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Til ist kein Schweiger…

19. August 2015

Auch wenn sein Nachname es behaupten möchte, ist Til Schweiger eben kein Promi, der die Schnauze hält, wenn brisante Themen die Nation in Gutmenschen und Besserdeutsche spalten. Mit durchaus vulgärer Intonation taucht er in die Flüchtlingsdebatte ein und muss so manchen verbalen Schlag unter die Gürtellinie ertragen.

Man muss den erfolgreichen Schauspieler nicht unbedingt mögen oder seine darstellerischen Fähigkeiten bewundern, dennoch zeigt er entgegen vielen anderen Prominenten und jenen, die sich dafür halten, eine klarepolitische Position. Er kann es sich leisten, andere vermutlich weniger.

Sie gehen mir auf den Sack, echt!

Ein Zitat in einer TV- Runde, welches gegen einen herablassenden Kommentar des CSU- Generalsekretärs Andreas Scheuer aus ihm heraus brach, entlarvt eigentlich sehr genau jene Lethargie und Angst der politischen Mandatsträger in Deutschland, womit sie dem Flüchtlingsproblem begegnen. Niemand der Verantwortlichen in der Bundesregierung besitzt den Mut, verständlich und schonungslos den Bürgern dieses Landes die Tatsachen zu präsentieren. Das schafft Raum für Spekulationen, welcher dankend von Fremdenfeinden und Rechtspopulisten mit haarsträbenden Unwahrheiten gefüllt wird.

Dass ein Mobiltelefon im Jahr 2015 kein Luxusartikel mehr ist und auch in Ländern wie Syrien oder Eritrea das Rad längst erfunden wurde, sollte sich inzwischen im letzten Provinznest unserer Republik herum gesprochen haben. Es ist für einen Flüchtling im Prinzip das letzte Bindeglied zu Familie und Freunden. Afrikaner tragen auch keine Baströckchen, sondern jene Kleidung, die auch Europäer kleiden und nicht selten als Billigprodukte aus jenen Ländern stammen, die lange Zeit als 3. Welt für den Wohlstand der Industriestaaten herhalten mussten.

Von der Vorstellung, dass Flüchtlinge demütig die Allmosen der zivilisierten Welt in tiefer Dankbarkeit entgegen nehmen, um anschließend motiviert in jene Kriegsgebiete und Elendsgegenden zurück geschickt zu werden, sollten sich selbst die hatnäckigsten Bildzeitungsleser und Facebook- Kotzbrocken verabschieden. So völlig unschuldig an den dramatischen Zuständen in den Herkunftsländern jener Flüchtlinge sind die Industrienationen wirklich nicht.

Dass nicht jeder Flüchtling tatsächlich ein solcher ist oder auch kriminelle Energie besitzt, wird immer dann deutlich, wenn jene Besserdeutschen wie im beschaulichen Städtchen Freital* und auch anderswo aufgrund geschürter Ängste und hochgespielten Einzelfällen den Hass auf ihr eigenes verkommenes Dasein davon galoppieren lassen. Es entsteht der beängstigende Eindruck, dass die Orks aus „Herr der Ringe“ inzwischen durch die Gassen deutscher Städte und Dörfer schwadronieren.

Schauspieler werden gerne als die Helden gefeiert, welche sie in diversen Filmrollen darstellen. Da sind die Rollen klar in gut und böse getrennt. In der Realität will es Til Schweiger offensichtlich nicht gleichermaßen gelingen. Obwohl er zielgenau die Ursachen für die Flüchtlingsproblematik betitelt, sucht man nach Fehltritten in seiner Biographie, als wäre darin ein Knopf verborgen, der ihn ausschalten könnte.

Die Amerikaner, unser Hauptverbündeter, ist für den ganzen Scheiss verantwortlich, weil sie unter einer Lüge in den Irak reingegangen sind, um konsequent ihre wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen.

Keineswegs wird dieses Zitat zu einem rhetorischen Meisterwerk erwachsen und Herr Schweiger war ohnehin noch nie sonderlich wortgewandt. Doch so abwegig ist seine Ursachenforschung keineswegs. Seit Jahrzehnten tobt im Nahen und Mittleren Osten der wirtschaftliche Kampf ums Erdöl, wozu auch der inzwischen nicht mehr zu leugnende Interventionskrieg der USA gegen den Irak seinen Beitrag leistete. Man öffnete die Büchse der Pandora…

Flüchtlinge sind das Resultat von Krieg und Elend. Diese Menschen kommen nicht freiwillig  unter lebensbedrohlichen Umständen nach Europa. Welche andere Alternative bleibt ihnen denn? Diese Frage geht direkt an jene, die so vehement gegen Flüchtlinge hetzen…

 

*  Auch in Freital gibt es sicher Menschen, welche nicht fremdenfeindlich sind. Pauschalisierungen helfen niemandem.

 

 


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