen, sich den Blödsinn ausdachten, alle deutschen Computer virenfrei zu machen, auch unter sanfter Gewalteinwirkung, wenn es nötig erscheinen sollte…
Beispielsweise widmet Die Welt diesem Schildbürgerstreich folgende Überschrift:
Regierung und Industrie wollen Computerviren zentral bekämpfen
Der Internetwirtschafts-Verband Eco sowie das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) scheinen offensichtlich der Meinung zu sein, dass ein Telefon- Callcenter betroffene Anwender dabei unterstützen kann, sog. Virenschleudern (mit Malware hoffnungslos verseuchte Computersysteme) wieder arbeitsfähig und „sauber“ zu bekommen. Sollte eine telefonische Beratung dennoch keinen Erfolg herbeiführen, würde in einem zweiten Schritt dem Anwender mit entsprechenden Säuberungstools geholfen werden…
Wer immer sich diesen Schwachsinn einfallen hat lassen, hat offenkundig keine Ahnung von richtig hartnäckiger Malware und wie man sich davon befreien kann. Wenn man tatsächlich Interesse daran zeigt, ein infiziertes Computersystem nachhaltig zu säubern und weitere Kollateralschäden abwenden zu wollen, dann wird man dem Betroffenen dazu raten, das infizierte System vom Netz zu trennen, eine Formatierung durchzuführen und das Betriebssystem neu zu installieren, besonders dann, wenn die digitalen Schädlinge nicht ausnahmslos entdeckt werden können. Leider zeigt die Praxis, dass die diversen Schutzprogramme oft nicht das gewünschte Ergebnis erreichen, auch wenn gerne mit Superlativen geworben wird. Ein bereits infiziertes System nachträglich durch spezielle Tools zweifelsfrei zu säubern, bleibt all zu oft reines Wunschdenken. Ein sehenswerter praktischer Test beweist die Unzulänglichkeiten von Sicherheitsprogrammen sehr deutlich…
Schon jetzt hätten Internetzugangsanbieter die technische Möglichkeit, vireninfizierte Rechner bei ihren Kunden auszumachen.
Nun ist es tatsächlich technisch durchaus möglich, dass man anhand des Datenstromes Auffälligkeiten analysieren kann, die auf Botnetz- Tätigkeiten hinweisen. Eine oberflächliche Analyse, die so gerade noch die Bürgerrechte als solche respektiert, kann bestenfalls erkennen, ob ein Datenstrom sich typisch für eine Botnetz- Infrastruktur oder DDos- Angriff (Distributed Denial of Service) verhält. Hohe Datenströme können jedoch genauso gut von großen Downloadmengen oder Streaming- Daten erzeugt werden. Um differenzieren zu können, bedarf es einer tiefergreifenden Analyse des Datenstromes, was jedoch bedenklich nahe an Eingriffe in die Privatsphäre des Einzelnen heranreicht…
Kriminelle schleusen die Viren über das Internet auf die Rechner und öffnen sich so ein Tor für Verbrechen – etwa, indem sie online das Bankkonto plündern oder den Rechner per Fernsteuerung für den Versand krimineller Massen-E-Mails nutzen.
Gerne wird unterschlagen, dass ohne tatkräftige Mithilfe der betroffenen Anwender ein „Einschleusen“ von Malware defacto gar nicht möglich ist. Entweder wurde das infizierte System nicht ordnungsgemäß auf dem aktuellen Patchlevel betrieben, der Anwender arbeitet völlig ohne es wirklich zu benötigen, mit den Rechten eines Administrators auf seiner „Online- Kiste“ oder installiert sich den Schädling unbewusst oder gar bewusst selbst. Stöbert man durch diverse Internet- Fachforen, wird deutlich, dass letzteres die häufigste Ursache für digitalen Schädlingsbefall darstellt und sogar meistens Sicherheitsprogramme während dessen installiert waren, die eine Infizierung dennoch nicht verhindern konnten. Nicht zuletzt ist das unbegrenzte Vertrauen in die installierte Schutzsoftware ein ausschlaggebender Punkt für Leichtsinnigkeit. Dazu gesellt sich häufig noch ein völlig unqualifizierter Umgang mit der benutzten Schutzsoftware, was den Virengau oft sogar begünstigt…
Vor der Umsetzung des Vorhabens soll geklärt werden, mit welchen Sanktionen Kunden rechnen müssen, die eine Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Internetdienstleister verweigern. Eco-Fachbereichsleiter Sven Karge, einer der Projektplaner, sagte dazu auf Anfrage: „Wer im Netz ohne Virenschutz unterwegs ist, gefährdet andere Nutzer in etwa so, wie ein Autofahrer, der mit kaputten Bremsen unterwegs ist und so andere fahrlässig gefährdet.“
Nun muss ich zugeben, dass meine Familie privat mit ca. 7 Computersystemen „online“ ist, ohne jedoch die Hilfe von solchen Schutzprogrammen in Anspruch zu nehmen. Eigentlich müßte doch unser „Homeoffice“ ein Eldorado für Viren, Würmer, Trojaner, Backdoors und dergleichen sein, wenn man so fahrlässig das Medium Internet benutzt. Aus Sicht von Herr Karge sollten sogar solche Leute dafür bestraft werden und zieht dazu den völlig unpassenden Auto- Vergleich heran. Man könnte dem entgegnen: „Was nützt die stärkste Bremse, wenn der Fahrer nicht weiß, wie man sie betätigt“
Ein sog. „Eingeschränktes Benutzerkonto“, welches sehr einfach auf jedem Computer einzurichten ist, vermeidet bereits effektiv die unbewußte Infizierung mit Malware. Das Prinzip ist denkbar einfach: besitzt man nicht das Recht, Software zu installieren, hat der evt. eingeschleuste Schädling dieses Recht schlichtweg auch nicht. Kurioserweise bedienen sich Betriebssysteme wie Linux genau dieser Methode und beweisen, dass diese schlichte und simple Maßnahme durchaus erfolgversprechend ist. Herr Karge möchte demzufolge Sanktionen für Leute anstreben, die auf Schutzsoftware verzichten und mit einem durchaus sinnvollen Sicherheitskonzept virenfrei arbeiten, während andere auf diverse Programme vertrauen und trotzdem eine Virenschleuder besitzen, aber aufgrund seiner Definition ja so weiter machen können und sollen. Wenn das kein Schildbürgerstreich in Vollendung ist?
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) war als Vertreter der Regierung beim Stuttgarter IT- Gipfel anwesend und unterstützt mit seiner geballten Kompetenz dieses Vorhaben, dass auch eigentlich politisch ein Boomerrang werden könnte. Schließlich möchte man Bürger dazu zwingen, Software zu installieren, die sie womöglich gar nicht haben möchten und die Analyse der Datenströme greift ebenfalls unter Umständen in die Privatsphäre des Einzelnen ein. Die selbsternannte Bürgerrechtspartei FDP wäre gut beraten, sich gut beraten zu lassen…
Vom digitalen Virus läßt sich auf Schildbürgerebene sehr schnell eine Brücke zum realen Virus schlagen. Die Schweinegrippe hat Deuschland nach Auffassung der Lobbyisten fest im Griff. Wir Saarländer reden umgangssprachlich inzwischen von der „Wutzefreck“ und wollen, wie auch der Rest der Republik, die Gefahr einfach nicht recht erkennen. Ständig steigt die Zahl der Infizierten und Todesfälle hat es auch schon gegeben. Die Pandemie ist in vollem Gang und die Bevölkerung will sich trotzdem nicht impfen lassen. Zunächst fühlte man sich von der Regierung verschaukelt, als medienwirksam durchsickerte, dass für unterschiedliche Gesellschaftschichten auch verschiedene Impfstoffe vorgesehen waren. Da könnte so manchem in den Sinn gekommen sein, die „Zwei- Klassen- Gesellschaft“ gibt es wirklich? Das ist natürlich Unfug, denn der Impfstoff für Politiker und Staatsdiener ist ja der minderwertigere, da dieser ja keine Verstärkerstoffe (sog. Adjuvanzien) beinhaltete. Irgendwie wollte die Bevölkerung dies nicht so recht glauben, was sich deutlich am Impfverhalten ableiten läßt…
Die vielen Todesfälle, die ebenso medienwirksam der Schweinegrippe angelastet wurden, stellten sich ausnahmlos als Kombination mit einer Vorerkrankung heraus. Todesfälle durch saisonale Grippen gibt es deutlich mehr, doch ist diese Tatsache nicht förderlich, wenn man den teuer eingekauften Impfstoff los werden möchte. Dass nebenbei die Definition einer Pandemie bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) passend unter wohlwollender Mithilfe von Vertretern der Pharmakonzerne, die zufälligerweise gerade die Impfstoffe herstellen, geändert wurde, wird hingegen gerne verschwiegen. Nach dieser neuen Definition ist quasi jede saisonale Grippe zukünftig eine Pandemie. Die Passage, »eine sehr große Zahl von Toten und Kranken« verschwand aus der Definition…
Den Schildbürgern wird nachgesagt, sie seinen gar nicht so dumm, wie sie es der Welt zeigten, sondern würden diese grenzenlose Naivität nur vorspielen, um eigene Ziele dadurch besser verfolgen zu können. Bei unserer Regierung bin ich mir noch nicht sicher, ob die Inkompetenz echt oder vorgespielt ist…
…und wenn die Politiker tatsächlich nur Dummheit vorspielen, um lediglich den Machterhalt um jeden Preis durchzusetzen, landen wir unumgänglich beim Wachstumsbeschleunigungsgesetz.
Die Logik, die dahinter steckt, erschließt sich leider nicht jedem Kleingeist und auch ich selbst muss gestehen, dass ich nicht das nötige Vertrauen in diese Maßnahme zur Bewältigung der Finanzkrise einbringe. Wirtschaftswachstum soll ein entscheidender Faktor für die Bewältigung der Finanzkrise sein. Das vermag ich sogar noch zu verstehen, sofern die Voraussetzungen hierfür entsprechend günstig wären. Die Koalition glaubt fest daran, dass Steuererleichterungen diese Voraussetzungen schaffen werden. Während jedoch inzwischen die Arbeitslosenzahlen weder durch Kurzarbeit noch Konjunkturpakete gebremst werden können, vermindert sich proportional die Zahl derjeniger, die durch eben diese Steuergeschenke, das Wachstum herbeiführen sollen. Steuersenkungen können nämlich lediglich eine Auswirkung auf Steuerzahler haben. Dass aber bei den vorgesehenen Maßnahmen nicht alle steuerpflichtigen Bürger in den Genuss solcher kommen, festigt nicht einmal mehr den Glauben der eigenen Parteifreunde aus den Bundesländern. Es ist nun mal so, dass Geld, welches man großzügig an Lobbyverbände, wie die Hotelbranche verteilen will, auch irgendwo herkommen muss. Finanzdefizite bei den Krankenkassen müssen ebenso ausgelichen werden wie die dadurch entstehenden Mehrbelastungen für die Bundesländer. Ab Januar 2010 wird sich (ernüchternd) zeigen, dass in den meisten Lohntüten nicht das erhoffte „Mehr Netto statt Brutto“ zu erwarten sein wird. Natürlich darf man nicht zugeben, dass die Wahlversprechen niemals zum Einhalten vorgesehen waren. Zum Glück gibt’s den “dummen deutschen Michel“ millionenfach geklont…

Die Landesfürsten werden die faktisch nicht durchführbaren Steuersenkungen aufgrund der desolaten Haushaltslage zu verhindern wissen. Denn Ministerpräsidenten wie Peter Müller (Saarland) oder Peter Harry Carstensen (Schleswig- Holstein) fordern einen Ausgleich für ihre Landesfinanzen, die durch das im Bund beschlossene Gesetz deutlich schrumpfen würden. Interessant daran ist die Tatsache, dass jene Politiker den Bundestagswahlkampf ihrer Fraktion mitgetragen und somit mit zu verantworten haben. Man muss kein Finanzexperte sein, um zu erkennen, dass das Wahlversprechen mit den Steuergeschenken niemals finanzierbar gewesen ist. Die Bundesregierung wird sich wahrlich schwer tun, den Ländern entgegen zu kommen, zumal dies der Ausweg aus einer peinlichen Lage zu sein scheint. Nichts könnte der Regierung besseres passieren, als dass das Wachstumsbeschleunigungsgesetz im Bundesrat gekippt würde. Man könnte vor das Volk treten und erklären: “ Man habe ja gewollt und versucht, das Wahlversprechen einzulösen, aber einzelne Bundesländer hätten dies verhindert“
Die verantwortlichen Ministerpräsidenten können ebenfalls auf die Entschuldigung zurückgreifen, man habe im Wohle des Bundeslandes gehandelt. In welche Erklärungsnot käme jedoch die Bundesregierung, wenn der Bundesrat das Gesetz durchwinken würde, wenn ausgerechnet nicht CDU- regierte Bundesländer sich der Stimme enthalten würden, um der Bundesregierung die Fortsetzung des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes absichtlich nicht ersparen wollten…ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Selbst den Schildbürgern kann man vieles vorwerfen, aber sicher nicht Verlogenheit…
Gerade die FDP mit ihrem Ultimativ- Chef Guido Westerwelle versprach vollmundig vor der Wahl Steuer- entlastungen in Höhe von 25 Milliarden Euro. Die CDU/CDU bewegte sich mit 10 Milliarden dabei noch in bescheidenerem Rahmen. Obwohl eine weltweite Finanzkrise längst massive Folgen hinterlassen hatte und ein Ende keineswegs absehbar war, wurde trotz heftiger Kritik aus Expertenkreisen an dieser Wahltaktik festgehalten. Kaum vergeht seit den abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen ein Tag, wo die neue Regierung nicht in Erklärungsnot wegen ihrer versprochenen Steuersenkungspolitik geraten würde. Unlängst äußerten sich die Ministerpräsidenten der Länder, auch aus den eigenen Reihen, dass sie die Steuerpläne der Bundesregierung boykottieren würden, wenn die absehbare Belastung der Länder zu hoch werden würde. Die Bundesregierung kann sich nun nicht mit dem Motto herausreden „Wir wollten ja, aber durften nicht“ , wie dies schon mehrfach politisch korrekt umschrieben wurde. Jedem Politiker, der einen Sitzplatz im Planarsaal beansprucht, muss zu jeder Zeit bewusst sein, dass in 2. Instanz Beschlüsse des Bundestages den Bundesrat durchlaufen müssen. Merkel & Co. können nicht Versprechungen machen, die von anderen maßgeblich abhängig sind. Man kann dies nicht anders als eine bewußte Täuschung bezeichnen, wenn die Steuersenkungen nicht nach eigenen Vorgaben umgesetzt werden.


So wüßte wenigstens die Zielgruppe, wer gemeint ist und auch gleich, dass die Aufforderung nicht wirklich ernst gemeint ist. „Löschen statt Sperren“ ist eben doch die beste Alternative und rettet uns vor einem virtuellen Schilderwald und die Missbrauchten werden nicht erneut durch fehlegeleitete Politik missbraucht. „Definieren statt Löschen„







