Posts Tagged ‘Flüchtlingspolitik’

Obdachloser wurde von Asylanten getötet?

1. Oktober 2015

Wenn Asylkritiker und andere besorgte Bürger selbst in die Opferrolle schlüpfen, weil sie gelegentlich als Nazis betitelt werden, wenn sie sich zu rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Parolen hinreißen lassen, ist das oft die Feigheit, sich eingestehen zu müssen, auf falsche Propaganda herein gefallen zu sein. Das ist mir vor Jahren selbst passiert, als ich diverse Verschwörungstheorien zur Ergreifung der Weltherrschaft durch Illuminaten, Freimaurern und Hochfinanzeliten förmlich einsaugte. Die Schilderungen mit mutmaßlichen Beweisen verknüpft mit historischen Geschehnissen sind teilweise so plausibel dargelegt, dass sie nur die präferierten Schlussfolgerungen zulassen. Diese werden natürlich auch gleich konsumgerecht serviert. Man muss sich die Synapsen regelrecht freischütteln, um eine belastbare Objektivität zurück zu gewinnen. Der Blick auf die Ereignisse und die unterschiedlichen Interpretationen muss möglichst wertneutral bleiben und Stigmatisierungen vermeiden. Die undenkbare Möglichkeit, dass die gegensätzliche Meinung doch richtig sein könnte, darf nicht vollkommen verdrängt werden.

Die Flüchtlingskrise avanciert zu einen heiklen Thema, welches durch emotionale Einflüsse und Propaganda die rationale Beschäftigung damit beinahe unmöglich werden lässt. Manche Zeitgeister befürchten offen die Spaltung der Nation. Als kürzlich jemand wieder argumentativ mit dem Rücken zur Wand stand, folgte fast vorhersehbar der erwartete Reflex:

FÜR EUCH IST ALLES RECHTE HETZE. Wenn man nicht jubelt, dass Millionen Flüchtlinge kommen und Bedenken hat, ist man RECHTS.

 

Ich jubele auch nicht, dass täglich 1000de Flüchtlinge eintreffen. Ich habe auch meine Zweifel, ob Integration so funktioniert, wie sich es manche vorstellen. Ich habe nicht die Vorfälle in und um Flüchtlingsunterkünfte ausgeblendet. Ich denke auch, dass nicht alle Flüchtlinge diesen Status verdienen, kann aber aus der Ferne nicht gerecht selektieren und schon gar nicht pauschal darüber urteilen. Ich bin auch der Auffassung, dass Integration in hohem Maße eine Bringschuld des Asylbewerbers sein muss. Ich betrachte viele Dinge der aktuellen Flüchtlingspolitik mit Skepsis und Sorge. Dennoch reiche ich einem Ertrinkenden die Hand, ohne ihn vorher zu fragen, ob er in meine Wertvorstellung passt. Was danach geschieht, muss entschieden werden, aber nicht aufgrund von Hetze und manipulierten Informationen von Seiten irgendwelcher Rassisten oder Rechtspopulisten. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass die Behörden, die Entscheidungsträger und die vielen ehrenamtlichen Helfer weitgehend richtig handeln. Mich hält auch gewiss niemand davon ab, selbst tätig zu werden. Aber wenn Rechtspopulisten plötzlich die Obdachlosen entdecken, welche sie selbst bisher ignorierten, um damit die Flüchtlingspolitik gegen die Sozialpolitik aufzuwiegen oder gar auszuspielen, ist dieses Vorgehen ausgesprochen perfide. Wenn Rassisten und Rechtspopulisten sich gefälschter Propaganda bedienen und gleichzeitig über die Mainstreammedien als Lügenpresse skandieren, fällt es mir ausgesprochen schwer, mich von deren Logik überzeugen zu lassen. Und wer schließlich diesen nachweislich rechtsextremen Hetzern zujubelt, muss sich auch gefallen lassen, diesem Spektrum zugeordnet zu werden.

Dieser Artikel soll dazu dienen, dass man selbst beginnt, zu differenzieren, sofern man diese Fähigkeit überhaupt noch besitzt. Ich will niemanden von meiner Meinung überzeugen, da ein solches Unterfangen ohnehin kaum Aussicht auf Erfolg hat. Ich möchte jene, die Zweifel besitzen oder schlicht den Faden zwischen wahr und unwahr verloren haben, animieren, sich wie ich die Synapsen frei zu schütteln und selbst zu urteilen.

Der Autor greift einen Fall auf, der weder polizeilich registriert ist noch ein Beweis existiert, dass sich dieses Ereignis tatsächlich so zugetragen hat. Man kann nun intervenieren, dass die Polizei etwas vertuschen möchte und die sogenannte Lügenpresse sowieso. Doch wer solche Behauptungen aufstellt, ist doch wohl zuerst an der Reihe, diese auch sauber und beweiskräftig darzulegen, bevor man die Beweislast bequem umkehrt…

Ohne ersichtlichen Grund stellt der Autor einen Bezug zwischen Obdachlosen und Asylanten her.

Wer ist dieser ominöse, engagierte junge Mann, der angeblich den toten Obdachlosen am Bahnhof gefunden haben mag? Wieso konnte er zwar ein Foto machen, welches nun kaum einen Beweis für die dazugehörigen Behauptungen darstellt, aber keine Hilfe herbei holte oder die Polizei alarmierte? Ist das nicht etwas merkwürdig? Wer hatte zudem die medizinischen Fachkenntnisse, den Todeszeitpunkt auf die erwähnten 3 Tage zuvor zu datieren? Und wer vermutet, dass hier ein Obdachloser verhungert ist bzw. wie kommt der junge engagierte Mann zu dieser Schlussfolgerung? Mit den richtigen Fragen, bekommt das Szenario plötzlich ein völlig anderes Bild. Die Person kann dennoch ein Obdachloser gewesen sein. Dieser kann womöglich auch verhungert sein, was allerdings eher utopisch klingt. Er könnte sogar tatsächlich schon seit 3 Tagen verstorben sein. Das ist alles denkbar, aber eben nicht erwiesen, nur weil es jemand einfach mal behauptet. Ganz gleich, was hier tatsächlich geschehen sein mag, der Autor instrumentalisiert das Ereignis zum Zweck, gegen Flüchtlinge zu hetzen. Und diese Feststellung kann zweifelsfrei getroffen werden.

Quelle: Indexexpurgatorius's Blog

Quelle: Indexexpurgatorius’s Blog

Recherchiert man etwas mehr, stellt sich schnell heraus, dass der Autor sich einer anderen Quelle bediente. Behauptungen werden also quasi unreflektiert übernommen und für eigene Propaganda ausgeschlachtet. Es gibt auch dort keine belegbaren Fakten, dass die Behauptungen der Wahrheit entsprechen. Das spielt letztendlich für die Propagandisten auch keine Rolle, weil der eigentliche Zweck, die Hetze gegen Flüchtlinge, erfüllt wurde. An den Kommentaren zu den jeweiligen Artikeln ist das hervorragend nachvollziehbar.

Interessant ist eine Recherche nach „Obdachloser verhungert“ mit einer Internet- Suchmaschine. Die Ergebnisse bleiben überraschenderweise überschaubar. Auffällig ist, dass genau der geschilderte Beispielfall ausschließlich von Internetpräsenzen aufgegriffen wurde, welche irgendwie die Wahrheit über das Weltgeschehen und den Kosmos überhaupt für sich beanspruchen. Andere Ergebnisse führen zu Einträgen in Foren oder ähnlichen Web- Seiten, wo diese Floskel als solche verwendet wird. Ich zumindest konnte nicht einen einzigen Bericht finden, wo tatsächlich ein Obdachloser verhungert wäre, wenn man vom hier beschriebenen Fall absieht. Erfrieren dürfe wohl eher eine unnatürliche Todesursache für Obdachlose darstellen. Es existiert auch für diesen Beispielfall nur dieses wenig aufschlussreiche Foto. Die sogenannte Lügenpresse berichtet überhaupt nichts darüber. Sollte der Fall letztendlich doch nur eine üble Fälschung gewesen sein? Es sind interessanterweise jene Leute, die sich gerne über die Lügenpresse echauffieren, aber selbst sehr fragwürdige Artikel in Umlauf bringen…

 

Analverkehr mit Fisch

12. August 2015

Die Überschrift dieses Artikels klingt so grotesk wie dessen Inhalt selbst, auch wenn jeglicher Zusammenhang zu fehlen scheint. In den (a)sozialen Netzen benötigt man bisweilen knackige kurze Text- Konstrukte, deren Suggestion darin bestehen muss, eine Erwartungshaltung auf den totalen Irrsinn zu erzeugen. Dass das Sexualverhalten von Fischen ziemlich unspektakulär und dabei kein körperlicher Kontakt notwendig ist, entlarvt an dieser Stelle die eigentliche Thematik. Möglich ist, dass aus Ermangelung frivol- skurriler Inhalte der Großteil der Leserschaft, die sich bis zu dieser Stelle durchringen konnte, den digitalen Rückzug in die eigene Wahrnehmungsfähigkeit antreten wird…

Thema dieses Artikels ist die inzwischen überstrapazierte Flüchtlingspolitik in Deutschland, welche die Nation in sogenannte „Gutmenschen“ und „Rassisten“ spaltet, ohne Rücksicht auf mannigfaltige Zwischennuancen zu nehmen. Einig sind sich die meisten Leute, die sich mit diesem brisanten Thema befassen, dass die Politik offenkundig versagt hat. Nicht wenige befürchten sowohl den humanitären als auch kapazitiven Kollaps. Letzterer wird immer häufiger von den Kommunen präsentiert, die weder finanziell noch behördlich in der Lage zu sein scheinen, den Ansturm von Asylbewerbern bewältigen zu können. Die humanitäre Katastrophe besteht inzwischen nicht mehr allein in der Tatsache, dass Menschen millionenfach wegen Krieg, Armut, Unterdrückung oder Ausbeutung ihre Heimat verlassen müssen. Im vermeintlich rettenden Hafen angekommen (was in vielen Fällen sogar wörtlich genommen werden darf), erwartet die Ankömmlinge vielerorts Ablehnung bis hin zu massiven Anfeindungen.

Was sind die Ursachen für eine solch brutale Abkehr von Menschlichkeit?

Es gibt viele Menschen in Deutschland, welche sich vom Staat im Stich gelassen fühlen. Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit lassen diese Menschen kaltherzig und zynisch gegenüber Fremden werden, die sich scheinbar an den verbliebenen geringen Ressourcen dieses Sozialstaates ausgiebig bedienen dürfen. Es entsteht der beinahe schon nachvollziehbare Eindruck, dass der eigene Staat Flüchtlinge zum Nachteil der eigenen Bürger übervorteilt. Man muss die Ursachen erörtern und bekämpfen anstatt sich über die Folgen zu echauffieren. Das primäre Problem ist und bleibt doch die unumstößliche Tatsache, dass die politisch Verantwortlichen seit Jahrzehnten die auseinanderklaffende Schere zwischen arm und reich weder aufhalten können noch dies überhaupt wollen. Das hat mit Flüchtlingen insofern nichts zu tun.

Insbesondere in der ehemaligen DDR wurden die Bürger vom damaligen SED- Regime doch eher wie Haustiere gehalten. Es war ein riesiger Zwinger, umzäunt und vermauert. Wer sich mit den politischen Spielregeln arrangieren konnte, wurde im sozialen Netz aufgefangen, wenn auch spartanisch. Wer sich an ein solches Leben gewöhnt hat, wird nur schwer in der neu erhaltenen Freiheit zurechtkommen, wo man wesentlich mehr zum eigenen Lebensstandard beitragen und Eigenverantwortung übernehmen muss. Zusätzlich nun auch noch Verantwortung für fremde Menschen zu übernehmen, überfordert die meisten. Das erklärt vielleicht bruchteilhaft, weshalb in den sogenannten „neuen“ Bundesländern die Ausländerfeindlichkeit höher ausgeprägt zu sein scheint.

In den „alten“ Bundesländern hingegen erfahren immer mehr Menschen einen sozialen Abstieg. Die verabschiedeten Sozialgesetze der mindestens letzten 15 Jahre befeuerten den Abstieg einer soliden Mittelschicht in Armut. Niemand verliert gern seinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status Quo, sondern ist bestrebt, kontinuierlich seinen Lebensstandard zu verbessern. Das gelingt der Masse immer weniger und die Zukunft zeichnet ein düsteres Bild. Aberwitzige Vergleiche, zum Teil völlig überzogen und aus dem Kausalzusammenhang gerissen, empören die Nutzer von (a)sozialen Netzwerken, wie fürstlich angeblich Flüchtlinge beschenkt werden, während die eigene Bevölkerung im Hartz- 4 System und später in Altersarmut verkümmert.

In diese prekäre Lage drängen nun zusätzlich Menschen aus fernen Ländern, deren Anspruch auf deutsche Sozialleistungen nach den hier hoheitlichen Regeln gar nicht besteht, in dieses reiche Deutschland, um es womöglich auszuplündern. Der längst aufgeteilte Kuchen wird immer wieder neu zerstückelt und die einzelnen Stückchen werden immer kleiner. Augenscheinlich beteiligen sich die politisch Verantwortlichen an diesem perfiden Spiel und scheinen das eigene Land den einfallenden Heuschrecken ohne Gegenwehr zu überlassen. So zumindest suggerieren es Rechtspopulisten und Rassisten, deren einzige Intention darin besteht, Schuldige zu suchen und die Meute gegeneinander sowie gegen andere aufzuhetzen. Mit solchen Propaganda- Strategien werden Unrechtsregime aufgebaut. Man darf die aktuelle Flüchtlingspolitik kritisieren und auch generell die etablierte Politik, die so oft und an vielen Fronten offenkundig versagt. Aber wer glaubt ernsthaft, dass jene Hetzer es wirklich besser machen würden? Es gab mal einen gebürtigen Österreicher, der auf diese Weise den Großteil des deutschen Volkes begeistern konnte und schließlich halb Europa in Schutt und Asche bombte…

Man darf bei der Gesamtthematik nie unterschlagen, dass die Industrienationen, einschließlich Deutschland, jahrzehntelang und immer noch viele Länder in Afrika und Asien, die hinlänglich abfällig als „3. Welt“ bezeichnet werden, ausbeuten, um den eigenen Wohlstand zu sichern und zu erhöhen. Dass der globale Kuchen ungerecht verteilt wird, steht außer Frage. Es war auch nur eine Frage der Zeit, dass die Ausgebeuteten ihren Anteil einfordern würden. Kriege, woran in vielen Fällen ebenfalls die Industrienationen eine Mitschuld tragen, erhöhen den Flüchtlingsstrom zusätzlich. Ist es nicht perfide, wenn der Räuber dem Ausgeraubten seine Beute nicht zurückgeben will und stattdessen diesen als Räuber bezichtigt?

Das Flüchtlingsproblem lässt sich primär nur in den Ursprungsländern lösen. Die Außenpolitik setzt nach wie vor wirtschaftliche Schwerpunkte und geht bewusst den humanitären Problemen aus dem Weg. Man liefert gerne Waffen in jene Krisengebiete oder welche, die unweigerlich dadurch zu solchen werden, zieht die Gewinne ab, und hofft insgeheim darauf, dass in den ausgebeuteten Ländern die Despoten und Revolutionäre sich gegenseitig die Birne wegpusten mögen. Wenn der Rauch schließlich vorerst verflogen ist, schüttelt man den Siegern in Erwartung neuer guter wirtschaftlicher Beziehungen die beiderseits blutverschmierten Hände. Das Vermögen auf der Welt ist eklatant ungleich verteilt. Das ist erwiesen.

Ist es nicht töricht, wenn sich die Armen untereinander um die Krümel streiten, während eine elitäre reiche Minderheit den großen Rest der Torte verspeist?

Eine Umverteilung ist überfällig und unbedingt notwendig. Ohne dass die Reichen wirklich arm werden würden, könnte man weitgehend allen Menschen ein erträgliches Leben ermöglichen. Futterneid oder Schlimmeres muss es nicht geben. Es sind nicht die Flüchtlinge, die den Deutschen jenen Krümel wegnehmen wollen. In Wirklichkeit redet die Machtelite den naiven Menschlein ein, dass ihnen nur dieser Krümel zur Verfügung stehen würde, den sie gegen die bösen fremdländischen Sozialschmarotzer verteidigen müssen.

Durchaus gibt es Asylbewerber, die rein aus wirtschaftlichen Interessen nach Deutschland gekommen sind. Ist das verwunderlich? Das Erscheinungsbild Deutschlands muss in armen Gegenden dieser Welt wie das märchenhafte Schlaraffenland erscheinen. Die Asylgesetzgebung ist kompliziert, wird ständig angepasst und erneuert. Entscheidungen gerecht und unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände zu fällen, ist keine einfache Aufgabe. Illegale Einwanderer erhalten übrigens keine staatlichen Leistungen. Erst nach Beantragung von Asyl erhalten diese Menschen eine minimale staatliche Unterstützung bis über deren Verbleib entschieden ist. Inwiefern diese Regelung diskussionswürdig erscheint, wird von einer besseren Lösung abhängen, die in weiter Ferne zu sein scheint. Überwiegend wird den Anträgen übrigens nicht statt gegeben. Die Furcht vor sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen ist unbegründet. Es gibt sicherlich einge schwarze Schafe, die durchs Raster schlüpfen, was aber auch vielen deutschen Mitbürgern als die bessere Alternative gegenüber einem geregelten Arbeitsleben erscheint. Unser Sozialstaat offenbart seine Schwächen, aber immerhin besitzen wir ein solches Privileg gegenüber den meisten anderen Ländern. Wer möchte bitte tauschen?

So grotesk es erscheinen mag, Analverkehr zwischen Fischen scheint realistischer zu sein, als dass Menschen begreifen können, dass diese Erde unser aller Heimat ist, wir eine Spezies der Evolution dieses Planeten sind und Herkunft oder Rasse eigentlich keine Rolle spielen sollten. Man wird nicht als schlechter oder guter Mensch geboren, sondern die Umstände und Einflüsse, denen wir uns hingeben, lassen uns zu dem Individuum werden, das wir schließlich sind.

 


%d Bloggern gefällt das: