Die Urheberknechte – Reloaded

Die Verwertungsindustrie macht massiv Druck auf alle Bestrebungen, das geltende Urheberrecht in eine gerechte Form zu reformieren. Ein eher minder professionell publizierter Blogartikel ruft zur Demonstration auf:

Geistiges Eigentum braucht eine Zukunft

Nun ist es durchaus legitim, für ein solches Anliegen zu werben, doch wäre es wünschenswert, wenn man Fakten anbieten würde, anstatt unbewiesene Behauptungen als Tatsachen zu präsentieren.

Leider habe ich erfolglos versucht, in einem Kommentar diese Fakten in Erfahrung zu bringen. Der Kommentar wurde schlichtweg nicht veröffentlicht. Zensur ist ein probates Mittel dieser Leute, um Lobbyinteressen besser durchsetzen zu können. Völlig unabhängig davon, ob nun die Gegner des veralteten Urheberrechts oder dessen Befürworter die bessere Alternative bieten, sollte es durchaus den interessierten, objektiven Leser verblüffen, dass man sich bereits in dieser Phase solchen umstrittenen Zensurmaßnahmen bedient:

projekturheberrechtWie man deutlich erkennen kann, schlummert mein Kommentar seit dem 24. April 2012 10h41 in der Moderationsschleife. Das muss nichts bedeuten, da es ja nun erst einen Tag her ist. Doch schaut man sich die aktuellen Kommentare an, wird es offensichtlich, dass man bewusst meinen Kommentar zurückhält:

Quelle: http://projekturheberrecht.wordpress.com/Zwei weitere, nachfolgende Kommentare wurden veröffentlicht. Dass diese beiden Kommentare sich positiv zum Artikel verhalten, zeigt den Charakter dieser Internetpräsenz.

Nun wurde inzwischen folgende Passage wieder aus dem Blog- Artikel entfernt:

Eben hat mich Frau Olga Wilde, die Pressesprecherin des BDI e.V., angerufen.

Der BDI e.V. möchte aus Angst vor negativer Berichterstattung ab sofort nicht mehr als Partner der Veranstaltung auftreten. Frau Wilde hat aber ebenfalls mitgeteilt, dass sich der BDI an seine Zusage Freigetränke anzubieten halten wird. Wir finden es Schade, dass der BDI e.V. und Frau Wilde sich scheinbar dem Druck der sozialen Netzwerke beugen. Wir halten aber selbstverständlich an der Veranstaltung fest.

Das hat natürlichen einen nachvollziehbaren Grund, denn die Aussage ist laut Frau Dr. Wilde, mit der ich ein angenehmes Telefonat diesbezüglich führte, völlig absurd. Ich zitiere mit Erlaubnis von Frau Dr. Wilde:

Das Ganze ist von A bis Z gefaked. Natürlich habe ich nie mit denen telefoniert. Sie können mich gerne nochmal dazu anrufen.

Das Vorhaben, den eigenen Standpunkt im sehr komplexen Thema Urheberrecht deutlich zu machen, ist vollkommen legitim, solange man fair bleibt und sich keiner Falschaussagen befleißigt. Vergleicht man das Logo der Internetpräsenz übrigens mit dem Logo der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft so erkennt man gewisse Übereinstimmungen:

Quelle: http://projekturheberrecht.wordpress.com/impressum/Quelle: http://projekturheberrecht.wordpress.com/

Es wurden diesbezüglich schon heftige Auseinandersetzungen geführt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das Logo der Firma Jack Wolfskin (http://www.markenmagazin.de/abmahnung-jack-wolfskin-tatzen-logo/). Ich gehe einfach davon aus, dass die Unterstützer Wolfgang Clement, Prof. Dr. Michael Hüther, Florian Gerster und Prof. Dr. Hans- Werner Sinn, die zusätzlich auch abgebildet sind, darüber informiert sind und ihre Zustimmung gegeben haben?

Ja, das Urheberrecht ist kompliziert, deshalb muss es auch unbedingt reformiert werden. Die Reformation dieses veralteten Urheberrechts soll die Schöpfer geistigen Eigentums gerecht entlohnen und würdigen, aber auch die Konsumenten nicht juristisch überfordern bzw. unter Generalverdacht stellen. Was ist an dieser Zielsetzung falsch?  

Update 26. April 2012

Die Demo wurde offensichtlich wegen überwiegendem Desinteresse auch von Seiten angeblich Verbündeter abgesagt. Das hält den Initiator dennoch nicht davon ab, die verbale Prügelstrafe anzuwenden:

Die im Februar aufgeflammten Proteste vornehmlich sehr junger und schlecht-informierter Menschen habe ich aufmerksam in den Medien verfolgt. Fast alle Informationen zum ACTA-Abkommen im Internet waren falsch. Die jungen Anhänger des Protestes nahmen diese völlig falschen Fakten auf und gaben sie öffentlich wieder. In zahlreichen Interviews der sogenannten “Netzgemeinde” manifestierte sich vor allem Unwissenheit und Feindlichkeit gegenüber unserer freien Marktwirtschaft.

Dazu wäre anzumerken, dass es die Proteste gegen ACTA schon deutlich länger gibt. Die ACTA- Gegner sind keineswegs ausschließlich sehr junge oder schlecht informierte Menschen. Wenn Informationen im Internet kursieren, die falsch sein sollen, sollte man diese Behauptung auch mit entsprechenden Quellen belegen können. Wer hier unwissend und feindlich einen Propagandafeldzug veranstaltet, darüber darf sich bitte jeder selbst ein Urteil bilden.

Maßlos enttäuscht bin ich aber über meine ehemaligen Mitstreiter auf Seiten des BDI e.V.

Nach meinem Kenntnisstand gibt es diese Mitstreiter gar nicht, immerhin habe ich ja mit der Pressesprecherin des BDI e.V. deswegen gesprochen…

Außerdem wusste ich nicht, dass eine Werbeagentur bezahlte Demonstranten für meine Demonstration am 26.4. organisieren sollte. Darüber wurde ich bei den Treffen nie aufgeklärt. Ein solches Vorgehen halte ich für beschämend und unwürdig für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Ich fühle mich vom BDI und dem Bundesverband Musikindustrie hintergangen.

Ich denke, allmählich wirds lächerlich. Erneut stellt der Blog- Autor Behauptungen auf, dessen Nachweis er schuldig bleibt. Welche Werbeagentur soll Interesse daran zeigen, Demonstranten zu organisieren? Vermutlich wollte niemand an dieser peinlichen Aktion teilnehmen, nicht einmal die ACTA- Befürworter noch Interessensverbände, die das aktuelle Urheberecht verschärfen möchten. Wie sich BDI und der Bundesverband der Musikindustrie zu diesen Anschuldigungen äußern, ist nicht meine Angelegenheit, aber Kommentare in diesem Blog werden definitiv nicht zensiert…

 

Anmerkung: Ich wurde freundlicherweise darauf hingewiesen, dass die Begriffe “Verwerter”, “Verwertungsgesellschaft” und “Verwertungsindustrie” verschiedene Bedeutungen besitzen und auch oft falsch verstanden werden. Auch ich muss zugeben, nicht genau spezifiziert zu haben. Während man in Deutschand beispiesweise die GEMA und VG Wort zu den Verwertungsgesellschaften zählen kann, gehören Verlage und Musiklabels nicht unbedingt dazu. Hier kann man unter Umständen von “Verwertern” sprechen. Alles zusammen wird pauschal als Verwertungsindustrie betitelt. Eine klare Definition oder Unterscheidung scheint es nicht zu geben. Praktisch kann ein Urheber also auch sein eigener Verwerter sein, wenn er seine Produkte selbst vermarktet.  

 

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