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Die Ängste von besorgten Bürgern

22. September 2015

Kommentar von einer besorgten Bürgerin, die weder als Nazi noch als Pack bezeichnet werden möchte.

Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Gauck,

auch ich gehöre zu den Menschen, die Sie als Pack bezeichnen. Allerdings nicht, weil ich rassistisch oder fremdenfeindlich bin. Genauso wenig habe ich nazistische Züge oder braunes Gedankengut. Nein, ich gehöre zu dem Pack, das einfach nur Angst hat. Angst vor der Zukunft in einem Land, das ungefilterte Ströme von Migranten ins Land lässt, ohne dass die verantwortlichen Politiker einen Plan zu haben scheinen, wie das alles funktionieren soll.

Da Ihr Kommentar, der beinahe schon ein offener Brief an den Bundespräsidenten bzw. die Bundeskanzlerin zu begreifen ist, kaum von den adressierten Personen eine Antwort entlocken wird, möchte ich Ihnen darauf antworten, obgleich meine Auffassung nicht unbedingt mit jenen der angesprochenen Personen übereinstimmen wird.

Ja Frau Merkel, Sie machen mir Angst mit Ihrer Art alles aussitzen zu wollen. Wir haben eine Katastrophe im Land und Sie schweigen. Was ist eigentlich Ihre Aufgabe als Bundeskanzlerin? Wofür werden Sie von den Deutschen eigentlich bezahlt? Haben Sie nicht geschworen Schaden vom deutschen Volk zu wenden?
1. Ich habe Angst, weil hier Massen ins Land kommen, die selbst innerhalb ihrer eigenen Religion keinen Frieden halten können, wie soll das dann mit einer hier etablierten Religion möglich sein?

Liebe Frau F., Sie pauschalisieren. Es gibt weltweit über 50 Millionen Flüchtlinge. Im Verhältnis zu der prognostizierten 1 Million, die Deutschland als Zuflucht erreichen werden, ist das eine Masse, die es abzubauen gilt. Dass natürlich ein plötzlicher Zuwachs von 1 Million Menschen in Deutschland, die Behörden und natürlich auch die Bürger vor eine extreme Herausforderung stellen, bleibt unbestritten. Der Zusammenhang zur Religion dieser Flüchtlinge ist jedoch zunächst unerheblich. Es ist ebenso hochspekulativ, dass die Religionsunterschiede maßgeblich den gesellschaftlichen Wertekanon durcheinander bringen werden. Konflikte dieser Art gab es schon immer und sie wurden ausschließlich von Fundamentalisten ausgelöst. Da hat der Islam tatsächlich ein Problem, was nicht gleichermaßen bedeutet, dass andere Religionen oder Weltanschauungen deswegen keine Konflikte hervorrufen würden.

2. Ich habe Angst, dass unser Sozialsystem unter dieser Masse zusammenbricht, denn dieses ist auf Gegenseitigkeit ausgelegt.

Diese Angst ist insofern begründet, dass die zuständigen Behörden hoffnungslos überfordert sind. Für geeignete Lösungsansätze sind die Verantwortlichen sicher aufgeschlossen. Nun basiert unser Grundgesetz allerdings auch auf der Überzeugung, dass Menschenrechte zu wahren und zu verteidigen sind und politisch Verfolgten Asyl zu gewähren ist. Die akute Flüchtlingssituation, wie sie aktuell besteht, hatte zum Zeitpunkt der Einführung dieses Grundgesetzes keine Berücksichtigung gefunden. Man darf es ruhig als Ausnahmezustand bezeichnen. Eine Gegenfrage sei an dieser Stelle erlaubt? Hatten Sie keine Angst um die Sozialsysteme, als die Bankenrettung Unsummen an Steuermitteln verschlungen hatte?

3. Ich habe Angst, dass unser Bildungswesen zusammenbricht, wenn neben Inklusion auch noch Kinder ohne Deutschkenntnisse die Schulen fluten. Wie sollen Lehrer noch Wissen lehren, wenn sie mit Integration beschäftigt sind?

Dieses Problem dürfte angesichts der Infrastrukturprobleme ein eher geringes darstellen. Zum Teil gibt es sogar positive Aspekte für das Bildungswesen. Diverse Schulen, deren Schließung bereits beschlossen war, können nun weiter betrieben werden.

4. Ich habe Angst, dass Sie und Ihr Finanzminister sich notwendiges Geld wieder einmal vom kleinen Mann holen und die Reichen im Lande schonen. Die Krankenkassen haben die Erhöhung ja bereits angedroht.

Man darf bei dieser Befürchtung gerne wieder die Banken- bzw. Griechenlandrettung in die Diskussion einbeziehen. Es ist leider unrühmliche Tatsache, dass die Verteilung finanzieller Ressourcen seit Jahrzehnten ungerecht vorgenommen wird. Das hat mit der Flüchtlingskrise jedoch nichts zu tun. Auch die Ankündigung der Krankenkassen, die Beiträge erhöhen zu wollen, hat nur geringfügig mit einer zusätzlichen Belastung des Gesundheitssystems durch Flüchtlinge zu tun. Steigende Arzneikosten und der demographische Wandel sind nur 2 Gründe von etlichen anderen, welche primär für eine Erhöhung der Zusatzbeiträge verantwortlich gemacht werden. Dass auch hierbei eine faktisch ungerechte Verteilung zu Lasten der Kassenpatienten vorgenommen wird, ist eine klassische, politische Fehlleistung.

5. Ich habe Angst, dass die Verbrechensquoten rapide ansteigen, weil im Zuge von Sparmaßnahmen die Exekutive kaputt gespart wurde.

Sie haben also nicht davor Angst, dass die Kriminalitätsrate aufgrund von Asylbewerbern ansteigt, sondern wegen politischer Entscheidungen? Auch wenn es nicht so wäre, bestätigen die Kriminalstatistiken ohnehin, dass die Kriminalitätsrate durch Flüchtlinge nicht nennenswert angestiegen ist.

6. Ich habe Angst, weil Sie, die Politiker, scheinbar keine Ahnung haben, wie all diejenigen, die hier kein Asyl erhalten werden, wieder zurückgeschickt werden sollen. Freiwillig werden sie wohl kaum in die Züge steigen. Bleiben diese dann illegal in Deutschland und was sind dann die Folgen. Diese Menschen dürfen nicht arbeiten und verfügen über kein Geld. Welche Konsequenzen wird das haben?

Man darf durchaus diesen Politikstil anzweifeln. Speziell Defizite bei der Abarbeitung von Asylanträgen wurden ja unlängst zugegeben. Die Konsequenz daraus darf man allerdings abermals anzweifeln. Eigentlich ist es doch ganz einfach, wenn ein Asylantrag abgelehnt wurde. Die staatliche Unterstützung fällt weg und die Menschen müssen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Eine Aufenthaltserlaubnis besteht nur, wenn auch ein Arbeitsverhältnis nachgewiesen werden kann. Eine Duldung von abgewiesenen Asylbewerbern wird sich der Staat nicht auf Dauer leisten können. Dass Ausländer in Deutschland nicht arbeiten dürfen, ist ein fataler Trugschluss. Das trifft nur zu, wenn jene Ausländer einen Asylantrag stellen. Der Status ist dann ein völlig anderer und zieht auch andere Konsequenzen nach sich. Es mag schlimm sein und fehlende Barmherzigkeit suggerieren, wenn nach bürokratischen Richtlinien eine Ausweisung beschieden wurde. Asyl bedeutet schließlich nicht, dass jeder sich ein Land seiner Wahl aussuchen kann, um ein besseres Leben als in der ursprünglichen Heimat führen zu können und eine Subventionierung zu erfahren. Hierfür kann und darf man sich ganz offiziell bei einem Unternehmen in diesem Land bewerben und wird in der Regel auch eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Das wäre dann der klassische Gastarbeiter. Es gibt auch Deutsche, die auf dieser Basis im Ausland tätig sind. Wer jedoch einen Asylantrag stellt, muss sich auch über die Konsequenzen im Klaren sein.

7. Ich habe Angst, weil zu vermuten ist, dass viele der vermeintlichen Flüchtlinge hier eingeschleust werden, um Anschläge zu verüben, denn woher kommt das viele Geld, dass eine solche Flucht kostet? Jemand der flüchtet, weil er alles verloren hat, verfügt auch nicht über Geld für eine Flucht.

Flüchtlinge sind nicht allesamt mittellos. Die meisten Flüchtlinge aus Kriegsgebieten hatten zuvor ein ähnlich geregeltes Leben wie wir es in Deutschland kennen. Dazu zählt auch unter Umständen ein gewisses Vermögen. Dieses ersparte Geld oder sonstige Wertsachen sind im Kriegsgebiet kaum von Bedeutung. Vermutlich ist in vielen Fällen das Geld, das so ziemlich letzte, was jene Flüchtlinge in ihrer zerbombten Heimat verloren haben. Terroristen werden die unsichere, lange Reise über die sogenannte Balkanroute eher nicht antreten. Das wäre aus deren Sicht kontraproduktiv. Es wäre eine Schmach für jene Gotteskrieger, im Mittelmeer zu ertrinken oder irgendwo vor ihrem Ziel in einem Flüchtlingslager auf unabsehbare Zeit hängen zu bleiben.

8. Ich habe Angst, weil kein Politiker in diesem Land konkret sagt, wie das alles organisiert werden soll. Wer zahlt die Unterbringung, Verpflegung, Taschengeld (das ich übrigens nicht habe), Gesundheitsbetreuung?

Es sagt deshalb kein Politiker konkret etwas, weil niemand eine Patentlösung bieten kann. Dass der Staat finanziell für die Flüchtlinge aufkommt, ist eigentlich logisch. So ist das eben mit dem Asyl. Wovon soll ein Asylbewerber denn seinen Unterhalt finanzieren, wenn er/sie nicht arbeiten darf? Oder soll man tatsächlich Flüchtlinge mit Gewalt fern halten, wie es inzwischen einige EU- Staaten betreiben? Wer tatsächlich Anspruch auf Asyl besitzt, wird man so nicht feststellen können. Es soll ja eine schnelle Integration angestrebt werden. Mit „Taschengeld“ bezeichnet man im Übrigen die finanzielle Grundversorgung eines Asylbewerbers, welche unterhalb des Hartz- 4 Niveaus angesiedelt ist. Es besteht kein Grund, deswegen neidisch zu sein. Deutsche bzw. EU- Mitbürger werden gegenüber Flüchtlingen bevorzugt behandelt, wenn auch rechtspopulistische Propaganda ein anderes Bild davon zeichnen möchte.

9. Ich habe Angst, dass die Löhne in diesem Land noch weiter sinken, denn es kommen ja genügend Menschen, die bereit sind für weniger zu arbeiten. Und erzählen Sie mir nichts vom Mindestlohn. Darüber können wir reden, wenn Sie und ihre Kollegen mal ein Jahr lang nur von diesem gelebt haben.

Nachweislich hat die Einführung des Mindestlohns das Lohnniveau in der Gesamtheit angehoben, ohne dass entgegen der Prophezeiung von Arbeitgebervertretern und deren zugeneigten Politikern die Arbeitslosigkeit angestiegen wäre. Selbst wenn die neuen Mitbürger bereit wären, unterhalb des Mindestlohns eine Beschäftigung anzunehmen, wäre das gesetzeswidrig und würde Konsequenzen für deren Arbeitgeber haben. Es gibt allerdings auch ohne integrierte Flüchtlinge bereits schwarze Schafe unter Unternehmen, die den Mindestlohn zu unterlaufen versuchen.

10. Ich habe Angst, auch vor den Menschen, die aus Ländern kommen, die keine rechtsstaatliche Ordnung kennen, die Polizei auslachen und sich ihre eigenen Gesetze schaffen.

Integration sollte bedeuten, dass in Deutschland aufgenommene Flüchtlinge sich genauso an Recht und Ordnung zu halten haben wie die sogenannten Einheimischen. Die Etablierung von sogenannten Parallelgesellschaften ist eigentlich auf das Versagen der zuständigen Behörden zurück zu führen. Der Rechtsstaat zeigt bisweilen seine Defizite. Rechtfertigt dies die Einführung eines Polizeistaates mit erweiterten Machtbefugnissen?

11. Ich habe Angst, vor den Menschen, deren Hemmschwelle aufgrund der Gewalt, die sie in ihrer Sozialisation erlebt haben, sehr viel niedriger ist, als wir es kennen.

Gewaltbereitschaft ist kein Umwelteinfluss, sondern ein individueller Wesenszug, welcher auch teilweise anerzogen wurde. Das Lebensumfeld kann Menschen an diverse Bedingungen anpassen. Menschen sind größtenteils manipulierbar. Bemerkenswert bei dieser Befürchtung ist, dass ausgerechnet Extremisten sowohl aus dem rechten als auch aus dem linken Spektrum das größte Gewaltpotential erkennen lassen. Dennoch fürchten sich die besorgten Bürger vor gewaltbereiten Ausländern deutlich mehr.

Diese Aufzählung könnte ich noch endlos weiter fortführen. Aber aufgrund unzähliger Gespräche mit anderen Menschen weiß ich, dass diese Ängste in der Bevölkerung real existent sind. Und diese Menschen, die einfach nur Angst haben, weil Sie und Ihre Kollegen versagen und keine Antworten auf unsere Fragen wissen, die werden von Ihnen als Pack beschimpft und weil es ja so einfach ist, gleich in die braune Schublade gesteckt. Wie wäre es einmal von Ihrem hohen Ross herabzusteigen und eine klare Ansage zu tätigen, wie diese Probleme alle gestemmt werden sollen?

Die geschilderten Ängste sind sowohl berechtigt als auch real. Was macht jemand, der seine Angst überwinden möchte? Man stellt sich seiner Angst und kann sie womöglich überwinden. Das muss nicht immer gelingen, aber der Versuch ist es allemal wert. Den Begriff „Pack“ verwendete übrigens nur ein einziger Politiker. In die „braune Schublade“ verkriechen sich so manche besorgte Bürger von ganz allein, indem sie sich Rechtspopulisten anschließen. Das beginnt mit einen gedrückten „Like“ bei Facebook, wenn aus rechtspopulistischen Kreisen Propaganda verbreitet wird. Es setzt sich fort, indem man an Demonstrationen teilnimmt, die von Rassisten und/oder Rechtsextremen organisiert werden. Es endet mit Gewalt, wie die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte beweisen.

Wer das alles finanzieren soll? Das wäre zumindest ein Schritt, um das, was Sie großmäulig allgemein als Fremdenhass bezeichnen, vielleicht in andere Bahnen zu lenken. Doch durch Ihre Politik, die Einflussnahme auf die Medien seitens der Regierung, sind Sie dabei unser Vertrauen endgültig zu verlieren. Viele von uns glauben nicht mehr, was Ihnen tagtäglich serviert wird und aus den Erfahrungen der letzten Jahre sind wir uns auch sicher, dass es wieder der „kleine Mann“ sein wird, der diese Katastrophe auszubaden hat……………genau das sind die Ängste, die sich breit machen und die kann man nicht einfach weglächeln und blauäugig drüber wegsehen und das hat nichts aber auch rein gar nichts mit Fremdenfeindlichkeit oder sonstigem zu tun!!!!!!!!!!!

Auch die zerstörten Flüchtlingsunterkünfte müssen renoviert, somit auch refinanziert werden. Wer also solche Anschläge verübt, betreibt Sabotage und gefährdet vorsätzlich Menschenleben. Man will im Prinzip damit verhindern, dass das Flüchtlingsdesaster nicht einmal ansatzweise gelöst werden kann.
Interessant ist auch der Umstand, dass sich jene Propagandisten gerne den Medien bedienen, die sie als Lügenpresse bezeichnen, wenn es in ihr politisches Portfolio passt. Dann wird auch gerne etwas manipuliert und gelogen, um besorgte Bürger auf ihre Seite zu ziehen. Geschehnisse entsprechen nicht nur dann der Wahrheit, wenn sie der eigenen Ideologie entsprechen. Die Propagandisten schüren bewusst die Ängste der Menschen und versuchen sie zu manipulieren. Wer ist der schlimmere Lügner?
Zwischen 1933 und 1945 waren nicht jene unfähigen Politiker unserer Zeit an der Macht, welche offensichtlich nicht im Stande sind, die Flüchtlingskrise zu bewältigen. Es waren die Nazis, die das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte schrieben. Ausgerechnet diese Leute, die einem Regime nachtrauern, welches menschenverachtender und gewalttätiger kaum sein könnte, wollen diese Demokratie, mit ihren Ecken, Kanten und Fehlern gegen ihre krude Weltanschauung eintauschen. Alle besorgten Bürger sollten sich darüber im Klaren sein, dass der inzwischen eingeschlagene Rechtsruck den Verfechtern nationalsozialistischer Gesinnungen Vorschub leistet. Womöglich wird im Hinblick auf solche Zukunftsvisionen die Flüchtlingskrise unser geringstes Problem sein.

Analverkehr mit Fisch

12. August 2015

Die Überschrift dieses Artikels klingt so grotesk wie dessen Inhalt selbst, auch wenn jeglicher Zusammenhang zu fehlen scheint. In den (a)sozialen Netzen benötigt man bisweilen knackige kurze Text- Konstrukte, deren Suggestion darin bestehen muss, eine Erwartungshaltung auf den totalen Irrsinn zu erzeugen. Dass das Sexualverhalten von Fischen ziemlich unspektakulär und dabei kein körperlicher Kontakt notwendig ist, entlarvt an dieser Stelle die eigentliche Thematik. Möglich ist, dass aus Ermangelung frivol- skurriler Inhalte der Großteil der Leserschaft, die sich bis zu dieser Stelle durchringen konnte, den digitalen Rückzug in die eigene Wahrnehmungsfähigkeit antreten wird…

Thema dieses Artikels ist die inzwischen überstrapazierte Flüchtlingspolitik in Deutschland, welche die Nation in sogenannte „Gutmenschen“ und „Rassisten“ spaltet, ohne Rücksicht auf mannigfaltige Zwischennuancen zu nehmen. Einig sind sich die meisten Leute, die sich mit diesem brisanten Thema befassen, dass die Politik offenkundig versagt hat. Nicht wenige befürchten sowohl den humanitären als auch kapazitiven Kollaps. Letzterer wird immer häufiger von den Kommunen präsentiert, die weder finanziell noch behördlich in der Lage zu sein scheinen, den Ansturm von Asylbewerbern bewältigen zu können. Die humanitäre Katastrophe besteht inzwischen nicht mehr allein in der Tatsache, dass Menschen millionenfach wegen Krieg, Armut, Unterdrückung oder Ausbeutung ihre Heimat verlassen müssen. Im vermeintlich rettenden Hafen angekommen (was in vielen Fällen sogar wörtlich genommen werden darf), erwartet die Ankömmlinge vielerorts Ablehnung bis hin zu massiven Anfeindungen.

Was sind die Ursachen für eine solch brutale Abkehr von Menschlichkeit?

Es gibt viele Menschen in Deutschland, welche sich vom Staat im Stich gelassen fühlen. Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit lassen diese Menschen kaltherzig und zynisch gegenüber Fremden werden, die sich scheinbar an den verbliebenen geringen Ressourcen dieses Sozialstaates ausgiebig bedienen dürfen. Es entsteht der beinahe schon nachvollziehbare Eindruck, dass der eigene Staat Flüchtlinge zum Nachteil der eigenen Bürger übervorteilt. Man muss die Ursachen erörtern und bekämpfen anstatt sich über die Folgen zu echauffieren. Das primäre Problem ist und bleibt doch die unumstößliche Tatsache, dass die politisch Verantwortlichen seit Jahrzehnten die auseinanderklaffende Schere zwischen arm und reich weder aufhalten können noch dies überhaupt wollen. Das hat mit Flüchtlingen insofern nichts zu tun.

Insbesondere in der ehemaligen DDR wurden die Bürger vom damaligen SED- Regime doch eher wie Haustiere gehalten. Es war ein riesiger Zwinger, umzäunt und vermauert. Wer sich mit den politischen Spielregeln arrangieren konnte, wurde im sozialen Netz aufgefangen, wenn auch spartanisch. Wer sich an ein solches Leben gewöhnt hat, wird nur schwer in der neu erhaltenen Freiheit zurechtkommen, wo man wesentlich mehr zum eigenen Lebensstandard beitragen und Eigenverantwortung übernehmen muss. Zusätzlich nun auch noch Verantwortung für fremde Menschen zu übernehmen, überfordert die meisten. Das erklärt vielleicht bruchteilhaft, weshalb in den sogenannten „neuen“ Bundesländern die Ausländerfeindlichkeit höher ausgeprägt zu sein scheint.

In den „alten“ Bundesländern hingegen erfahren immer mehr Menschen einen sozialen Abstieg. Die verabschiedeten Sozialgesetze der mindestens letzten 15 Jahre befeuerten den Abstieg einer soliden Mittelschicht in Armut. Niemand verliert gern seinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status Quo, sondern ist bestrebt, kontinuierlich seinen Lebensstandard zu verbessern. Das gelingt der Masse immer weniger und die Zukunft zeichnet ein düsteres Bild. Aberwitzige Vergleiche, zum Teil völlig überzogen und aus dem Kausalzusammenhang gerissen, empören die Nutzer von (a)sozialen Netzwerken, wie fürstlich angeblich Flüchtlinge beschenkt werden, während die eigene Bevölkerung im Hartz- 4 System und später in Altersarmut verkümmert.

In diese prekäre Lage drängen nun zusätzlich Menschen aus fernen Ländern, deren Anspruch auf deutsche Sozialleistungen nach den hier hoheitlichen Regeln gar nicht besteht, in dieses reiche Deutschland, um es womöglich auszuplündern. Der längst aufgeteilte Kuchen wird immer wieder neu zerstückelt und die einzelnen Stückchen werden immer kleiner. Augenscheinlich beteiligen sich die politisch Verantwortlichen an diesem perfiden Spiel und scheinen das eigene Land den einfallenden Heuschrecken ohne Gegenwehr zu überlassen. So zumindest suggerieren es Rechtspopulisten und Rassisten, deren einzige Intention darin besteht, Schuldige zu suchen und die Meute gegeneinander sowie gegen andere aufzuhetzen. Mit solchen Propaganda- Strategien werden Unrechtsregime aufgebaut. Man darf die aktuelle Flüchtlingspolitik kritisieren und auch generell die etablierte Politik, die so oft und an vielen Fronten offenkundig versagt. Aber wer glaubt ernsthaft, dass jene Hetzer es wirklich besser machen würden? Es gab mal einen gebürtigen Österreicher, der auf diese Weise den Großteil des deutschen Volkes begeistern konnte und schließlich halb Europa in Schutt und Asche bombte…

Man darf bei der Gesamtthematik nie unterschlagen, dass die Industrienationen, einschließlich Deutschland, jahrzehntelang und immer noch viele Länder in Afrika und Asien, die hinlänglich abfällig als „3. Welt“ bezeichnet werden, ausbeuten, um den eigenen Wohlstand zu sichern und zu erhöhen. Dass der globale Kuchen ungerecht verteilt wird, steht außer Frage. Es war auch nur eine Frage der Zeit, dass die Ausgebeuteten ihren Anteil einfordern würden. Kriege, woran in vielen Fällen ebenfalls die Industrienationen eine Mitschuld tragen, erhöhen den Flüchtlingsstrom zusätzlich. Ist es nicht perfide, wenn der Räuber dem Ausgeraubten seine Beute nicht zurückgeben will und stattdessen diesen als Räuber bezichtigt?

Das Flüchtlingsproblem lässt sich primär nur in den Ursprungsländern lösen. Die Außenpolitik setzt nach wie vor wirtschaftliche Schwerpunkte und geht bewusst den humanitären Problemen aus dem Weg. Man liefert gerne Waffen in jene Krisengebiete oder welche, die unweigerlich dadurch zu solchen werden, zieht die Gewinne ab, und hofft insgeheim darauf, dass in den ausgebeuteten Ländern die Despoten und Revolutionäre sich gegenseitig die Birne wegpusten mögen. Wenn der Rauch schließlich vorerst verflogen ist, schüttelt man den Siegern in Erwartung neuer guter wirtschaftlicher Beziehungen die beiderseits blutverschmierten Hände. Das Vermögen auf der Welt ist eklatant ungleich verteilt. Das ist erwiesen.

Ist es nicht töricht, wenn sich die Armen untereinander um die Krümel streiten, während eine elitäre reiche Minderheit den großen Rest der Torte verspeist?

Eine Umverteilung ist überfällig und unbedingt notwendig. Ohne dass die Reichen wirklich arm werden würden, könnte man weitgehend allen Menschen ein erträgliches Leben ermöglichen. Futterneid oder Schlimmeres muss es nicht geben. Es sind nicht die Flüchtlinge, die den Deutschen jenen Krümel wegnehmen wollen. In Wirklichkeit redet die Machtelite den naiven Menschlein ein, dass ihnen nur dieser Krümel zur Verfügung stehen würde, den sie gegen die bösen fremdländischen Sozialschmarotzer verteidigen müssen.

Durchaus gibt es Asylbewerber, die rein aus wirtschaftlichen Interessen nach Deutschland gekommen sind. Ist das verwunderlich? Das Erscheinungsbild Deutschlands muss in armen Gegenden dieser Welt wie das märchenhafte Schlaraffenland erscheinen. Die Asylgesetzgebung ist kompliziert, wird ständig angepasst und erneuert. Entscheidungen gerecht und unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände zu fällen, ist keine einfache Aufgabe. Illegale Einwanderer erhalten übrigens keine staatlichen Leistungen. Erst nach Beantragung von Asyl erhalten diese Menschen eine minimale staatliche Unterstützung bis über deren Verbleib entschieden ist. Inwiefern diese Regelung diskussionswürdig erscheint, wird von einer besseren Lösung abhängen, die in weiter Ferne zu sein scheint. Überwiegend wird den Anträgen übrigens nicht statt gegeben. Die Furcht vor sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen ist unbegründet. Es gibt sicherlich einge schwarze Schafe, die durchs Raster schlüpfen, was aber auch vielen deutschen Mitbürgern als die bessere Alternative gegenüber einem geregelten Arbeitsleben erscheint. Unser Sozialstaat offenbart seine Schwächen, aber immerhin besitzen wir ein solches Privileg gegenüber den meisten anderen Ländern. Wer möchte bitte tauschen?

So grotesk es erscheinen mag, Analverkehr zwischen Fischen scheint realistischer zu sein, als dass Menschen begreifen können, dass diese Erde unser aller Heimat ist, wir eine Spezies der Evolution dieses Planeten sind und Herkunft oder Rasse eigentlich keine Rolle spielen sollten. Man wird nicht als schlechter oder guter Mensch geboren, sondern die Umstände und Einflüsse, denen wir uns hingeben, lassen uns zu dem Individuum werden, das wir schließlich sind.

 

Das falsche Etikett: PEGIDA

15. Dezember 2014

Die Islamisierung des Abendlandes existiert ebenso wenig wie das Ungeheuer von Loch Ness oder das Raumschiff Enterprise, auch wenn es eine Organisation namens PEGIDA gebetsmühlenartig in die Montagsdunkelheit der Vorweihnachtszeit posaunt.
Aber was nutzen Fakten, wenn man sich ein Feindbild in die Schädelhöhle eingemeißelt hat? Reduziert man die Sichtweise auf Sachsen, wo in Dresden der Ursprung der Bewegung zu verorten und mit über 10000 friedlichen Demonstranten die höchste Sympathisanten- Dichte zu verzeichnen ist, stehen dieser imposanten Menschenkette lediglich 4000 Muslime gegenüber, die als Bedrohung von Kultur und Lebensstandard auserkoren wurden. Knapp 0,1 % der Bevölkerung in Sachsen sind Muslime. Angesichts dieser Tatsache ist es befremdlich, dass so viele Menschen Ängste gegenüber einer Religion auf die Straßen projizieren.

Quelle: tagesschau.de

Quelle: tagesschau.de

Die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Abkürzung Pegida) präsentieren sogar ein Positionspapier, welches man eher aus Reihen politischer Parteien kennt.
Punkt 9 daraus lautet:

„PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!“

Diese Position impliziert in umgekehrtem Verständnis, dass man einheimischen Straftätern eine höhere Toleranz entgegen bringt. Außerdem vermittelt diese Aussage den falschen Anschein, dass Asylbewerber und Migranten immer Muslime sein müssen. So gibt es jedenfalls die Bezeichnung der Bewegung wider. In allen 19 Positionen findet sich das Leitmotiv der Namensgebung nur einmal in der Position 10 wieder:

„PEGIDA ist FÜR den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!“

Der Unterschied zwischen Religion und Politik bleibt unberücksichtigt. Das ist insofern korrekt für Staaten mit überwiegend islamischer Bevölkerung. Aber auch im angeblich so demokratischen Deutschland besitzen die großen christlichen Kirchen weitreichenden Einfluss auf die Politik, was letztendlich immer noch sehr real an der Kirchensteuer zu beobachten ist. Auch die Gleichstellung von Mann und Frau ist an vielen Stellen unausgereift. Frauenfeindlichkeit oder Homophobie sind auch hierzulande nicht selbstverständlich. Man könnte das Christentum durchaus selbst als frauenfeindlich beschreiben. Das bestätigt das christliche Pamphlet, genannt „Bibel“, an vielen Stellen. Über gewaltbetonte politische Ideologie sollte man besser schweigen, wenn man als Waffenlieferant in der ersten Reihe steht und sich zunehmend an fragwürdigen militärischen Auslandseinsätzen beteiligt.
Erstaunlich wirkt Position 13:

„ PEGIDA ist FÜR die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!“

Es verwundert, dass die Abendlandkultur „jüdisch“ geprägt sein soll. Juden sind eigentlich Migranten aus dem nahen Osten. Genau genommen entspringt unsere Kultur eher heidnischen Völkern. Die Germanen, unsere historischen Vorfahren, waren keine Christen. Auch das Christentum „migrierte“ nach Deutschland. Kultur ist nicht allein Religion.
Es ist ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Angst, wenn man die Position 16 betrachtet:

„PEGIDA ist GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.“

Wie kann man gegen etwas sein, dass ohnehin nicht erlaubt ist? Wann und wo wurde einer Sharia- Polizei eine Zulassung erteilt?
Mit Position 15 widerspricht sich PEGIDA selbst:

„PEGIDA ist GEGEN Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z.B. PKK“

Während man noch mit Position 10 zum Widerstand gegen gewaltbetonte politische Ideologien aufruft, reduziert man die Gegnerliste auf eine undefinierte Gruppe und polarisiert auf ein einziges Beispiel. Waffenlieferungen, genehmigt durch die Bundesregierung, finden allerdings auch Abnehmer, die sich ebenfalls wenig vertrauenswürdig darbieten.
Endlich kommt man mit Position 19 zum finalen Ergebnis, dass eigentlich Muslime so wenig Zielscheibe für die PEGIDA- Propaganda sein sollten wie Asylbewerber und Migranten:

„PEGIDA ist GEGEN Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!“

Das Positionspapier entlarvt sich nach genauerer Analyse als diffuses Potpourri aus Angstgefühlen und Hassexzessen. Die „Mitte der Gesellschaft“ wird sicher nicht von den mitlaufenden Demonstranten repräsentiert, sondern eher als Ventil einer missglückten Politik gesehen. Wenn Menschen den Eindruck gewinnen, sich politisch nicht vertreten zu fühlen und in angeblichen demokratischen Wahlen keinen Sinn mehr erkennen, sucht man nach Ersatzbefriedigung. Immerhin erzeugt man ein Medieninteresse, was ein politisches Handeln augenscheinlich nach sich zieht. Man wird nicht ernst, aber zumindest wahrgenommen, was man vom turnusmäßigen Urnengang eher nicht behaupten kann.
Ein typischer Kommentar auf der Facebook- Seite von PEGIDA fasst den Unmut in wenigen Worten zusammen, der sich in der Demo jeden Montagabend entlädt:

„Immer wird über den PEGIDA-Veranstalter, Herrn Bachmann, gelästert. Der Mann saß im Gefängnis. Anders als unsere Bankster, die für ihre Taten noch das Bundesverdienstkreuz bekommen. Bei so einer Vorverurteilung, würde ich auch nicht zu Jauch kommen. Der Herr Jauch verdient pro Jahr Millionen, schaufelt sich unsere Gebühren quasi mit der Mistgabel rein. Der kann leicht reden- hat er seinen Job an einen Zuwanderer verloren?“

Tatsächlich ist einer der Hauptorganisatoren ein verurteilter Straftäter, der seiner Strafe zunächst durch Flucht zu entgehen versuchte, aber dann schließlich doch sein Strafmaß absitzen musste. Das Rechtssystem wird in Frage gestellt, weil andere, insbesondere Reiche und Mächtige, sich einer adäquaten Strafe deutlich besser entziehen können. Das stößt zu recht auf Unverständnis. Offensichtlich hat man sich aber mit diesem Rechtssystem, welches man als ungerecht empfindet, abgefunden und kanalisiert die eigene Ohnmacht auf Mitmenschen, die noch wehrloser sind, Flüchtlinge und Migranten. Das ist der falsche Weg und es wäre wünschenswert, wenn die Leute, die mit Bewegungen wie PEGIDA oder HOGESA sympathisieren, die wirklichen Gegner in diesem Spiel erkennen würden. Es verliert niemand seinen Job an einen Zuwanderer, sondern entweder ist man nicht in der Lage diesen Job auszuüben oder die Personalpolitik wird von Gier gelenkt, was leider oft in Rationalisierungsmaßnahmen endet. Die Zuwanderer sind nicht dafür verantwortlich. Man sollte mal darüber nachgedenken, wo das Übel in diesem Systen zu verorten ist, bevor man sich über hilfsbedüftige bzw. hilflose Mitmenschen echauffiert.


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