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Wenn Blödheit wehtun würde…

16. Juni 2016

Wenn Blödheit weh tun würde, müssten so manche Intelligenzflüchtlinge aus dem politisch ganz weit rechten Spektrum permanent laut schreien. Jetzt ist mir glatt ein Faux Pas unterlaufen. Sie schreien ja längst pausenlos in den sozialen Netzwerken.

Quelle: Facebook

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Eine irrwitzige Geschichte verbreitet sich vorwiegend in rechtspopulistischen Kreisen.

Was würdest du tun, wenn Asylanten dein Auto besetzen?

So lautet die Überschrift und soll eine Empörung erzeugen, welche völlig fiktiv ist. Trotzdem wird der Text als Tatsachenbericht suggeriert. Im Artikel variiern gelegentlich die Örtlichkeiten und Personen, aber inhaltlich bleiben alle Varianten gleich. Selbst das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein scheint näher an der Realität angesiedelt zu sein als jene haarsträubende Situationsbeschreibung. Obwohl sich die jeweiligen Polizei- Dienststellen von den Schilderungen distanziert haben, finden sich immer noch Leute, welche offensichtlich keine Scheu besitzen, der eigenen Intelligenz eine Absage zu erteilen. Die Geschichte ist frei erfunden und entspringt augenscheinlich dem Hirn eines üblen Rassisten. Die Kommentare dieser Hohlbirnen sprechen für sich… (Nebenbei erwähnt, sind viele der Kommentare juristisch grenzwertig bzw. womöglich strafrechtlich relevant. Daher sind auch die Quellen nicht unkenntlich gemacht worden, falls Ermittlungsbehörden diese verwenden wollten. Außerdem stammen die Screenshots aus öffentlich zugänglichen Bereichen des (a)sozialen Netzes Facebook.)

Quelle: Facebook

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Erschreckend ist jedoch, wie offen und enthemmt eine offensichtlich stetig steigende Zahl von Menschen sich an rechtsextremen Ressentiments mit Genuss abarbeitet.

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Geschichtsstunde beim Nazi nebenan

28. September 2015

Als kürzlich die HuffingtonPost einen Artikel über eine umtriebige Aktivistin der rechtsextremen Szene veröffentlichte, hätten manche Kommentare darauf nicht skurriler sein können.

Besonders herausgestochen ist ein verschmähter Historiker, der offensichtlich den geeigneten Raum gefunden hat, um dem infantilen Bürgertum eine Lektion in deutscher Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts zu erteilen. Nennen wir diesen Geleerten* fiktiv einfach Johannes S. .

Zunächst versucht er mit einem grandiosen Erklärungsversuch die absurde Taschengeldforderung jener Asylkritikerin zu rechtfertigen:

Quelle: Facebook

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Die deutsche Übersetzung ohne Gewähr lautet:
Wer sich mit der Politik der deutschen Regierung und der Nato nicht anfreunden will und konstruktive Kritik anbringt, wird als Nazi verunglimpft. Wer sich solcher Diffamierungen befleißigt, muss eine Fäkalie sein…

Die historisch ausgesprochen freizügige Interpretation des Johannes S. (Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind ganz und gar nicht zufällig) des 2. Weltkriegs, der eigentlich mit der Ursprungsthematik so viel gemein hat, wie eine Essiggurke mit einem Feuerzeug, folgt mit dieser fulminanten Überleitung:

Quelle: Facebook

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Demnach war der 2. Weltkrieg zum größten Teil fiktiv und ein Märchenbuch, verfasst von Schriftstellern im Auftrag der Alliierten. Öffentlich- rechtliche Sendeanstalten verbünden sich mit dem Springer- Verlag und der Nato, um die Kriegspropaganda des Herrn Goebbels im 3. Reich wie einen feuchten Waschlappen aussehen zu lassen.

Quelle: Facebook

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Auf die Frage hin, auf welche Fakten sich die Thesen von Hobby- Historiker Johannes S. stützen, liefert er eine   gewöhnungsbedürftige Erklärung:

 

Quelle: Facebook

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Johannes S. sieht sich selbst offenkundig als verlässliche Quellenangabe. In amerikanischen (Konzentrations)lagern seien offensichtlich eine Million Soldaten gestorben und niemand, insbesondere die „Lügenpresse“ wollen nicht darüber berichten. Auch hätten die USA absichtlich mit dem Eintritt in den 2. Weltkrieg gewartet, bis sich deutsche und russische Soldaten hinreichend nieder gemetzelt hatten. Adolf Hitler war nach Ansicht von Johannes S. aus humanistischen Gründen gezwungen, Polen anzugreifen. Die Polen hätten schließlich den Führer daran gehindert, „seinen Leuten“ Lebensmittel liefern zu können. Auch über diese historischen Tatsachen berichtete augenscheinlich die Lügenpresse nicht. Die Verwendung von Uran- Munition im Irak durch die amerikanischen Streitkräfte scheint eine geheime Verschlusssache zu sein, welche selbst dann nicht in der Presse veröffentlicht werden darf, wenn sie nicht mehr geheim wäre. Johannes S. hingegen scheint einer gewissen Elite anzugehören, denen dennoch diese geheimen Informationen zu Teil wurden. Und obwohl er sich hier und jetzt als verkannter Whistelblower um Kopf und Kragen schreibt, will niemand die Geschichtsbücher seiner Realität entsprechend umschreiben.

Auch ich bin Fan von Dana Scully und Fox Mulder und habe so manche X- Akte im Fernsehsessel genossen. Wo Realsatire beginnt und Fiktion aufhört, scheint sie bei grenzdebilen Rechtspopulisten fließend ineinander über zu gehen. Bei dieser ausgesprochen bedrohlichen Beschädigung des Hypothalamus, sollte Herr Johannes S. dringend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

(*) Dem ironischen Kontekt entsprechend wurde diese Wortspielerei dem orthographisch richtigen Begriff „Gelehrter“ vorgezogen.

Ich bin kein Nazi, aber…

20. Juli 2015

Wer sich mit dieser Floskel (Ich bin kein Nazi, aber…) in (a)sozialen Netzen oder sonst wo zu rechtfertigen versuchte, muss zumindest eine grenzwertige Aussage von sich gegeben haben. Jene Personen sollten sich unbedingt hinterfragen, welches ideologische Buschfeuer sie nähren.
Es gibt auch leicht abgewandelte Formen dieses Spruchmusters wie „Ich bin kein Rassist, aber“.

Alle haben gemeinsam, dass die Leute, welche sich solchen Rechtfertigungen befleißigen, augenscheinlich ihre eigenen Aussagen nicht begreifen und sich offenbar gar nicht bewusst sind, bereits bis zum Hals im „braunen“ Sumpf zu stecken. Daher folgt nun eine kleine Analyse typischer Fundstücke:

naziWer bereits wegen des Wahrnehmens fremder Sprachen im Arbeitsumfeld Hassgefühle entwickelt und sie derart artikuliert, ist längst zum rassistischen Extremisten mutiert. Da hilft eine Distanzierung zum Nazitum absolut nichts, denn diese Ideologie besitzt einen ausgeprägten Ursprung im sogenannten 3. Reich, die mit solchen Statements glorifiziert wird.

nazi1In bescheidenem Ausmaß mag es sein, dass jemandem die aktuelle Flüchtlingspolitik nicht gefällt und konstruktive Kritik geäußert wird. Sobald jedoch eine Pauschalisierung von komplexen Sachverhalten verwendet wird und Meinungsfreiheit zu Beleidigungen und gar Volksverhetzung missbraucht wird, kann man erahnen, dass die eigentlichen Motive von Fremdenfeindlichkeit dominiert werden. Gleichermaßen bemerkenswert wie bedenklich ist die Zustimmung zu diesem rhetorischen Meisterwerk.

nazi2Sternstunden deutscher Orthographie bieten solche Beiträge ohnehin, während inhaltlich meist die Sinnhaftigkeit kaum Einstiegsmöglichkeiten zulässt. Die Grenzen zwischen Patriotismus und Faschismus bzw. Nationalsozialismus scheinen unreflektiert ineinander zu fließen.

nazi3Neben der NPD schießen Pseudo- Parteien und politisch motivierte Gruppierungen wie Pilze aus dem ideologisch kontaminierten Boden und erfahren eine beängstigende Zustimmung. Insbesondere im Osten der Republik fürchten viele Menschen eine Unterwanderung der erst sehr jungen Freiheit durch Zuwanderung und Religionsfreizügigkeit. Die Gewalt gegen Flüchtlinge eskaliert quasi täglich. Die Erinnerung an jene Zeit, als die ehemalige DDR isoliert inmitten des europäischen Kontinents an der politischen Leine des Sozialismus hing, scheint vergessen oder verdrängt zu sein. Das fehlende Feindbild muss ersetzt werden. Dass ausgerechnet jene Ideologie, welche maßgeblich für die Trennung Deutschlands verantwortlich war, eine derartige Renaissance erfährt, besitzt eine höchst beschämende Absurdität.

Nicht zuletzt, dass viele rassistische sowie rechtspopulistische Kampagnen auf Lügenkonstrukten basieren oder zumindest die Tatsachen durch eigene Filter passgenau auf das entsprechende Klientel richten, genügt, um am Bildungsniveau gescheiterte Irrlichter einzufangen. Das stets auseinander treibende Gefälle zwischen arm und reich sowie die Selbstgefälligkeit der gesellschaftlichen und politischen Elite treibt labile Zeitgeister schnell in die Arme von Rechtspopulisten. „Ich bin doch kein Nazi, aber…“ klingt am Ende wie eine genötigte Entschuldigung von Menschen, die sich manipulieren ließen.

Gegenüber, quasi auf der anderen Seite der ideologischen Brücke, stehen die sogenannten Gutmenschen.

Meist werden diese Gutmenschen in den etablierten Parteien verortet. Aus Sicht der „Nazis“, welche sie eigentlich gar nicht sein wollen, sind alle Menschen, die ihre Wahrheit nicht erkennen wollen oder können, dumme Schlafschafe. Der Ursprung der Menschheit befindet sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in Zentralafrika. Auch die jetzigen Fremdenhasser stammen von jenen Menschen ab, die sie so vehement verachten und bekämpfen.

Die politischen Eliten haben es versäumt, möglichst alle Menschen in unserer Gesellschaft einen Platz einzuräumen. Menschen, die sich sozial ausgegrenzt fühlen oder vom System benachteiligt werden, wenden sich von jenem System ab. Das wurde jahrzehntelang ignoriert und nun wundert man sich über die Folgen.

 

 

 

 


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