Wie Twitter die Politik beeinflusst!

Seit den Parteitagen von CDU und SPD geriet der Kurznachrichtendienst Twitter in die Kritik, Zensur betrieben zu haben. Tatsache ist, dass Twitter beiden Parteien exklusiv sogenannte Event- Pages zur Verfügung stellte, wo allerdings nicht alle Tweets mit dem Hashtag #cdupt12 bzw. #spdbpt12 angezeigt wurden.

Zur Erklärung: Hashtags sind Kürzel zu Themen, die es den Usern ermöglichen, Informationen zu diesem speziellen Thema schnell und gebündelt zu finden. Voraussetzung hierfür ist, dass jeder Twitter- Benutzer auch diesen speziellen Hashtag verwendet, wenn über das Thema geschrieben wird. Hashtags kann jeder Benutzer im Prinzip selbst erfinden und darauf hoffen, dass andere Twitter- Nutzer sich darauf einlassen. Gelegentlich kommt es vor, dass zu bestimmten Themen auch unterschiedliche Hashtags erstellt werden, was die Suche erschwert. Meistens setzt sich aber ein bestimmtes Hashtag durch. Damit erst gar nicht zu viele Hashtags für Verwirrung sorgen, definiert das Unternehmen Twitter seit einiger Zeit vordefinierte Hashtags und liefert die Bündelung gleich auf einer sogenannten Event- Page mit. Die Namensgebung des Hashtags geht auf das „Raute“- Symbol (#) zurück, welches im Englischen als „Hash“ bezeichnet wird und damit Suchalgorithmen ermöglicht, diese Stichwörter zu sammeln und zum Beispiel statistisch auszuwerten. Damit lässt sich erkennen, welche Themen besonders heftig diskutiert werden, sofern die Benutzer auch diese inoffizielle Konvention verwenden.

Kurios erscheint nun, dass die Premiere der Event- Pages in Deutschland ausgerechnet beim Parteitag der CDU stattfand und sogar ein Geschenk von Twitter an die Volkspartei war. Die Fortsetzung folgte prompt beim Bundesparteitag der SPD. Allein hierbei könnte man vieles in die Absichten von Twitter hinein interpretieren. So richtig kritisch entpuppten sich dann diese politisch orientierten Event- Pages allerdings erst, als viele Twitterer feststellten, dass ihre Tweets trotz korrekt benutztem Hashtag nicht auf den Event- Pages veröffentlicht wurden. Der Ruf nach Zensur wurde schnell gehört und man machte natürlich zunächst die beiden Parteien dafür verantwortlich. Diese jedoch bestritten vehement ihre Einflussnahme auf die Veröffentlichung der Tweets. Auffällig war schon, dass negative Äußerungen deutlich öfters ausgefiltert wurden als positive. Das amerikanische Unternehmen machte in einer wenig transparenten Stellungnahme die verwendeten Algorithmen für die Selektion verantwortlich, ohne tatsächlich schlüssige Erklärungen liefern zu wollen. Aus diesem Grund bleibt der Verdacht bestehen, dass die Parteien doch nicht so unbeteiligt an der Veröffentlichungsstrategie der Tweets waren. Auffällig wenig empört nahmen sowohl CDU als auch SPD die Vorwürfe hin…

Bereits im Artikel über den Parteitag der CDU habe ich entsprechende Beweise über das nachweisliche Filtern von Tweets auf der entsprechenden Event- Page geliefert. Beim SPD- Parteitag war es für meinen Twitter- Account unmöglich, eine Veröffentlichung auf der SPD- Event- Page zu generieren.

spdbpt12

Keiner meiner Tweets, ob nun sarkastisch böse oder flauschig nett, schaffte es in den elitären Kreis auf der Event- Page der SPD. Dass es die Tweets gab, beweist der Screenshot meiner eigenen Tweet- Timeline. Die Differenz der Systemurzeit mit der angezeigten Zeit in den Tweets selbst, lässt ungefähr nachvollziehen, wann die Tweets versendet wurden. In einer Textdatei, die ich hier nicht wegen der Unübersichtlichkeit und Länge veröffentlicht habe, sind alle Veröffentlichungen der Event- Page im entsprechend relevanten Zeitfenster gespeichert. Damit lässt sich zweifelsfrei nachweisen, dass alle meine Tweets ausgefiltert wurden und gibt vage Rückschlüsse auf die Filtertechnik. Offensichtlich wurde mein Account komplett zensiert.

spdbpt12b 

Ein weiterer Screenshot untermauert den anfänglichen Verdacht. Journalist Michael König hat genau diese Thematik in einem Artikel in der Online- Ausgabe der Süddeutschen Zeitung aufgegriffen, hat aber das eigentliche Ausmaß offensichtlich nicht erkennen können. Dort ist er der Auffassung, dass nur ein Hinweis auf die sachgerechte Bedienung der Event- Page fehlt und ein Verwenden des Buttons „Alle“ bzw. „View all Tweets“ auch die restlichen Tweets mit dem ausgewählten Hashtag anzeigen würde. Das stimmt allerdings nicht, wie man hier sehr schön nachvollziehen kann. Verstehen, weshalb ausgerechnet mein Account zensiert wurde, kann ich allerdings nicht, denn sicher gäbe es andere Accounts mit höheren Potential dafür. Vielleicht ist bzw. war es auch nur eine technische Panne?

Politisch darf man der Interpretation von Michael König durchaus folgen, denn geschönte Publicity besitzt durchaus den Charakter, beeinflussen zu können. Werbung bedient sich erfolgreich der gleichen Tricks. Hat Twitter als angeblich neutraler Kurznachrichtendienst damit nun seine Unschuld verloren?

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