Krieg ist geil

9. Dezember 2015

Zumindest denken in der besinnlichen Adventszeit des Jahres 2015 immerhin 445 Bundestagsabgeordnete, dass ein Angriffskrieg gegen den IS unvermeidbar wäre. Zwar nimmt die Bundeswehr „nur“ passiv aktiv an der Revanche für die Terroranschläge in Paris teil, jedoch fehlt ein UN- Mandat für diesen Einsatz. Damit verstößt die ohnehin uneinige Allianz gegen den Terror gegen das Völkerrecht.

Nicht einmal zur unheilvollen Zeit des Nazi- Regimes war Deutschland so präsent militärisch im Ausland vertreten. Ist das nicht eine denkwürdige Tatsache?

Der IS ist international kein anerkannter Staat, wenn auch der Name es suggerieren möchte. Jene Terrormiliz wertet sich selbst dazu auf und die internationale Staatengemeinschaft samt ihrer Medien nimmt diesen Frevel auch noch dankend an. Warum bezeichnet man den IS nicht als das, was er ist? Es handelt sich doch in Wirklichkeit um eine fundamentalistische Mörderbande, eine religiös- militante Terrorgruppe oder schlicht um ein Verbrecherkollektiv.

Mehr als jede Bombe, die zwischen Mosul und Rakka herniedergeht, würde es diese Terroristen zerstören, wenn man ihnen jene Anerkennung entzieht. Schlichte Rhetorik kann eine scharfe Klinge führen.

Den Bundeswehreinsatz darf man nicht höher bewerten als eine symbolische Solidaritätsbekundung gegenüber dem Nachbarland Frankreich. Altertümliche Tornados sollen Aufklärungsfotos für die Kriegspartner liefern. Das machen die Amerikaner sowieso und verlassen sich nicht auf fremde Unterstützung, wenngleich deren hochtechnisierte Luftaufklärung zuweilen heftig versagt. Und gegen wen soll die deutsche Fregatte mit dem Namen der Binnenstadt Augsburg den französischen Flugzeugträger Charles De Gaulle eigentlich beschützen? Die islamistisch- radikalen Terroristen operieren weder zu Wasser noch in der Luft.

Nicht die Intensität der Kriegsbeteiligung ist entscheidend, sondern dass die Bundeswehr sich an diesem Krieg auf fremdem Staatsgebiet unter Missachtung der UNO- Charta beteiligt.
Frankreich selbst beruft sich auf Artikel 51 der UNO- Charta, wonach sich das Land auf das Selbstverteidigungsrecht beruft. Das trifft für Deutschland definitiv nicht zu und auch für Frankreich bleibt es zweifelhaft. Denn Frankreich wurde eben nicht von einem anerkannten Staat kriegerisch angegriffen, sondern es handelte sich um Terroristen mit französischer bzw. belgischer Staatsangehörigkeit.

Nach Artikel 42 Absatz 7 des sogenannten Lissabon- Vertrages verpflichten sich die EU- Länder gegenseitig zur Unterstützung bei einem bewaffneten Angriff. Es ist demnach weit hergeholt, syrisches Staatsgebiet zu bombardieren, denn der dort legitime, wenn auch weitgehend politisch isolierte Präsident Assad, hat Frankreich nicht angegriffen. Man versucht, einen Vergeltungsschlag zu rechtfertigen und biegt sich Recht und Gesetz zurecht.

Inzwischen stellen Bürger in Deutschland Strafanzeige gegen jene Abgeordnete, die den Bundeswehreinsatz im Parlament beschlossen haben. Die Bürgerinitiative hat sich über Facebook formiert: Initiative gegen Bundeswehreinsatz in Syrien

Während ein völlig unüberschaubarer Krieg über Syrien tobt, scheint man wirklich effektive Mittel zur Bekämpfung jener Terrormiliz nur halbherzig zu verfolgen. Immer wieder werden Reden über ein Ausdürren der Finanzströme zum bekennenden Feind der westlichen Welt geschwungen. Ölschmuggel gilt als eine der primären Geldquellen der Terroristen und allem Anschein nach ist Nato- Partner Türkei hierbei nicht völlig unbeteiligt.

Frieden erzwingt man nicht durch Krieg…

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Die Bürger dürfen das Maul aufmachen

13. November 2015
Guten Tag Herr Bundespräsident,

Gerne nehme ich Sie beim Wort, Herr Bundespräsident. Sie erklärten schließlich kürzlich bei einem Besuch einer Flüchtlingsunterkunft in Bergisch Gladbach: „Die Bürger dürfen das Maul aufmachen.

Es sind eher die unscheinbaren Dinge des täglichen Lebens, welche die Menschen bewegen. Das wird von der als abgehoben empfundenen Politikelite in den Parlamenten zu wenig beachtet.

Der jährliche Armutsbericht bestätigt eigentlich jedes Mal aufs Neue, dass die Schere zwischen arm und reich immer noch auseinander klafft. Da kommen solche textlichen Manipulationen wie seinerzeit von Wirtschaftsminister Rösler vollbracht, gar nicht gut bei den betroffenen Gesellschaftsschichten an. Wer Existenzängste besitzt, wird nicht begreifen können, dass staatlich verordneten Sparprogrammen, welche vorwiegend die weniger begünstigten Menschen in diesem System treffen, plötzlich ein chaotisches Krisenmanagement in der aktuellen Flüchtlingsproblematik gegenüber steht und diverse Finanztöpfe zu öffnen vermag. Da fragt sich so mancher bescheidene Bürger, wieso man zuvor jedes Jahr erneut aufgefordert wurde, den Gürtel enger schnallen zu müssen…

Gar nicht gut werden dann solche Botschaften aufgefasst, wenn die Krankenkassen nach Beitragserhöhungen schreien, welche einseitig von der Arbeitnehmerseite zu tragen sein werden. Zwar besteht offiziell kein Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, doch ist der Zeitpunkt für die Erhöhung der Beitragssätze äußert unglücklich gewählt worden. Das lässt sich den Menschen kaum plausibel vermitteln.

Vermutlich sind die wenigsten Menschen in diesem Land den Flüchtlingen gegenüber ablehnend gesonnen, fühlen sich aber von der Bundesregierung nicht mehr vertreten. Das treibt diese Leute zu politischen Alternativen, die nicht unbedingt seriöse Gesinnungen in ihrem Portfolio beherbergen. Man darf es durchaus als Trotzreaktion verstehen, die sich die etablierten Parteien selbst zuschreiben dürfen.

Es ist nicht hinnehmbar in einen Staat, der jahrzehntelang ein Bürokratiemonster fütterte und die Menschen daran fesselte, wenn plötzlich unkontrolliert Flüchtlinge ins Land strömen und dieser Staat hinter vorgehaltener Hand seine Kapitulation zugibt, aber die Bundeskanzlerin mit stilvoll zur Raute geformten Händen die ganze Welt nach Deutschland einlädt. Man streitet sich parteipolitisch über die Namensgebung von Konzentrationslagern für Asylsuchende und die Koalitionspartner einigen sich auf die Bezeichnung „Einreisezentren“, damit die SPD befriedigt wird und der von der CSU präferierte Begriff „Transitzonen“ weniger abstoßend klingt.

Zwar redet man häufig und gerne über die Bekämpfung der eigentlichen Fluchtursachen, doch traut sich augenscheinlich niemand, diese offen auszusprechen oder gar etwas dagegen zu unternehmen. Warum kommen denn so viele Flüchtlinge aus angeblich sicheren Herkunftsländern nach Mittel- und Nordeuropa? Welche Perspektiven bieten sich denn den Menschen in Afghanistan oder dem Kosovo? Was will Deutschland und die EU unternehmen, um die Situation in den Krisenländern zu verbessern? Ob das Errichten von Zäunen an den jeweiligen Landesgrenzen oder abermals gesteigerte Rüstungsexporte tatsächlich als sinnvolle Lösungsansätze verstanden werden, bleibt zu bezweifeln.

Die braune Soße hat die Bundesregierung im Prinzip selbst angerührt, indem sie den Rechtspopulisten die passenden Zutaten liefert. Es ist der dilettantische Umgang mit den Massen an Flüchtlingen einerseits und dem medialen Verurteilen von Teilen der eigenen Bevölkerung andererseits. Jene besorgten Bürger werden regelrecht in die Arme der Rechtspopulisten getrieben. Meldungen über Hausenteignungen, um Flüchtlingsunterkünfte bereitstellen zu können, erzeugt Schnappatmung bei Menschen, welche selbst vom sozialen Wohnungsbau abhängig sind, der ohnehin über Jahre vernachlässigt wurde. Hier schließt sich übrigens der Kreis wieder bei den Sparmaßnahmen der letzten Jahre.

Das politische Versagen von Bundesregierungen und nicht nur der aktuellen rächt sich nun exemplarisch an Menschen, die Asyl suchen. Diese werden zerrieben zwischen politischen und existenziellen Interessen.

Leute verstehen nicht, dass Straffälligkeit von Flüchtlingen sich nicht auf deren Asylverfahren auswirkt. Zwar ist es so gesetzlich geregelt, aber hinterlässt Unverständnis in der Bevölkerung, wenn Urheberrechtsverstöße irgendwie gefühlt härter bestraft und unnachgiebiger verfolgt werden.

Inzwischen haben auch mit Duldung der Regierung längst findige Geschäftsleute die Flüchtlingskrise als lukrativen Markt entdeckt. Vermietung von menschenunwürdigem Wohnraum an Flüchtlinge auf der einen Seite sowie eklatant ansteigende Mietpreise für die Restbevölkerung auf der anderen Seite, sorgen nicht für gute Laune in der Republik. Die Neiddebatte ist in vollem Gange, während die politisch Verantwortlichen sich wegducken, wenn es kritisch wird.

Ein politisches Versagen auf ganzer Linie offenbart sich jeden Tag erneut. „Wir schaffen das“ hätte ehrlicher geklungen, wenn Frau Merkel diesen Spruch den Bank- Managern in der Finanzkrise entgegen gerufen hätte.

Ein erhebliches Gerechtigkeitsdefizit wird in jenen Teilen der Bevölkerung wahrgenommen, welche seit Jahren keine Perspektiven für eine bessere Zukunft erblicken konnten und nun befürchten, dass sie mit all den Neuankömmlingen sich um die Krümel streiten müssen, während eine kleine elitäre Gesellschaft den großen Kuchen längst aufgefressen hat.

Es fehlt die Überzeugung, dass die Bundesregierung die Lasten dieser Flüchtlingskrise gerecht auf alle Schultern verteilt. Diese Flüchtlingskrise ist nur das letzte Tröpfchen auf die heiße Herdplatte, wo die braune Soße am Überkochen ist…

Warum ist die Lügenpresse eine Lügenpresse?

2. November 2015

Nicht nur im direkten Umfeld von Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) oder der AfD (Alternative für Deutschland) hört man den abfällig klingenden Begriff Lügenpresse wie das Mantra der jeweiligen Veranstaltung aus der Menge erklingen. Weil die Medien nicht das berichten, was die Anhänger dieser politischen Kaste hören und sehen wollen, werden sie als sogenannte Lügenpresse geschmäht. Die Wahrheit ist einzig und allein, was der eigenen Ideologie entspricht.

Ein Beitrag vom ZDF Morgenmagazin von der AfD- Demo in Erfurt Ende Oktober 2015 bietet sich an, um den Vorwurf zu analysieren, inwieweit eine Beschimpfung mit einem durchaus so brandmarkenden Begriff gerechtfertigt ist. Moderatorin Dunja Hayali interviewte Teilnehmer vor Ort. Zunächst wird davon ein Bericht ausgestrahlt, der die Aussagen der befragten Menschen in knapp 4 Minuten komprimiert:

 

Mit etwa 26 Minuten erhält man später in einer nicht geschnittenen Version ungefiltert die Interviews.

 

Ab Minute 00:35 kommt ein Herr zu Wort, der in der Kurzfassung überhaupt keine Berücksichtigung findet. Er schildert sehr unaufgeregt und nachvollziehbar seine Sorgen und Ängste. Ob man seine Ansichten über eine mögliche Invasion des Islam teilt oder nicht, repräsentiert er dennoch eher den Querschnitt vieler Menschen in Deutschland. Seine Argumentation lässt sich nicht als völlig unbegründet abweisen, indem er behauptet, dass ständig auf der Welt im Namen des Islam gemordet wird. Das mag nicht der wahren Lehre des Islam entsprechen, dennoch ist es nicht weg zu diskutieren, dass islamistischer Terrorismus existiert und auch eine bedeutende Rolle im Gesamtaufkommen von Terrorismus einnimmt. Auf das Gegenargument von Frau Hayali, dass heutzutage selbst im Namen des Christentums Morde passieren, hat er eine moderate Antwort geben können:

Wenn ein Christ mordet, der beruft sich nicht auf die Bibel, aber diese islamischen Mörder oder Terroristen berufen sich auf ihren Koran, ihre Bibel.

Nun hat das ZDF bzw. das Morgenmagazin nicht gelogen, allerdings das wohl interessanteste Interview schlichtweg unterschlagen, wenn wie gewöhnlich nur eine Kurzzusammenfassung der Geschehnisse veröffentlicht wird. Diese Erkenntnis bleibt und besitzt einen Hauch von Manipulation. Denn allein durch das Weglassen des vernünftigsten Interviews schlechthin wirken alle anderen naturgemäß aggressiver und unbegründeter in ihrer Argumentation.

Ab Minute 04:37 kommt eine Person zu Wort, deren Beitrag in der Kurzfassung auf Aussagen zurecht geschnitten wurde, dass der Herr, reduziert auf diese Teilaussagen, wie ein Hetzer und Volltrottel erscheint. Wer sich dann später im TV so wiederfindet, wird sich wohl kaum darüber freuen, als Idiot der Nation dargestellt worden zu sein. Ist es nicht auch eine Art der Lüge, wenn man wesentliche Teile der Berichterstattung unterschlägt?

Ich krieg 500€ Rente und so ein Muslim kriegt 670…

Eine Dame (Minute 16:15) beschwert sich massiv und aufgeregt und skandiert mehrfach ihren Hass. Dass ihr Neid auf Flüchtlinge unbegründet ist, weil sie fälschlicherweise glaubt, dass sie weniger Rente erhalten würde als muslimische Flüchtlinge, wird leider nicht richtig gestellt. Den Betrag von 670€ erhalten die Kommunen vom Bund als Zuschuss für die Komplettbetreuung eines Flüchtlings. Ein erwachsener Single erhält 143€ im Monat, was allerdings noch stärker als bisher in Sachleistungen erfolgen soll.

Ab Minute 19:00 kommen erneut in der Langfassung 2 Frauen zu Wort, die sich keinesfalls rechtspopulistisch äußern. In der Kurzfassung fehlen typischerweise ausgerechnet diese beiden Interviews. Das ist manipulative Berichterstattung. In der Kurzfassung werden nur Szenen berücksichtigt, welche den Eindruck erwecken, dass alle Teilnehmer an dieser Demo eine deutlich rechtspolitische Einstellung besitzen würden. Das ist unausgewogen.

Einen weiteren Beweis für manipulative Berichterstattung lieferte das ZDF zur Ukraine unter anderem hiermit:

Manipulationsmedien versus Lügenpresse

Es liegt also zum großen Teil an den Medien selbst, wie sie wahrgenommen werden. Die Menschen möchten keine vorgekauten Nachrichten mehr, sondern eine umfangreiche und ausgewogene Berichterstattung. Zu oft werden wichtigen Nachrichten zu wenig Sendezeit zugestanden, während allerlei dumpfer Quatsch über alle Kanäle hinweg die Menschen berieselt.

Asylparadies Deutschland

29. Oktober 2015

Vorstellung und Realität verhalten sich selten proportional zueinander. Das gilt für Asylsuchende gleichermaßen wie für die „Gastgeber“. Man könnte bisweilen den Eindruck gewinnen, dass jede Verfehlung von Flüchtlingen im Gastland mit dem Smartphone eingefangen und in sozialen Netzwerken, allen voran Facebook, dokumentiert wird.

Flüchtlinge überqueren nicht das Mittelmeer, weil sie eine Kreuzfahrt gebucht haben. Sie laufen nicht 3000 Kilometer durch fremde Länder, weil sie eine Wallfahrt machen. Vielleicht klingt es für Besserdeutsche zu banal, aber diese Menschen fliehen vor Kanonen, Gewehren und Fanatikern, die Waffen gnadenlos benutzen, welche wiederum von Industriestaaten des Profits wegen dorthin geliefert wurden. Ist es so verwunderlich, dass jene Menschen aus ihrer zerbombten Heimat nach Deutschland und Resteuropa kommen und hier schließlich als Kollateralschaden einer seit Jahrzehnten misslungenen Weltpolitik auf dem Altar von selbstgefälligen Rettern des Abendlandes geopfert werden?

Im Sog einer desaströsen Flüchtlingspolitik befinden sich auch viele Menschen, die sich schlicht und ergreifend ein besseres Leben erhoffen, ohne aus unmittelbarer Lebensgefahr entkommen zu sein. Das Bild von Wohlstand, Reichtum und Freiheit wurde zu lange und zu oft mit auffälliger Dekadenz von der Europäischen Union vermittelt. Wer zeigt schon gerne schlechte Fotos aus dem Urlaub oder macht überhaupt solche? Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nicht müde, Deutschland als Flüchtlingsparadies auf Erden zu bejubeln und die Balkanstaaten bekunden kein Interesse, die Flüchtlingsströme auf ihrem Weg ins gelobte Land aufzuhalten.

Es ist bisweilen auch eine herbe Enttäuschung, was viele Immigranten am Ziel ihrer falschen Träume entdecken. Überfüllte Erstaufnahmelager, Ellbogenmentalität untereinander und öffentlich praktizierter Fremdenhass von den Deutschesten unter den Deutschen passen nicht in das Bild, was viele Menschen in den Herkunftsländern von Deutschland haben.

Ein Flüchtling, der in Deutschland um Asyl bittet, muss das nicht in Demut kniend vor jedem rechtpopulistischen Idioten tun. Es ist ein verbrieftes Recht in jenem Grundgesetz, welches als schriftliches Bollwerk gegen eine düstere Vergangenheit errichtet wurde. Und wer den Anspruch stellt, in diesem Land aufgenommen zu werden, besitzt unweigerlich die Bringschuld, die darin dokumentierten Werte anzuerkennen. Es wäre eigentlich gar nicht so schwierig…

Deutschland gerät zunehmend an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit und zwingt Flüchtlinge in geduldige Lethargie, während destruktive politische Kräfte den Staat an einer offengelegten Achillesferse treffen wollen. Viele Menschen erliegen einer subversiven Propaganda, welche sogar teilweise zusammengelogen wurde, um längst überwunden geglaubte Ideologien wieder zum Leben zu erwecken. Erschreckend ist der Erfolg, Menschen mit einfachen Lösungen, die gar keine sind, überzeugen zu können.

Dabei wäre es für alle von Vorteil, anstatt gegen Islamisierung wöchentlich spazieren zu gehen oder die eigene Unzufriedenheit mit dem Anzünden von Flüchtlingsunterkünften zu befriedigen, wenigstens nicht jene zu behindern oder gar zu bedrohen, die sich engagieren, eine Lösung zu finden. Auch müssen ein Staat und jene, die ihn führen möchten, erkennen, dass Fehler beseitigt werden müssen, anstatt sie zu ignorieren oder gar zu vertuschen. Den Menschen, die nach Deutschland kommen, muss unmissverständlich klar gemacht werden, und zwar nicht erst, wenn sie bereits vor der Tür stehen, was sie real hier erwartet.

Meist sind es Muslime, die in den Fokus von Rassisten geraten, weil deren Religion so fremd und unvereinbar mit der hiesigen Kultur zu sein scheint. Nicht erst seit der aktuellen Flüchtlingskrise wurde das Problem von real existierenden Parallelgesellschaften ignoriert. Es ist inakzeptabel, wenn Muslime mit extrem religiösen Vorstellungen, Gesetze und gesellschaftliche Werte in diesem Land missachten. Religionsfreiheit endet dort, wo Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Frauen sind in Deutschland den Männern gleichgestellt. Homosexualität ist nicht strafbar und erst recht keine Krankheit. Und wer Andersgläubige offen als unrein betrachtet und entsprechend reagiert, hat in dieser Gesellschaft keine Daseinsberechtigung.

Das gilt jedoch auch für Propagandisten, welche auf das Recht der Meinungsfreiheit pochen, aber es durch Beleidigungen, Verleumdungen oder Hetze überstrapazieren. Wir leben in Deutschland im Verhältnis zu anderen Ländern und Regionen ausgesprochen gut. Es ist kein Paradies, weder für Einheimische noch für Flüchtlinge. Man darf behaupten, dass sich das Prinzip des Sozial- und Solidaritätsstaates bewährt hat. Was spricht dagegen, diesem Prinzip treu zu bleiben?

Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Datenautobahn

29. Oktober 2015

Der 27. Oktober 2015 war ein denkwürdiger Tag für das Internet. Das EU- Parlament in Straßburg hat eine Verordnung zur Netzneutralität beschlossen. Man muss jetzt natürlich wissen, worum es bei diesem abstrakten Begriff geht. Die sogenannte Netzneutralität ist quasi der Paragraph 1 im virtuellen Grundgesetz des Internets. Sie gewährleistete bislang die Gleichbehandlung aller Daten, welche zwischen den Internetnutzern und Anbietern ausgetauscht wurden. Durch das neue Gesetz wird jene Netzneutralität empfindlich beschädigt. Ein Vergleich zur konventionellen Autobahn im Straßenverkehr ist so angemessen wie verständlich.

netzwerk

Man darf sich künftig die Datenautobahn wie beispielsweise eine mehrspurige Straße für Kraftfahrzeuge vorstellen. Derzeit befinden sich ganz links die sogenannte Überholspur und ganz rechts die Fahrbahn für langsame Verkehrsteilnehmer. Jeder Verkehrsteilnehmer kann und darf im Prinzip alle zur Verfügung stehenden Fahrbahnen nutzen. Man muss sich jetzt vorstellen, dass man die linke Spur nur gegen Aufpreis nutzen dürfte, selbst wenn die Leistung des eigenen Fahrzeugs es problemlos zulassen würde.

Auf der Datenautobahn wird die Sache komplizierter. Denn auch Diensteanbieter können und müssen sich der neuen Klassifizierung unterwerfen. Adäquat auf die Straße übertragen, wäre das vergleichbar mit dem Tempomaten, der inzwischen in vielen Fahrzeugen Standard ist. Allerdings würde nicht der Fahrzeuglenker das Instrument bedienen, sondern das Verkehrsministerium. Andere entscheiden aufgrund von geleisteten oder nicht geleisteten Zusatzgebühren, wie der Tempomat auf welchem Verkehrsabschnitt eingestellt würde…

Technisch spricht man beim Datenverkehr von Priorisierung. Man kann die diversen Dienste innerhalb der zur Verfügung stehenden Bandbreite drosseln. In der Praxis äußert sich das, indem man zwar für einen Streaming- Dienst die komplette Bandbreite nutzen könnte, wenn gleichzeitig kein anderer Dienst(Email, Download usw.) in Anspruch genommen wird, aber eben vom Provider manche Dienste auf ein Minimum des Möglichen gedrosselt sind. Also bei einer üppigen Bandbreite von 50 MBit/s laut Vertrag würde man dennoch nie ein Video ruckelfrei anschauen können, weil der Dienst des entsprechenden Anbieters permanent auf 2MBit/s gedrosselt wurde. Sofern der Diensteanbieter nicht gewillt ist, für sein Angebot für ungebremste Durchleitung zu zahlen, nutzt dem Endanwender die eigene hohe Bandbreite überhaupt nichts.

Netzbetreiber wie die Telekom, welche selbst Diensteanbieter sind, drosseln ihre eigenen Angebote natürlich nicht. Der Internetnutzer muss sich entscheiden, ob er zum sogenannten Premiumangebot wechselt oder die willkürlich per Gesetz geschaffene Einschränkung in Kauf nimmt. Private Homepagebetreiber werden wohl kaum ins Lager der Anbieter solcher Premiumdienste wechseln. Auch kleine, innovative Diensteanbieter werden in Zukunft kaum noch Chancen haben, den Marktführern gefährlich zu werden. Aber auch die Endkunden müssen mit höheren Kosten rechnen, wenn sie ihre Bandbreite ausnutzen wollen, um sogenannte On- Demand Angebote in vollem Umfang genießen zu können.

Denn es gibt nur 2 Gründe, weshalb dieses Gesetz gegen die Netzneutralität in der aktuellen Form beschlossen wurde:

1. Es soll eine Marktregulierung zu Gunsten der großen und mächtigen Internetkonzerne durchgeführt werden.

2. Der notwendige und kostenintensive Ausbau der Netze kann hinausgezögert werden, obwohl gleichzeitig eine Gewinnmaximierung für etablierte Marktführer sichergestellt werden kann.

Das neue Gesetz für oder eher gegen Netzneutralität, worin der entscheidende Begriff „Netzneutralität“ nicht einmal Erwähnung findet, basiert auf rein wirtschaftlichen Interessen. Es wird mit sogenannten „Spezialdiensten“ argumentiert, die von allgemeinem Interesse sein sollen und deswegen eine Priorisierung erfahren müssten. Tatsächlich hat man jedoch keinen einzigen Spezialdienst als solchen definiert, sodass die Anbieter quasi frei darüber entscheiden können. Gerne wird die sogenannte „Telemedizin“ als Totschlagargument herangezogen. Das ist insofern vollkommener Blödsinn, weil hierbei fast ausschließlich beratende Aufgaben erfüllt werden, wo keine Dringlichkeit vorliegt. Das Versenden von Röntgenbildern per Emailanhang kann wohl kaum als Spezialdienst verstanden werden. Und Telechirugie wird ohnehin nicht per ferngesteuertem Skalpell praktiziert, sondern entfernte Operationen können per Videoübertragung verfolgt oder beratend begleitet werden. Dass ausgerechnet bei heiklen medizinischen Eingriffen eine fehlende Bandbreite ausschlaggebend für das Gelingen sein soll, klingt abenteuerlich. Da gibt es etliche wichtigere technische Schwachstellen, denen man Aufmerksamkeit schenken sollte.

Qualitätsjournalismus ist nicht kostenlos

22. Oktober 2015

Ich gebe es zu. Ich lese viele Nachrichten. Online. Kostenlos. Eine Zeitung kaufe ich eigentlich nie. Selbst im Wartezimmer beim Arzt verschmähe ich den Lesezirkel.

Alle Printmedien besitzen auch ein Online- Angebot. Weshalb sollte man sich also in Zeiten der Rundumdigitalisierung noch Totholz- Lektüre widmen?

Die Verlage waren nicht ganz plötzlich gezwungen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, um in der Onlinewelt ihr Produkt anbieten zu können und trotzdem Geld damit zu verdienen. Zunächst forderte man politische Unterstützung ein, bei jenen Parteien, die man ja schließlich tatkräftig in die Parlamente geschrieben hatte. Durch das sogenannte Leistungsschutzrecht wollte man am Umsatz von Google & Co. partizipieren. Die Vorstellung war, dass Suchergebnisse, deren Kurztexte (Snippets) den zu erwartenden Inhalt beschreiben, die Anbieter solcher Dienste, also Suchmaschinen und News- Aggregatoren, dazu verpflichten, den Verlagen anteilmäßig etwas zu zahlen. Diese Groteske wurde tatsächlich vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Obwohl für jeden Betreiber von Internetpräsenzen die technische Möglichkeit besteht, Suchmaschinen zu veranlassen, das jeweilige Online- Angebot nicht in den eigenen Suchindex aufzunehmen, mussten sich die Suchmaschinen- Betreiber damit abfinden. Als Markführer Google schließlich damit drohte, dann eben keine Treffer auf Inhalte von Online- Angeboten von Presseverlagen zu erzeugen, beerdigte man den Erpressungsversuch ziemlich kleinlaut. Denn ein Online- Angebot ist kaum etwas wert, wenn niemand es finden kann…

Eine ziemliche faire Variante eines Bezahlmodels stellen sogenannte Pay Walls dar. Man kann mehr oder weniger freiwillig entscheiden, ob und wie viel man für das Lesen eines Artikels bezahlen will. Dennoch bleibt die Einnahmequelle per Werbeeinblendung das primär genutzte System. Das ist für den Online- Leser ziemlich nervig und oft wird man davon nicht einmal verschont, wenn man Abonnent ist oder brav den Pay Wall Durchgang bezahlt. Dennoch wird allgemein akzeptiert, dass eine Leistung wenigstens durch Werbeeinnahmen finanziert wird. Leider wird auch hierbei bisweilen maßlos übertrieben, sodass der Inhalt, wofür man sich eigentlich interessierte, gemessen an dem virtuellen Weg dorthin den geringsten Anteil des Zeitaufwands einnimmt.

Hierfür gibt es kleine Tools, die man als Zusatz (Add On) zum Browser installieren kann. Das hat allerdings zur Folge, dass eine Werbung, die per Ad- Blocker keine Zählung durchführen kann, eben auch keine Einnahmen generiert.

Quelle: Bild.de

Quelle: Bild.de

 

Man will den Besucher zwingen, den Adblocker zu deaktivieren. So weit so gut. Wenn jemandem der journalistische Anspruch hoch genug ist, um die Werbung ertragen zu können, spricht auch nichts dagegen, eine Ausnahme zu machen.

Leider gehört zum Geschäftsmodell nicht nur der Verlagsbranche, mit Daten und Profilen zu handeln. Es wird in der Regel nicht darauf hingewiesen, dass die Daten der Besucher ausgelesen und vermarktet werden.

ghostery_focus

Beim Online- Angebot des Focus werden etwa 12 Tracker gefunden, die den Besucher analysieren sollen. Davon bekommt der Besucher nichts mit, aber er bezahlt allein für den Besuch auf der entsprechenden Homepage mit seinen Daten, selbst wenn das Angebot doch nicht in Anspruch genommen wird. Es bleibt also eine Überlegung wert, den Adblocker abzuschalten oder doch lieber auf das journalistische Meisterwerk zu verzichten.

Ich habe mich übrigens dazu entschieden, das Angebot von Bild nicht in Anspruch zu nehmen…

 

Der beschämende Geburtstag von Pegida

21. Oktober 2015

Akif Pirinçci beginnt vorm Rednerpult von Pegida am 19. Oktober 2015 mit folgenden einleitenden Worten:

„…deshalb habe ich eine Originalrede nur für diesen Anlass geschrieben“

Es ist der Nachweis, dass die umstrittene Rede des Herrn Pirincci keineswegs unüberlegt oder dem Eifer der Situation geschuldet war. Alles war präzise so geplant, was danach ins Mikrofon posaunt wurde. Die Ausrede, dass der Protagonist sich während der Veranstaltung unkontrolliert in seiner Wortwahl vergriffen habe, darf zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

„Es geht um die Auswechslung einer Bevölkerung gegen eine andere…“

Er zitierte damit aus seinem Pamphlet „Die Umvolkung“ und vergleicht die aktuelle Flüchtlingskrise mit der ethnischen Säuberung der Nationalsozialisten im 3. Reich. Das darf er, da dies durch das verbriefte Recht der Meinungsfreiheit jedem Bürger zugestanden werden muss. Ob es jedem gefällt oder gar der Wahrheit entspricht, ist zunächst irrelevant.

Er zitierte den Kommunalpolitiker Lübcke(CDU) bei einer Informationsveranstaltung wegen der Unterbringung von Asylbewerbern. Er bezeichnete die 400 Flüchtlinge pauschal als Invasoren.

„Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jeder Zeit verlassen.“

war die nachweisliche Antwort des Regierungspräsidenten von Kassel, Walter Lübcke, auf die Einwände einer Person aus dem Publikum:

„…aber das wollen wir nicht“

Dieser Einwand soll sich gegen die Errichtung des Erstaufnahmelagers gerichtet haben, was jedoch spekulativ bleibt. Zudem war es eine Aussage einer Einzelperson, die allerdings für sich beanspruchte, für ein undefiniertes Kollektiv(wir) zu sprechen. Ebenso spekulativ bleibt die Deutung der Aussage des Herrn Lübcke, welche Werte überhaupt gemeint waren. Im Kausalzusammenhang darf man jedoch darauf schließen, dass das Recht auf Asyl damit gemeint sein musste.

„Mit Werten ist gemeint, dass jeder Dahergelaufene, der seinen Fuß illegal auf deutschen Boden setzt, das Recht erzwingen darf, sich bis zu seinem Lebensende und das seines Clans von den Scheißkartoffeln auf Luxusniveau verköstigen zu lassen.“

Diese Werte, wie sie Herr Pirincci zu glauben scheint, gibt es überhaupt nicht. Ein Blick ins deutsche Asylrecht widerlegt seine exotische Behauptung. Maßlos übertrieben mag es manchen Leuten so vorkommen, aber die Realität ist eine völlig andere.
Es folgte die denkwürdige Aussage von Pirincci:

„Offenkundig scheint man bei der Macht die Angst und den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt zu haben, dass man ihm schulterzuckend die Ausreise empfehlen kann, wenn er gefälligst nicht pariert. Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZ sind ja derzeit außer Betrieb.“

Dass er den umstrittenen Satz mit der KZ- Alternative sehr kalkuliert an diese Stelle positionierte, besitzt durchaus juristische Spitzfindigkeit. Schließlich hat er ja seine Rede sorgfältig vorbereitet, wie man weiß und er ist Schriftsteller…
So bezieht sich die Aussage rein rhetorisch auf deutsche Bürger, die nicht deutsche Gesetze wertschätzen wollten. Hingegen ist es allerdings rechtlich vollkommen ausgeschlossen, dass seine sogenannte Alternative in einem demokratischen Staat als Maßnahme selbst gegen übelste Volksverhetzer Anwendung finden könnte. Vermutlich wird man ihm juristisch kaum jene Volksverhetzung nachweisen können, wenngleich seine gesamte Rede nichts anderes darstellte. Das war perfekt inszenierte rechtsextreme Propaganda und als solche sollte man sie erkennen und bewerten. Die Reaktionen aus dem Pegida- Publikum sind überwiegend zustimmend, was die eigentlich erschütternde Erkenntnis bleibt.

„…der mit der deutschen Kultur so viel gemein hat wie mein Arschloch mit Parfümherstellung.“

Pirincci taucht gern und bewusst in die Niederungen der Fäkalsprache ein, weil man damit Aufmerksamkeit gewinnt. Hätte er sich niveauvoller ausgedrückt, müsste man davon ausgehen, dass sich die Aussagen weit weniger in den Köpfen der Zuhörer manifestieren würden. Dass er damit medial für Aufsehen und Entrüstung gesorgt hat, beweist nachhaltig, dass diese Strategie funktioniert.

„Sie wissen schon, dass die primitiven Fürze in den Köpfen dieser Fremden nix mit Religion zu tun haben, als vielmehr mit ihrer höchst krankhaften Beschäftigung, mit allem, was nach Fickerei und Gewalt riecht, wobei ihnen ein gewisser Allah den Weg weist.“
„…nachdem sie über sie hergefallen sind und ihren Moslemsaft in sie hineingepumpt haben.“

Eigentlich ist die Rede des Bestseller- Autors Pirincci inhaltlich ausgesprochen schwach und katapultiert ihn als Schriftsteller hoffentlich aus den Bücherregalen anständiger Menschen und den Angebotslisten des Buchhandels. Da sollten ihn seine Katzengeschichten auch nicht mehr retten dürfen. Man kann seine Auslassungen bestenfalls als rechtsradikale Hirnseuche etikettieren. Seine Schlussfolgerungen, die er aus relativ unbedeutenden Geschehnissen ableitet, klingen nicht einmal plausibel. Gute Verschwörungstheoretiker müssen schon tiefer in die Trickkiste der Propagandastrategie greifen, um ideologische Hirnwäsche an potenziellen Opfern betreiben zu können.

Die Pegida- Bewegung als solche steht in gewisser Weise vor einem Scheidepunkt. Selbst der „Godfather“ von Pegida, Lutz Bachmann, sah sich gezwungen, dem fremdenfeindlichen Hassprediger das Mikrofon zu entreißen und im Nachgang eine Entschuldigung für diesen Redner zu verkünden. Man darf es als Schadenbegrenzung auffassen, denn die Dosis an Rassismus und Rechtspopulismus war schlichtweg zu hoch für eine Veranstaltung von lediglich besorgten Bürgern. Die Spaziergänger von Pegida laufen bewusst Leuten hinterher, die unumstritten der rechten Szene zuzuordnen sind. Es existieren hervorragende Beziehungen zu Geert Wilders, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit, zu Heinz- Christian Strache, Chef der FPÖ, oder auch Michael Stürzenberger, Vorsitzender der Kleinpartei Die Freiheit, welche auch teilweise bei Pegida aufgetreten sind. Man kann nicht diesen Leuten hinterher laufen und ihnen Beifall spenden und gleichzeitig behaupten, kein Nazi zu sein. Dieser Widerspruch lässt sich nicht einfach wegdiskutieren.

Flüchtlinge stürzen Münchner Krankenhäuser ins Chaos?

16. Oktober 2015

Quasi im Minutentakt kippt irgendein Rechtspopulist seinen ideologischen Abfall in die sozialen Netze. Die Flüchtlingskrise beschert der Neonazi- Szene leider Zulauf und diesen sogar aus Bevölkerungsschichten, welche sich selbst nicht als politisch ganz weit rechts einordnen wollen. Erschreckend zeigt sich, dass der Begriff „Nazi“ kaum noch Abneigung erfährt. Erfolgreiche Propaganda, welche in weiten Teilen auf Manipulationen von Geschehnissen basiert oder gar mit Lügengeschichten erzwungen wird, beeinflusst etliche Menschen, die sich nicht bemühen, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen und ohnehin die Flüchtlingskrise als persönlichen Angriff auf die eigene Identität und Lebensgrundlage empfinden. Dass unter Millionen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Diskriminierung und Unterdrückung sind, auch eben Leute sind, welche kriminelle Neigungen besitzen oder generell Probleme mit Rechtsstaatlichkeit besitzen, ist nicht ungewöhnlich. Würden von 80 Millionen Deutschen nur 10% flüchten müssen, wären das sicher nicht alles tugendhafte Lichtgestalten. Man muss begreifen, dass das Flüchtlingsdrama vielfältige Probleme hervorbringt, die eben nicht mit pauschaler Hetze zu bewältigen sind.

Ausgerechnet dort, wo Hilfe der Inbegriff des Tagesgeschäftes ist, sollen Flüchtlinge undankbar bis unverschämt reagieren, glaubt man Berichten diverser rechtspopulistischer Internetpräsenzen.

Quelle: EpochTimes

Quelle: EpochTimes

Eine tschechische Anästhesistin schildet angeblich katastrophale Zustände aus einem deutschen Krankenhaus in München. Polizeipräsenz zum Schutz von Apotheken und Krankenhäusern soll gegen gewaltbereite und unzufriedene Migranten notwendig sein. Krankheiten wie Aids und Syphilis sollen eingeschleppt werden sowie diverse exotische Krankheiten, die wegen fehlender Kompetenz nicht behandelt werden könnten. Und natürlich die typische Degradierung von Frauen durch muslimische Männer fehlt nicht.

Leider fehlt vielen Leuten, die ohnehin damit ihre Vorurteile bestätigt sehen, der neutrale Blick auf diese haarsträubende Berichterstattung. Nicht Rettungsassistenten oder Ärzte aus der Notaufnahme beschweren sich über untragbare Zustände, sondern eine Narkose- Ärztin, die größtenteils ihre Patienten in der Waagerechten behandelt. Das klingt etwas merkwürdig, aber nicht unmöglich. Seltsam wirkt vielmehr, mit welch geringer Genauigkeit diese angebliche Ärztin diese Umstände schildert. Essentiell wäre, die betreffende Klinik mit Namen zu nennen. Von einer Münchner Klinik, wo sie angeblich tätig sein will schließt sie alle anderen Krankenhäuser ein. Hierfür bedarf es einer außergewöhnlich guten Vernetzung zu Kollegen in anderen Kliniken.

Die Strategie ist offensichtlich. Je weniger konkret die Geschichte bleibt, desto schwieriger wird es, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Quellenangaben werden nur spärlich dokumentiert und führen oft zu weiteren Internetpräsenzen gleicher Gesinnung mit weitgehend gleicher Berichterstattung.

Quelle: Denken macht frei

Quelle: Denken macht frei

 

Die Internetpräsenz liefert sogar einen Videobeitrag aus dem tschechischen Fernsehen. Dieser Sender, also CNTV wie die Logo- Einblendung zeigt, taucht nicht in der offiziellen Senderliste der tschechischen Republik auf:

Senderliste Tschechische Republik

oder

Tschechische Sender

Bei EpochTimes wird als Quelle auf die Internetpräsenz „Denken macht frei“ verwiesen. Ein Satz am Ende des ziemlich langen Textes offenbart im Prinzip das Zugeständnis, nicht sorgfältig recherchiert zu haben und ungeprüft einen Text einer nicht verifizierten Person als Artikel veröffentlicht zu haben:

Dieser Beitrag stellt in Inhalt und sprachlichem Ausdruck die Meinung seiner Verfasserin dar und wurde von EPOCH TIMES im Sinne der Informationsfreiheit veröffentlicht.

Das bedeutet im Wortsinn, dass der Beitrag auch eine frei erfundene Geschichte sein kann und besitzt rein juristische Gründe.

Bis zur Veröffentlichung dieses Beitrages haben immerhin zwei Münchner Krankenhäuser schriftlich wie fernmündlich bestätigt, dass in ihren Häusern keine solchen Zustände herrschen und verurteilen diese Schilderungen als unwahr. Die tschechische Anästhesistin ist zumindest dem Klinikum Dritter Orden Nymphenburg sowie dem Städtischen Klinikum München unbekannt. Ohnehin liegt die Beweislast bei den Internetportalen, die solches behaupten. Sie sollen bitte Ross und Reiter nennen und sich nicht in Pauschalisierungen verirren.  

Quellenangaben:

EpochTimes

Denken macht frei

 

Licht an in Dunkeldeutschland!

12. Oktober 2015

Das Kunstwort „Dunkeldeutschland“ ist eine bösartige Bezeichnung für Sachsen speziell und generell für Ostdeutschland im Zusammenhang mit einer auffallend aggressiven Haltung gegenüber Flüchtlingen. Diese Pauschalisierung ist völlig unangebracht und provozierend zugleich. Dennoch gelingt es weder Politikern noch den Bürgern selbst, das Image zu verbessern, weil fremdenfeindliche Hetze dort immer wieder auf fruchtbaren Boden zu fallen scheint. Hierbei schrecken die rassistisch und rechtspopulistisch zu verortenden Urheber jener Hetze auch nicht vor Lügenpropaganda zurück…

Der Artikel auf der Internetpräsenz „Deutsche Warnung“ ist datiert auf den 27. September 2015. 3 Tage zuvor soll in einem Supermarkt im Ort Doberlug- Kirchhain in der Nähe von Cottbus angeblich ein Flüchtling nicht bezahlt haben. Die herbeigeholte Polizei soll sogar den Diebstahl geduldet haben. Der gesamte Artikel basiert auf einer anonymen Leserzuschrift. Der einzige Lebensmitteldiscounter im Ort ist eine Aldi- Filiale.

Es wird dreist suggeriert, dass Flüchtlinge sich in deutschen Supermärkten kostenlos bedienen könnten. Das wurde schon mehrfach von anderen Ladenbesitzern dementiert. Auch diverse Polizei- Dienststellen haben schon solche Unterstellungen, also dass sie Flüchtlinge ohne Konsequenzen stehlen lassen würden, energisch zurück gewiesen. Genau genommen dürfen die Beamten, wenn sie wegen Diebstahl gerufen werden, nicht so reagieren, wie im Artikel geschildert wird. Das sollte selbst der hellsten Birne im Kronleuchter im wahrsten Sinne des Wortes „einleuchten“. Dennoch finden sich genügend ultra- naive Leute, die diesen Schwachsinn glauben und sich daran zuweilen ereifern.

Die sogenannte Lügenpresse berichtet ja nach Ansicht der besorgten Bürger gar nicht über solch monumental wichtigen Ereignisse oder unterschlägt bewusst wichtige Details, nur um die allseits auftretenden Probleme mit Flüchtlingen zu vertuschen.

Quelle: Die Welt

Quelle: Die Welt

Das ist doch ein völlig anderer Vorfall, darf der berechtigte Einwand der geneigten Leserschaft lauten. Das ist korrekt, denn dieser Vorfall ereignete sich knapp 160 Kilometer weit weg in einer Penny- Markt Filiale in Braunsbedra. Auch der Zeitrahmen passt überhaupt nicht, wie ein Artikel eines weiteren rechtspopulistischen Internetportals bestätigt.

Kurios bleibt die Feststellung, dass jeweils das gleiche Bild  Situationen zeigen, die tatsächlich etwa ein Jahr auseinander liegen, sich in verschiedenen Orten zugetragen haben und selbst die Discounter verschieden sind. Natürlich weiß diese seriöse Internetpräsenz, mit Namen „Halbpfosten„, welche auch kein Impressum nötig hat, besser über den tatsächlichen Hergang Bescheid als die Redaktion des Lügenpressen- Ablegers „Die Welt„. Immerhin hat sich dieser Vorfall tatsächlich zugetragen, was jedoch die Geschichte in Doberlug- Kirchhain eher ins Reich der Phantasie befördert. Was immer dort im Penny- Markt geschehen sein mag, so war es auf keinen Fall, wie es von der ebenfalls unantastbar seriösen Internetpräsenz „Deutsche Warnung“ berichtet wird.

Wer’s genau wissen will, kann sich ja bei der zuständigen Polizeidienststelle oder dem Marktleiter in der Penny- Filiale in Doberlug- Kirchhain erkundigen. Aber Kleingeister, die sich ohnehin der Fremdenfeindlichkeit zugewandt haben, vertrauen natürlich ungeprüft den Aussagen von unbekannten Schreiberlingen, die sich in der Anonymität ausländischer Server wohl fühlen.

namecheap

Diese Abbildung zeigt die Information einer sogenannten „WHOIS“- Abfrage, welche den Betreiber einer Internetpräsenz identifizieren soll. Der Anbieter Namecheap Inc. wirbt sogar dafür, dass er Identitätsverschleierung anbietet. Wer hat wohl diese Form der Anonymität  als Verfasser von deutschsprachigen Nachrichten nötig? Es würde nicht schaden, wenn so mancher Leser solcher Artikel in seinem Oberstübchen das Licht anknipsen würde…

Verarschen kann ich mich selbst…

8. Oktober 2015

Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt in einer exklusiven Talk- Show in der ARD (Anne Will, 8. Oktober 2015) ihre Flüchtlingspolitik. Die Resonanz ist riesig und kontrovers, bisweilen auch beleidigend. Unter anderem springt ihr die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp- Karrenbauer unterstützend zur Seite. In einem Facebook- Artikel sieht das dann so aus:

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Dabei zeigt sich die saarländische Ministerpräsidentin bürgernah und antwortet fleißig auf diverse Kommentare. Verfolgt man die Kommentare und ihre Antworten, die ohnehin sehr pauschal klingen, entdeckt man deutliche Gemeinsamkeiten.

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Zunächst sind die Antworten nur ähnlich in der Wortwahl, aber inhaltlich beinahe deckungsgleich. Das ist kurios, weil die Fragen zuvor eher völlig unterschiedlich klingen.

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Quelle: Facebook- Profil von Annegret Kramp- Karrenbauer

Im späteren Verlauf werden die Antworten von Frau Kramp- Karrenbauer nahezu identisch und passen nicht einmal mehr zu den gestellten Fragen. Der Verdacht liegt nahe, dass die saarländische Ministerpräsidentin gar nicht selbst antwortet, sondern womöglich ein „Ghostwriter“, vielleicht ein(e) Assistent(in), der/die im Auftrag handelt und einen vorgegebenen Textbaustein immer wieder, in leicht veränderter Form unter manche Kommentare platziert. Das ist jetzt eine gewagte Unterstellung, aber augenscheinlich nicht abwegig.

Nachweisen könnte man den Fake, wenn man den Terminplan der Ministerpräsidentin nachverfolgen würde, ob sie sich zu jedem Zeitpunkt ihrer Antworten auch in der Onlinewelt tummelte. Sollte Sie dennoch tatsächlich selbst diese Antworten gegeben haben, welche in manchen Fällen völlig absurd klingen, sobald man die dazugehörigen Fragen in den Kommentaren liest, müsste man fast schon an ihrem Verstand zweifeln.

Variante 1 klingt plausibler, stellt aber leider die suggerierte Bürgernähe und Kommunikationsfreude von Annegret Kramp- Karrenbauer infrage. Damit erweist sie sich und ihrer Kanzlerin und auch allen Helfern in der Flüchtlingskrise einen Bärendienst. Es ist eine Täuschung der Leute, die sich ehrliche Antworten von ihr erhofft haben…

Update 08.10.2015 14h10:

Der Beweis, dass Frau Kramp- Karrenbauer nicht selbst kommentiert, kommt von den wahren Kommentatoren selbst:

akk7Hier gibt es viele Anregungen und Fragen, die mit dem hier geposteten Interview beantwortet bzw. kommentiert werden können. Deshalb verweisen wir an geeigneter Stelle auf die einzelnen Aussagen des Interviews. Auch mehrfach, wenn gleiche Fragen an verschiedenen Stellen gestellt werden. Die Aussagen stammen alle von Annegret Kramp-Karrenbauer persönlich. Bitte lesen Sie das Interview komplett. Viele Grüße das AKK ONLINE TEAM

Also auf völlig unterschiedliche Fragen, kann man laut AKK Online Team durchaus die gleiche Antwort geben, weil diese völlig unterschiedlichen Fragen doch in Wirklichkeit gleich sind. Super Logik oder faule Ausrede?


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