Willkommenskultur ade – kippt die Stimmung?

2. Oktober 2015

Auch wenn man es womöglich ungern zugeben mag, in einigen Punkten haben die sogenannten Asylkritiker Recht behalten. Der Slogan „Wir schaffen das„, womit Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Friedensnobelpreis avanciert, wenn es nach einigen Unions- Politikern gehen würde, scheint in weite Ferne zu rücken. Auch der Bundesinnenminister Thomas De Maiziere gab unlängst öffentlich zu, dass die Situation eskalieren könnte, wenn er sich auch deutlich vorsichtiger artikulierte:

Bis zum Sommer waren die Flüchtlinge dankbar bei uns zu sein. Sie haben gefragt, wo ist die Polizei, wo ist das Bundesamt. Wo verteilt Ihr uns hin. Das habe sich seither geändert. Jetzt gibt es schon viele Flüchtlinge, die glauben, sie können sich selbst irgendwohin zuweisen. Sie gehen aus Einrichtungen raus, sie bestellen sich ein Taxi, haben erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern durch Deutschland zu fahren. Sie streiken, weil ihnen die Unterkunft nicht gefällt, sie machen Ärger, weil ihnen das Essen nicht gefällt, sie prügeln in Asylbewerbereinrichtungen. Dies ist zwar noch eine Minderheit, aber da müssen wir klar sagen, wer hier nach Deutschland kommt (…) der muss sich dahin verteilen lassen, wohin wir ihn bringen, sich einem fairen Verfahren unterstellen und unsere Rechtsordnung anerkennen.

Quelle: ZDF- Heute Journal (Interview vom 1. Oktober 2015)

Wir schaffen das nicht ohne weiteres – das ist schon eine große Anstrengung.“ klingt nach einer erheblichen Relativierung des Ausspruchs der Kanzlerin…

Flüchtlingen, die vor Krieg, Diskriminierung, Gewalt, Terror und aus Lebensgefahr nach Europa flüchten, muss ohne Wenn und Aber geholfen werden. So sehen es die Menschenrechte vor, denen sich eigentlich jeder, der sich als Mensch identifiziert, verpflichtet fühlen sollte. Wenn die Gesetze eines Rechts- und Sozialstaates sich ebenfalls an Menschenrechten orientieren, ist es unsere bürgerliche Pflicht, diesen nach zu kommen, selbst wenn man sie nicht umfassend richtig finden mag. Hierfür können die Flüchtlinge nichts. Werden Fehler im System festgestellt, darf, soll und muss man diese ansprechen, ohne dafür als Fremdenfeind angeprangert zu werden. Wer jedoch die sachliche Diskussion verlässt, um offen Rassismus zu betreiben, hat eigentlich seine Daseinsberechtigung in diesem Land verwirkt. Sollen doch all diese Rassisten in jene Länder auswandern, deren Staatsform ihrer Ideologie am meisten entspricht.

Ein folgenschwerer Fehler war jene Nachricht per Twitter vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge), welche quasi als Einladung von allen Flüchtlingen empfunden wurde, nach Deutschland zu kommen. Und sie kamen und kommen immer noch…

Quelle: Twitter

Quelle: Twitter

Eigentlich war es eine Unachtsamkeit im internen Emailverkehr, der letztendlich die Bundesbehörde dazu nötigte, auf die entstandenen Gerüchte öffentlich zu reagieren. Denn im Mail- Verteiler war auch blöderweise die Organisation ProAsyl, welche eine nötige Sorgfalt mit derartigen Informationen vermissen ließ.

Aber auch diese Meldung lässt an den Worten der Bundeskanzlerin zweifeln. Man darf auch nach der Notwendigkeit von EU- Richtlinien zweifeln, wenn sie ohnehin nach Belieben ausgesetzt werden.

Längst überfällig sind die Forderungen nach einer Leitkultur, an welche sich Flüchtlinge halten müssen, wenn sie in Deutschland Zuflucht suchen und im Rahmen der Möglichkeiten auch erhalten. Bei einer konsequenzlosen Drohung darf es allerdings nicht bleiben. Sanktionen gegen Hilfesuchende, die die Gastfreundschaft missbrauchen und teilweise sogar ihre Weltanschauung und oft den religiös geprägten Lebensstiel aus ihrer alten Heimat den Gastgebern aufzwingen wollen, müssen eine wirksame Härte erkennen lassen. Per deutschem Asylgesetz ist eine Ausweisung in unsichere Herkunftsländer nicht möglich. Aber darf es in unserem Rechtsstaat möglich sein, dass eine Ordnungswidrigkeit wegen Falschparkens heftigere Konsequenzen für den Parksünder nach sich zieht, als das Strafmaß für einen gewalttätig gewordenen Asylbewerber? Das klingt zwar überspitzt und die Taten sind eigentlich nicht vergleichbar, dennoch trifft es die Wahrnehmung der Bevölkerung in großem Umfang. Um einer falschen Interpretation vorzugreifen – selbstverständlich sollen Asylsuchende vor dem Gesetz die gleiche Behandlung wie deutsche Staatsbürger erfahren. Das hat viel mit Willkür, Bequemlichkeit und Aufwand zu tun. Es ist kein Geheimnis, dass ein deutscher Temposünder recht schnell seinen Anhörungsbogen erhält, während bei einem davor mit gleicher Geschwindigkeit „geblitztem“ Fahrzeug mit ausländischem Kennzeichen nur selten der Fahrzeughalter ein behördliches Schreiben zu erwarten hat. Da könnte man beinahe „neidisch“ werden…

Neid oder Missgunst bilden weiteres Konfliktpotential, was sich hauptsächlich gegen Asylbewerber entlädt. Dabei darf man diesen eigentlich keinen Vorwurf machen, wenn Deutschland sich großzügiger präsentiert als die meisten anderen EU- Mitgliedsstaaten.

vergleich_asylbewerberDie Tabelle stellt ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit das Leistungsvolumen von Asylbewerbern in Deutschland dar. Im Vergleich dazu sind auch die Leistungen für Hartz 4- Leistungsempfänger berücksichtigt worden. Eigentlich muss niemand auf Asylbewerber neidisch sein. Man kann darüber diskutieren, ob das Verhältnis zwischen Geld- und Sachleistungen ausgewogen ist. Man darf auch die Höhe der Beträge kritisieren. Man darf aber nicht behaupten, dass Asylbewerber mit Leistungen zugeschüttet werden, während Deutsche vollkommen vernachlässigt werden. Das stimmt einfach nicht. Niedrig- Lohner, Obdachlose und andere Normalsterbliche wurden in der Hoffnung, damit diese nicht zusätzlich instrumentalisiert werden, nicht berücksichtigt…

An dieser Stelle betritt der sogenannte Wirtschaftsflüchtling die Bühne der Entrüstung. Tatsächlich kommen Leute aus sozial schwachen Ländern mit ernüchternd schlechter Infrastruktur, allerdings erheblichem Diskriminierungspotential in die reichen europäischen Staaten. Wer würde nicht versuchen, sein Glück im Ausland zu finden, insbesondere wenn in der eigenen Heimat keine Perspektive zu erkennen ist? Vermutlich war das auch der Grund für Fatmir Sinani aus dem Kosovo:

Quelle: Zeit- Online

Quelle: Zeit- Online

 

Ehrlich präsentiert er sein spärliches Einkommen. Vergleicht man seine Zahlen mit den Angaben in der Tabelle, stellt es allein finanziell eine Verbesserung dar. Mit 5 Kindern und Frau erhält er in Deutschland als Asylbewerber mindestens 678 €.  Selbst bei deutlich höheren Lebenshaltungskosten in Deutschland stellt das eine Verbesserung dar. Jeden Monat, den er in Deutschland verbringen kann, rettet seiner Familie eine halbwegs würdige Existenz, die im Kosovo nicht möglich sein kann. Vermutlich wird die Familie bald abgeschoben werden, was deren Schicksal besiegeln wird. Eine menschenwürdige Zukunft erwartet sie in ihrer Heimat nicht. Bei allem Wohlwollen ist jedoch Armut und Existenzangst kein Asylgrund und deren Aussichten auf Bleiberecht sind eher gering. Da es kein Abkommen wegen Arbeitsmigration zwischen Deutschland und dem Kosovo bis kürzlich gab, wäre diese Alternative ohnehin nicht möglich gewesen, zumal für Jobangebote EU- Bürger generell den Vorzug erhalten müssen.

Der Kosovo ist ein instabiler, von 110 von 193 Staaten anerkannter souveräner Staat, der aus dem Zerfall Jugoslawiens hervor ging. Der Kosovo ist Mitglied im IWF (Internationaler Währungsfonds). Der IGH (Internationale Gerichtshof) erkannte die UN- Resolution 1244 der UN (Vereinte Nationen) an, weswegen auch KFOR- Truppen (Kosovo Force) dorthin entsendet wurden, deren Hauptaufgabe darin besteht, ein sicheres Umfeld für die Rückkehr von Flüchtlingen zu gewährleisten. Man muss den Eindruck gewinnen, dass die internationale Staatengemeinschaft phänomenal versagt hat. Eigentlich sollten alle anderen Staaten mit Hochdruck darauf hinwirken, dass die Infrastruktur dieses Balkanlandes so gefestigt werden sollte, dass es Wirtschaftsflüchtlinge gar nicht mehr geben müsste. Diese Menschen, die sich nur um ein würdevolles Leben bemühen, werden im Stich gelassen und hierzulande als Asylforderer beschimpft. Muss das sein? Warum bündeln die besorgten Bürger und sonstigen Asylkritiker nicht ihre Kräfte gegen die eigentlichen Verantwortlichen für das gesamte Flüchtlingsdrama?

Einen Brückenschlag zu einem anderen Apfel- Birne- Vergleich kann ich mir abschließend nicht verkneifen. Vermutlich haben einige hochbezahlte Manager des VW- Konzerns weltweit Millionen Leute aufgrund der Abgas- Manipulationen betrogen. Auch die Schädigung der Umwelt wurde wissentlich aus Gier in Kauf genommen. Ich wage die Behauptung, dass das Schicksal dieser Kriminellen ein besseres sein wird als jenes von abgeschobenen Asylbewerbern. Jeder, der gegen Flüchtlinge hetzt, sollte mindestens die gleiche Kraft dafür aufbringen, gegen die eigentlichen Verbrecher in dieser Welt zu protestieren. Und das sind nicht allein eine Handvoll VW- Manager…

 

Obdachloser wurde von Asylanten getötet?

1. Oktober 2015

Wenn Asylkritiker und andere besorgte Bürger selbst in die Opferrolle schlüpfen, weil sie gelegentlich als Nazis betitelt werden, wenn sie sich zu rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Parolen hinreißen lassen, ist das oft die Feigheit, sich eingestehen zu müssen, auf falsche Propaganda herein gefallen zu sein. Das ist mir vor Jahren selbst passiert, als ich diverse Verschwörungstheorien zur Ergreifung der Weltherrschaft durch Illuminaten, Freimaurern und Hochfinanzeliten förmlich einsaugte. Die Schilderungen mit mutmaßlichen Beweisen verknüpft mit historischen Geschehnissen sind teilweise so plausibel dargelegt, dass sie nur die präferierten Schlussfolgerungen zulassen. Diese werden natürlich auch gleich konsumgerecht serviert. Man muss sich die Synapsen regelrecht freischütteln, um eine belastbare Objektivität zurück zu gewinnen. Der Blick auf die Ereignisse und die unterschiedlichen Interpretationen muss möglichst wertneutral bleiben und Stigmatisierungen vermeiden. Die undenkbare Möglichkeit, dass die gegensätzliche Meinung doch richtig sein könnte, darf nicht vollkommen verdrängt werden.

Die Flüchtlingskrise avanciert zu einen heiklen Thema, welches durch emotionale Einflüsse und Propaganda die rationale Beschäftigung damit beinahe unmöglich werden lässt. Manche Zeitgeister befürchten offen die Spaltung der Nation. Als kürzlich jemand wieder argumentativ mit dem Rücken zur Wand stand, folgte fast vorhersehbar der erwartete Reflex:

FÜR EUCH IST ALLES RECHTE HETZE. Wenn man nicht jubelt, dass Millionen Flüchtlinge kommen und Bedenken hat, ist man RECHTS.

 

Ich jubele auch nicht, dass täglich 1000de Flüchtlinge eintreffen. Ich habe auch meine Zweifel, ob Integration so funktioniert, wie sich es manche vorstellen. Ich habe nicht die Vorfälle in und um Flüchtlingsunterkünfte ausgeblendet. Ich denke auch, dass nicht alle Flüchtlinge diesen Status verdienen, kann aber aus der Ferne nicht gerecht selektieren und schon gar nicht pauschal darüber urteilen. Ich bin auch der Auffassung, dass Integration in hohem Maße eine Bringschuld des Asylbewerbers sein muss. Ich betrachte viele Dinge der aktuellen Flüchtlingspolitik mit Skepsis und Sorge. Dennoch reiche ich einem Ertrinkenden die Hand, ohne ihn vorher zu fragen, ob er in meine Wertvorstellung passt. Was danach geschieht, muss entschieden werden, aber nicht aufgrund von Hetze und manipulierten Informationen von Seiten irgendwelcher Rassisten oder Rechtspopulisten. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass die Behörden, die Entscheidungsträger und die vielen ehrenamtlichen Helfer weitgehend richtig handeln. Mich hält auch gewiss niemand davon ab, selbst tätig zu werden. Aber wenn Rechtspopulisten plötzlich die Obdachlosen entdecken, welche sie selbst bisher ignorierten, um damit die Flüchtlingspolitik gegen die Sozialpolitik aufzuwiegen oder gar auszuspielen, ist dieses Vorgehen ausgesprochen perfide. Wenn Rassisten und Rechtspopulisten sich gefälschter Propaganda bedienen und gleichzeitig über die Mainstreammedien als Lügenpresse skandieren, fällt es mir ausgesprochen schwer, mich von deren Logik überzeugen zu lassen. Und wer schließlich diesen nachweislich rechtsextremen Hetzern zujubelt, muss sich auch gefallen lassen, diesem Spektrum zugeordnet zu werden.

Dieser Artikel soll dazu dienen, dass man selbst beginnt, zu differenzieren, sofern man diese Fähigkeit überhaupt noch besitzt. Ich will niemanden von meiner Meinung überzeugen, da ein solches Unterfangen ohnehin kaum Aussicht auf Erfolg hat. Ich möchte jene, die Zweifel besitzen oder schlicht den Faden zwischen wahr und unwahr verloren haben, animieren, sich wie ich die Synapsen frei zu schütteln und selbst zu urteilen.

Der Autor greift einen Fall auf, der weder polizeilich registriert ist noch ein Beweis existiert, dass sich dieses Ereignis tatsächlich so zugetragen hat. Man kann nun intervenieren, dass die Polizei etwas vertuschen möchte und die sogenannte Lügenpresse sowieso. Doch wer solche Behauptungen aufstellt, ist doch wohl zuerst an der Reihe, diese auch sauber und beweiskräftig darzulegen, bevor man die Beweislast bequem umkehrt…

Ohne ersichtlichen Grund stellt der Autor einen Bezug zwischen Obdachlosen und Asylanten her.

Wer ist dieser ominöse, engagierte junge Mann, der angeblich den toten Obdachlosen am Bahnhof gefunden haben mag? Wieso konnte er zwar ein Foto machen, welches nun kaum einen Beweis für die dazugehörigen Behauptungen darstellt, aber keine Hilfe herbei holte oder die Polizei alarmierte? Ist das nicht etwas merkwürdig? Wer hatte zudem die medizinischen Fachkenntnisse, den Todeszeitpunkt auf die erwähnten 3 Tage zuvor zu datieren? Und wer vermutet, dass hier ein Obdachloser verhungert ist bzw. wie kommt der junge engagierte Mann zu dieser Schlussfolgerung? Mit den richtigen Fragen, bekommt das Szenario plötzlich ein völlig anderes Bild. Die Person kann dennoch ein Obdachloser gewesen sein. Dieser kann womöglich auch verhungert sein, was allerdings eher utopisch klingt. Er könnte sogar tatsächlich schon seit 3 Tagen verstorben sein. Das ist alles denkbar, aber eben nicht erwiesen, nur weil es jemand einfach mal behauptet. Ganz gleich, was hier tatsächlich geschehen sein mag, der Autor instrumentalisiert das Ereignis zum Zweck, gegen Flüchtlinge zu hetzen. Und diese Feststellung kann zweifelsfrei getroffen werden.

Quelle: Indexexpurgatorius's Blog

Quelle: Indexexpurgatorius’s Blog

Recherchiert man etwas mehr, stellt sich schnell heraus, dass der Autor sich einer anderen Quelle bediente. Behauptungen werden also quasi unreflektiert übernommen und für eigene Propaganda ausgeschlachtet. Es gibt auch dort keine belegbaren Fakten, dass die Behauptungen der Wahrheit entsprechen. Das spielt letztendlich für die Propagandisten auch keine Rolle, weil der eigentliche Zweck, die Hetze gegen Flüchtlinge, erfüllt wurde. An den Kommentaren zu den jeweiligen Artikeln ist das hervorragend nachvollziehbar.

Interessant ist eine Recherche nach „Obdachloser verhungert“ mit einer Internet- Suchmaschine. Die Ergebnisse bleiben überraschenderweise überschaubar. Auffällig ist, dass genau der geschilderte Beispielfall ausschließlich von Internetpräsenzen aufgegriffen wurde, welche irgendwie die Wahrheit über das Weltgeschehen und den Kosmos überhaupt für sich beanspruchen. Andere Ergebnisse führen zu Einträgen in Foren oder ähnlichen Web- Seiten, wo diese Floskel als solche verwendet wird. Ich zumindest konnte nicht einen einzigen Bericht finden, wo tatsächlich ein Obdachloser verhungert wäre, wenn man vom hier beschriebenen Fall absieht. Erfrieren dürfe wohl eher eine unnatürliche Todesursache für Obdachlose darstellen. Es existiert auch für diesen Beispielfall nur dieses wenig aufschlussreiche Foto. Die sogenannte Lügenpresse berichtet überhaupt nichts darüber. Sollte der Fall letztendlich doch nur eine üble Fälschung gewesen sein? Es sind interessanterweise jene Leute, die sich gerne über die Lügenpresse echauffieren, aber selbst sehr fragwürdige Artikel in Umlauf bringen…

 

Geschichtsstunde beim Nazi nebenan

28. September 2015

Als kürzlich die HuffingtonPost einen Artikel über eine umtriebige Aktivistin der rechtsextremen Szene veröffentlichte, hätten manche Kommentare darauf nicht skurriler sein können.

Besonders herausgestochen ist ein verschmähter Historiker, der offensichtlich den geeigneten Raum gefunden hat, um dem infantilen Bürgertum eine Lektion in deutscher Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts zu erteilen. Nennen wir diesen Geleerten* fiktiv einfach Johannes S. .

Zunächst versucht er mit einem grandiosen Erklärungsversuch die absurde Taschengeldforderung jener Asylkritikerin zu rechtfertigen:

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

Die deutsche Übersetzung ohne Gewähr lautet:
Wer sich mit der Politik der deutschen Regierung und der Nato nicht anfreunden will und konstruktive Kritik anbringt, wird als Nazi verunglimpft. Wer sich solcher Diffamierungen befleißigt, muss eine Fäkalie sein…

Die historisch ausgesprochen freizügige Interpretation des Johannes S. (Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind ganz und gar nicht zufällig) des 2. Weltkriegs, der eigentlich mit der Ursprungsthematik so viel gemein hat, wie eine Essiggurke mit einem Feuerzeug, folgt mit dieser fulminanten Überleitung:

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

 

Demnach war der 2. Weltkrieg zum größten Teil fiktiv und ein Märchenbuch, verfasst von Schriftstellern im Auftrag der Alliierten. Öffentlich- rechtliche Sendeanstalten verbünden sich mit dem Springer- Verlag und der Nato, um die Kriegspropaganda des Herrn Goebbels im 3. Reich wie einen feuchten Waschlappen aussehen zu lassen.

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

Auf die Frage hin, auf welche Fakten sich die Thesen von Hobby- Historiker Johannes S. stützen, liefert er eine   gewöhnungsbedürftige Erklärung:

 

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

Johannes S. sieht sich selbst offenkundig als verlässliche Quellenangabe. In amerikanischen (Konzentrations)lagern seien offensichtlich eine Million Soldaten gestorben und niemand, insbesondere die „Lügenpresse“ wollen nicht darüber berichten. Auch hätten die USA absichtlich mit dem Eintritt in den 2. Weltkrieg gewartet, bis sich deutsche und russische Soldaten hinreichend nieder gemetzelt hatten. Adolf Hitler war nach Ansicht von Johannes S. aus humanistischen Gründen gezwungen, Polen anzugreifen. Die Polen hätten schließlich den Führer daran gehindert, „seinen Leuten“ Lebensmittel liefern zu können. Auch über diese historischen Tatsachen berichtete augenscheinlich die Lügenpresse nicht. Die Verwendung von Uran- Munition im Irak durch die amerikanischen Streitkräfte scheint eine geheime Verschlusssache zu sein, welche selbst dann nicht in der Presse veröffentlicht werden darf, wenn sie nicht mehr geheim wäre. Johannes S. hingegen scheint einer gewissen Elite anzugehören, denen dennoch diese geheimen Informationen zu Teil wurden. Und obwohl er sich hier und jetzt als verkannter Whistelblower um Kopf und Kragen schreibt, will niemand die Geschichtsbücher seiner Realität entsprechend umschreiben.

Auch ich bin Fan von Dana Scully und Fox Mulder und habe so manche X- Akte im Fernsehsessel genossen. Wo Realsatire beginnt und Fiktion aufhört, scheint sie bei grenzdebilen Rechtspopulisten fließend ineinander über zu gehen. Bei dieser ausgesprochen bedrohlichen Beschädigung des Hypothalamus, sollte Herr Johannes S. dringend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

(*) Dem ironischen Kontekt entsprechend wurde diese Wortspielerei dem orthographisch richtigen Begriff „Gelehrter“ vorgezogen.

Dumm, dümmer, Pegida?

23. September 2015

Nicht völlig ohne Absicht ähnelt die Überschrift einer sogenannten Steigerung. In der deutschen Grammatik wird hierbei zwischen dem Ursprungsadjektiv, dem Komparativ und dem Superlativ differenziert. Da nun der Begriff Pegida eben kein Adjektiv darstellt, sondern es sich um ein Kunstwort als Abkürzung für Patriotische Europäer gegen die Islamisierung (des) Abendlandes handelt, ist es auch faktisch keine Steigerungsform. Dennoch wollen sich einige politisch motivierte Spaziergänger keineswegs davon abhalten lassen, sich lernresistent der Öffentlichkeit anzubieten. Der wiederholte grammatikalische Supergau eines Kommentators zu einem Pegida– Artikel bei Facebook  besitzt derweil exhibitionistische Züge:

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

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Quelle: Facebook

Anstatt auf die eigentlich guten Ratschläge anderer Kommentatoren zu hören, das peinliche Bild zu löschen, versucht der Künstler des ansonsten ohnehin fragwürdigen Plakats seine Fehler mehrfach zu korrigieren. Trotz massiver Hilfestellung will es ihm jedoch nicht gelingen. Der Leitsatz selbst ist dermaßen sinnfrei, dass man ihn eigentlich gar nicht korrigieren könnte. Man darf konstatieren, dass ein sogenannter „Besserdeutscher“, der offenkundig mit dem rechtspopulistischen Spektrum mindestens sympathisiert, der deutschen Sprache in Wort und Schrift nicht mächtig ist. Auch darf es ebenfalls als Nachweis gewertet werden, dass Menschen mit rechter Gesinnung oftmals unterhalb des durchschnittlichen Bildungsniveaus ihre Lebensrealität finden. Allein aus pädagogischer Sicht ist die Vorstellung  beängstigend, solche Personen müssten größere Verantwortung tragen als das Binden der eigenen Schnürsenkel.

Während jenes orthographische Feuerwerk durchaus amüsanten Unterhaltungswert erzeugen konnte, besitzt der thematische Kontext allerdings Brisanz. Die Fundstücke stammen nämlich vom Facebook- Profil eines gewissen Michael Stürzenberger, welcher den Erfolg der Pegida– Veranstaltung vom 21. September 2015 in Dresden in einer Zusammenfassung feierte.

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

Die besorgten Bürger, welche sich mehr oder weniger zu Pegida und deren Gesinnung bekennen, legen andererseits großen Wert darauf, nicht als Nazi oder Pack bezeichnet zu werden. Man will keineswegs in die sogenannte „rechte Ecke“ gestellt werden. Nun sollten sich aber diese Menschen, die sich derart vehement gegen diese Betitelung wehren, darüber klar werden, wessen Propaganda sie sich als Nachtgedanken einflößen lassen. Herr Stürzenberger ist schließlich Bundesvorsitzender der rechtspopulistischen Kleinpartei „Die Freiheit“ und regelmäßiger Redner bei Pegida und diversen Ablegern. Die Vita des Herrn Stürzenberger lässt keinen Zweifel an seiner rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung. Mit Tatjana Festerling ist in der Kommandozentrale von Pegida eine Aktivistin umtriebig, welche sogar der AfD (Alternative für Deutschland) politisch zu weit rechts angesiedelt war.

Auch sollte ein eigentlich ziemlich auffälliges Paradoxon nicht unerwähnt bleiben. Hierzu muss man, auch wenn es intellektuell schwer fallen mag, zu dem zuvor grammatikalisch begutachteten Bilddokument zurückkehren. Angela Merkel wird darauf mit Adolf Hitler eher unrühmlich in Verbindung gebracht, wenn die Deutung des Textes überhaupt möglich ist. Irgendwo zwischen Satire und Geschmacklosigkeit lässt sich diese Darstellung einordnen. Wenn Menschen rechter Gesinnung, die Bundeskanzlerin „schlimmer“ als die Ikone ihrer Ideologie empfinden, darf man die Diagnose auf historische Amnesie stellen. Politisches Schlafwandeln ist nicht verboten, pendelt jedoch unkontrolliert zwischen Peinlichkeit und Gefährlichkeit durch mehrere Gesellschaftsschichten.

Die Ängste von besorgten Bürgern

22. September 2015

Kommentar von einer besorgten Bürgerin, die weder als Nazi noch als Pack bezeichnet werden möchte.

Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Gauck,

auch ich gehöre zu den Menschen, die Sie als Pack bezeichnen. Allerdings nicht, weil ich rassistisch oder fremdenfeindlich bin. Genauso wenig habe ich nazistische Züge oder braunes Gedankengut. Nein, ich gehöre zu dem Pack, das einfach nur Angst hat. Angst vor der Zukunft in einem Land, das ungefilterte Ströme von Migranten ins Land lässt, ohne dass die verantwortlichen Politiker einen Plan zu haben scheinen, wie das alles funktionieren soll.

Da Ihr Kommentar, der beinahe schon ein offener Brief an den Bundespräsidenten bzw. die Bundeskanzlerin zu begreifen ist, kaum von den adressierten Personen eine Antwort entlocken wird, möchte ich Ihnen darauf antworten, obgleich meine Auffassung nicht unbedingt mit jenen der angesprochenen Personen übereinstimmen wird.

Ja Frau Merkel, Sie machen mir Angst mit Ihrer Art alles aussitzen zu wollen. Wir haben eine Katastrophe im Land und Sie schweigen. Was ist eigentlich Ihre Aufgabe als Bundeskanzlerin? Wofür werden Sie von den Deutschen eigentlich bezahlt? Haben Sie nicht geschworen Schaden vom deutschen Volk zu wenden?
1. Ich habe Angst, weil hier Massen ins Land kommen, die selbst innerhalb ihrer eigenen Religion keinen Frieden halten können, wie soll das dann mit einer hier etablierten Religion möglich sein?

Liebe Frau F., Sie pauschalisieren. Es gibt weltweit über 50 Millionen Flüchtlinge. Im Verhältnis zu der prognostizierten 1 Million, die Deutschland als Zuflucht erreichen werden, ist das eine Masse, die es abzubauen gilt. Dass natürlich ein plötzlicher Zuwachs von 1 Million Menschen in Deutschland, die Behörden und natürlich auch die Bürger vor eine extreme Herausforderung stellen, bleibt unbestritten. Der Zusammenhang zur Religion dieser Flüchtlinge ist jedoch zunächst unerheblich. Es ist ebenso hochspekulativ, dass die Religionsunterschiede maßgeblich den gesellschaftlichen Wertekanon durcheinander bringen werden. Konflikte dieser Art gab es schon immer und sie wurden ausschließlich von Fundamentalisten ausgelöst. Da hat der Islam tatsächlich ein Problem, was nicht gleichermaßen bedeutet, dass andere Religionen oder Weltanschauungen deswegen keine Konflikte hervorrufen würden.

2. Ich habe Angst, dass unser Sozialsystem unter dieser Masse zusammenbricht, denn dieses ist auf Gegenseitigkeit ausgelegt.

Diese Angst ist insofern begründet, dass die zuständigen Behörden hoffnungslos überfordert sind. Für geeignete Lösungsansätze sind die Verantwortlichen sicher aufgeschlossen. Nun basiert unser Grundgesetz allerdings auch auf der Überzeugung, dass Menschenrechte zu wahren und zu verteidigen sind und politisch Verfolgten Asyl zu gewähren ist. Die akute Flüchtlingssituation, wie sie aktuell besteht, hatte zum Zeitpunkt der Einführung dieses Grundgesetzes keine Berücksichtigung gefunden. Man darf es ruhig als Ausnahmezustand bezeichnen. Eine Gegenfrage sei an dieser Stelle erlaubt? Hatten Sie keine Angst um die Sozialsysteme, als die Bankenrettung Unsummen an Steuermitteln verschlungen hatte?

3. Ich habe Angst, dass unser Bildungswesen zusammenbricht, wenn neben Inklusion auch noch Kinder ohne Deutschkenntnisse die Schulen fluten. Wie sollen Lehrer noch Wissen lehren, wenn sie mit Integration beschäftigt sind?

Dieses Problem dürfte angesichts der Infrastrukturprobleme ein eher geringes darstellen. Zum Teil gibt es sogar positive Aspekte für das Bildungswesen. Diverse Schulen, deren Schließung bereits beschlossen war, können nun weiter betrieben werden.

4. Ich habe Angst, dass Sie und Ihr Finanzminister sich notwendiges Geld wieder einmal vom kleinen Mann holen und die Reichen im Lande schonen. Die Krankenkassen haben die Erhöhung ja bereits angedroht.

Man darf bei dieser Befürchtung gerne wieder die Banken- bzw. Griechenlandrettung in die Diskussion einbeziehen. Es ist leider unrühmliche Tatsache, dass die Verteilung finanzieller Ressourcen seit Jahrzehnten ungerecht vorgenommen wird. Das hat mit der Flüchtlingskrise jedoch nichts zu tun. Auch die Ankündigung der Krankenkassen, die Beiträge erhöhen zu wollen, hat nur geringfügig mit einer zusätzlichen Belastung des Gesundheitssystems durch Flüchtlinge zu tun. Steigende Arzneikosten und der demographische Wandel sind nur 2 Gründe von etlichen anderen, welche primär für eine Erhöhung der Zusatzbeiträge verantwortlich gemacht werden. Dass auch hierbei eine faktisch ungerechte Verteilung zu Lasten der Kassenpatienten vorgenommen wird, ist eine klassische, politische Fehlleistung.

5. Ich habe Angst, dass die Verbrechensquoten rapide ansteigen, weil im Zuge von Sparmaßnahmen die Exekutive kaputt gespart wurde.

Sie haben also nicht davor Angst, dass die Kriminalitätsrate aufgrund von Asylbewerbern ansteigt, sondern wegen politischer Entscheidungen? Auch wenn es nicht so wäre, bestätigen die Kriminalstatistiken ohnehin, dass die Kriminalitätsrate durch Flüchtlinge nicht nennenswert angestiegen ist.

6. Ich habe Angst, weil Sie, die Politiker, scheinbar keine Ahnung haben, wie all diejenigen, die hier kein Asyl erhalten werden, wieder zurückgeschickt werden sollen. Freiwillig werden sie wohl kaum in die Züge steigen. Bleiben diese dann illegal in Deutschland und was sind dann die Folgen. Diese Menschen dürfen nicht arbeiten und verfügen über kein Geld. Welche Konsequenzen wird das haben?

Man darf durchaus diesen Politikstil anzweifeln. Speziell Defizite bei der Abarbeitung von Asylanträgen wurden ja unlängst zugegeben. Die Konsequenz daraus darf man allerdings abermals anzweifeln. Eigentlich ist es doch ganz einfach, wenn ein Asylantrag abgelehnt wurde. Die staatliche Unterstützung fällt weg und die Menschen müssen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Eine Aufenthaltserlaubnis besteht nur, wenn auch ein Arbeitsverhältnis nachgewiesen werden kann. Eine Duldung von abgewiesenen Asylbewerbern wird sich der Staat nicht auf Dauer leisten können. Dass Ausländer in Deutschland nicht arbeiten dürfen, ist ein fataler Trugschluss. Das trifft nur zu, wenn jene Ausländer einen Asylantrag stellen. Der Status ist dann ein völlig anderer und zieht auch andere Konsequenzen nach sich. Es mag schlimm sein und fehlende Barmherzigkeit suggerieren, wenn nach bürokratischen Richtlinien eine Ausweisung beschieden wurde. Asyl bedeutet schließlich nicht, dass jeder sich ein Land seiner Wahl aussuchen kann, um ein besseres Leben als in der ursprünglichen Heimat führen zu können und eine Subventionierung zu erfahren. Hierfür kann und darf man sich ganz offiziell bei einem Unternehmen in diesem Land bewerben und wird in der Regel auch eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Das wäre dann der klassische Gastarbeiter. Es gibt auch Deutsche, die auf dieser Basis im Ausland tätig sind. Wer jedoch einen Asylantrag stellt, muss sich auch über die Konsequenzen im Klaren sein.

7. Ich habe Angst, weil zu vermuten ist, dass viele der vermeintlichen Flüchtlinge hier eingeschleust werden, um Anschläge zu verüben, denn woher kommt das viele Geld, dass eine solche Flucht kostet? Jemand der flüchtet, weil er alles verloren hat, verfügt auch nicht über Geld für eine Flucht.

Flüchtlinge sind nicht allesamt mittellos. Die meisten Flüchtlinge aus Kriegsgebieten hatten zuvor ein ähnlich geregeltes Leben wie wir es in Deutschland kennen. Dazu zählt auch unter Umständen ein gewisses Vermögen. Dieses ersparte Geld oder sonstige Wertsachen sind im Kriegsgebiet kaum von Bedeutung. Vermutlich ist in vielen Fällen das Geld, das so ziemlich letzte, was jene Flüchtlinge in ihrer zerbombten Heimat verloren haben. Terroristen werden die unsichere, lange Reise über die sogenannte Balkanroute eher nicht antreten. Das wäre aus deren Sicht kontraproduktiv. Es wäre eine Schmach für jene Gotteskrieger, im Mittelmeer zu ertrinken oder irgendwo vor ihrem Ziel in einem Flüchtlingslager auf unabsehbare Zeit hängen zu bleiben.

8. Ich habe Angst, weil kein Politiker in diesem Land konkret sagt, wie das alles organisiert werden soll. Wer zahlt die Unterbringung, Verpflegung, Taschengeld (das ich übrigens nicht habe), Gesundheitsbetreuung?

Es sagt deshalb kein Politiker konkret etwas, weil niemand eine Patentlösung bieten kann. Dass der Staat finanziell für die Flüchtlinge aufkommt, ist eigentlich logisch. So ist das eben mit dem Asyl. Wovon soll ein Asylbewerber denn seinen Unterhalt finanzieren, wenn er/sie nicht arbeiten darf? Oder soll man tatsächlich Flüchtlinge mit Gewalt fern halten, wie es inzwischen einige EU- Staaten betreiben? Wer tatsächlich Anspruch auf Asyl besitzt, wird man so nicht feststellen können. Es soll ja eine schnelle Integration angestrebt werden. Mit „Taschengeld“ bezeichnet man im Übrigen die finanzielle Grundversorgung eines Asylbewerbers, welche unterhalb des Hartz- 4 Niveaus angesiedelt ist. Es besteht kein Grund, deswegen neidisch zu sein. Deutsche bzw. EU- Mitbürger werden gegenüber Flüchtlingen bevorzugt behandelt, wenn auch rechtspopulistische Propaganda ein anderes Bild davon zeichnen möchte.

9. Ich habe Angst, dass die Löhne in diesem Land noch weiter sinken, denn es kommen ja genügend Menschen, die bereit sind für weniger zu arbeiten. Und erzählen Sie mir nichts vom Mindestlohn. Darüber können wir reden, wenn Sie und ihre Kollegen mal ein Jahr lang nur von diesem gelebt haben.

Nachweislich hat die Einführung des Mindestlohns das Lohnniveau in der Gesamtheit angehoben, ohne dass entgegen der Prophezeiung von Arbeitgebervertretern und deren zugeneigten Politikern die Arbeitslosigkeit angestiegen wäre. Selbst wenn die neuen Mitbürger bereit wären, unterhalb des Mindestlohns eine Beschäftigung anzunehmen, wäre das gesetzeswidrig und würde Konsequenzen für deren Arbeitgeber haben. Es gibt allerdings auch ohne integrierte Flüchtlinge bereits schwarze Schafe unter Unternehmen, die den Mindestlohn zu unterlaufen versuchen.

10. Ich habe Angst, auch vor den Menschen, die aus Ländern kommen, die keine rechtsstaatliche Ordnung kennen, die Polizei auslachen und sich ihre eigenen Gesetze schaffen.

Integration sollte bedeuten, dass in Deutschland aufgenommene Flüchtlinge sich genauso an Recht und Ordnung zu halten haben wie die sogenannten Einheimischen. Die Etablierung von sogenannten Parallelgesellschaften ist eigentlich auf das Versagen der zuständigen Behörden zurück zu führen. Der Rechtsstaat zeigt bisweilen seine Defizite. Rechtfertigt dies die Einführung eines Polizeistaates mit erweiterten Machtbefugnissen?

11. Ich habe Angst, vor den Menschen, deren Hemmschwelle aufgrund der Gewalt, die sie in ihrer Sozialisation erlebt haben, sehr viel niedriger ist, als wir es kennen.

Gewaltbereitschaft ist kein Umwelteinfluss, sondern ein individueller Wesenszug, welcher auch teilweise anerzogen wurde. Das Lebensumfeld kann Menschen an diverse Bedingungen anpassen. Menschen sind größtenteils manipulierbar. Bemerkenswert bei dieser Befürchtung ist, dass ausgerechnet Extremisten sowohl aus dem rechten als auch aus dem linken Spektrum das größte Gewaltpotential erkennen lassen. Dennoch fürchten sich die besorgten Bürger vor gewaltbereiten Ausländern deutlich mehr.

Diese Aufzählung könnte ich noch endlos weiter fortführen. Aber aufgrund unzähliger Gespräche mit anderen Menschen weiß ich, dass diese Ängste in der Bevölkerung real existent sind. Und diese Menschen, die einfach nur Angst haben, weil Sie und Ihre Kollegen versagen und keine Antworten auf unsere Fragen wissen, die werden von Ihnen als Pack beschimpft und weil es ja so einfach ist, gleich in die braune Schublade gesteckt. Wie wäre es einmal von Ihrem hohen Ross herabzusteigen und eine klare Ansage zu tätigen, wie diese Probleme alle gestemmt werden sollen?

Die geschilderten Ängste sind sowohl berechtigt als auch real. Was macht jemand, der seine Angst überwinden möchte? Man stellt sich seiner Angst und kann sie womöglich überwinden. Das muss nicht immer gelingen, aber der Versuch ist es allemal wert. Den Begriff „Pack“ verwendete übrigens nur ein einziger Politiker. In die „braune Schublade“ verkriechen sich so manche besorgte Bürger von ganz allein, indem sie sich Rechtspopulisten anschließen. Das beginnt mit einen gedrückten „Like“ bei Facebook, wenn aus rechtspopulistischen Kreisen Propaganda verbreitet wird. Es setzt sich fort, indem man an Demonstrationen teilnimmt, die von Rassisten und/oder Rechtsextremen organisiert werden. Es endet mit Gewalt, wie die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte beweisen.

Wer das alles finanzieren soll? Das wäre zumindest ein Schritt, um das, was Sie großmäulig allgemein als Fremdenhass bezeichnen, vielleicht in andere Bahnen zu lenken. Doch durch Ihre Politik, die Einflussnahme auf die Medien seitens der Regierung, sind Sie dabei unser Vertrauen endgültig zu verlieren. Viele von uns glauben nicht mehr, was Ihnen tagtäglich serviert wird und aus den Erfahrungen der letzten Jahre sind wir uns auch sicher, dass es wieder der „kleine Mann“ sein wird, der diese Katastrophe auszubaden hat……………genau das sind die Ängste, die sich breit machen und die kann man nicht einfach weglächeln und blauäugig drüber wegsehen und das hat nichts aber auch rein gar nichts mit Fremdenfeindlichkeit oder sonstigem zu tun!!!!!!!!!!!

Auch die zerstörten Flüchtlingsunterkünfte müssen renoviert, somit auch refinanziert werden. Wer also solche Anschläge verübt, betreibt Sabotage und gefährdet vorsätzlich Menschenleben. Man will im Prinzip damit verhindern, dass das Flüchtlingsdesaster nicht einmal ansatzweise gelöst werden kann.
Interessant ist auch der Umstand, dass sich jene Propagandisten gerne den Medien bedienen, die sie als Lügenpresse bezeichnen, wenn es in ihr politisches Portfolio passt. Dann wird auch gerne etwas manipuliert und gelogen, um besorgte Bürger auf ihre Seite zu ziehen. Geschehnisse entsprechen nicht nur dann der Wahrheit, wenn sie der eigenen Ideologie entsprechen. Die Propagandisten schüren bewusst die Ängste der Menschen und versuchen sie zu manipulieren. Wer ist der schlimmere Lügner?
Zwischen 1933 und 1945 waren nicht jene unfähigen Politiker unserer Zeit an der Macht, welche offensichtlich nicht im Stande sind, die Flüchtlingskrise zu bewältigen. Es waren die Nazis, die das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte schrieben. Ausgerechnet diese Leute, die einem Regime nachtrauern, welches menschenverachtender und gewalttätiger kaum sein könnte, wollen diese Demokratie, mit ihren Ecken, Kanten und Fehlern gegen ihre krude Weltanschauung eintauschen. Alle besorgten Bürger sollten sich darüber im Klaren sein, dass der inzwischen eingeschlagene Rechtsruck den Verfechtern nationalsozialistischer Gesinnungen Vorschub leistet. Womöglich wird im Hinblick auf solche Zukunftsvisionen die Flüchtlingskrise unser geringstes Problem sein.

Das Ende der Meinungsfreiheit

21. September 2015

Das Flüchtlingsdrama in Europa spitzt sich zu. Die EU ist einerseits hoffnungslos mit einer beispiellosen Völkerwanderung überfordert und andererseits zerstritten über die Strategie der Verteilung der Flüchtlinge. Rechtspopulistische Propagandisten nutzen dieses gesellschaftspolitische Drama schamlos aus, Hetze gegen Flüchtlinge zu betreiben. Eine neue Qualität von Rassismus verbreitet sich über die (a)sozialen Netzwerke. Es werden Bilder und Videos veröffentlicht und entsprechend fremdenfeindlich kommentiert.

Im folgenden Beispiel werden Ressentiments gegen Flüchtlinge geschürt, indem man schlicht das Reizwort „Willkommenskultur“ manipulativ einsetzt.

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

 

Die Reaktionen in den Kommentaren zeigen, dass die fremdenfeindliche Hetze beschämende Ausmaße annimmt, welche die Begrifflichkeit von Meinungsfreiheit deutlich überstrapaziert. Auf eine Unkenntlichmachung der Kommentatoren wurde vorsätzlich verzichtet, denn der Artikel ist öffentlich zugänglich: https://www.facebook.com/fuer.die.heimat?fref=nf (Chronikdatum 19. September 2015, 23h50)

Das verbreitete Video stammt jedoch vom Juli 2014, als in mehreren Städten Demonstrationen gegen die Gaza- Offensive von Israel stattfanden. Propalästinensische Organisationen hatten zu den vorwiegend unangemeldeten Demonstrationen aufgerufen. In Paris eskalierte die Situation insbesondere aufgrund des zuvor von der Regierung verhängten Versammlungsverbots.

Wenn ausgerechnet jene Leute, welche die Mainstreammedien gern und oft als Lügenpresse bezeichnen, selbst Lügen verbreiten, hat das eine besondere Qualität der Hetzpropaganda. Perfide ist es, sogar das Videomaterial von Mainstreammedien für eigene, falsche Propaganda zu missbrauchen.

 

Quelle aus Österreich (Der Standard)

Quelle aus Deutschland (FAZ)

Quelle aus Deutschland (Wochenblatt)

Original Video- Quelle

Die Argumente der besorgten Bürger

16. September 2015

Aufgrund eines Berichts des ZDF über das Flüchtlingserstaufnahmelager in Lebach (Saarland) ließen sich einige besorgte Bürger zu peinlichen bis hanebüchenen Aussagen hinreißen.

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Die Spekulation dieser besorgten Bürgerin ist vollkommen irrational. Der Arzt arbeitete lange Jahre als Allgemeinmediziner im Saarland und ist nun als ehrenamtlicher Helfer tätig. Am 1. Januar 2009 wurde die gesetzliche Altersgrenze von 68 Jahren für Kassenärzte aufgehoben. Eigentlich könnte er somit auch wieder seinem Beruf entgeltlich nachgehen.

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Von Pilgern kann sicher nicht die Rede sein. Wer über diese sogenannte Balkanroute nach Mitteleuropa gelangen will, kommt eher nicht aus einer Region, welche man als sicheres Herkunftsland bezeichnen kann. Somit kann man auch nicht pauschal von Wirtschaftsflüchtlingen sprechen. Ein illegaler Grenzübertritt aufgrund einer begründeten Gefahr im Herkunftsland ist mit den Menschenrechten nicht zu vereinbaren. Ungarn hat kürzlich per Gesetz diesen Tabu- Bruch vollzogen. Somit begehen Flüchtlinge beim Übertreten der Grenze nach Ungarn neuerdings eine Straftat. Das entspricht nicht der deutschen Gesetzgebung, nicht dem deutschen Grundgesetz und auch nicht der UN- Menschenrechts- Charta.

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Als deutscher Steuerzahler finanziert man nach deutschen Gesetzen die eigene Solidargemeinschaft und keinesfalls den gesamten Globus. Ausnahmen gibt es beispielsweise beim Klimaschutz und weiteren Dingen, die den deutschen Steuerzahler auch in seine globale Verpflichtung ziehen. Sozialabgaben sind übrigens nur ein Teil der Steuerlast, wenn auch ein recht großer. Das ist allerdings auch so beabsichtigt, um als Sozialstaat den selbst gesetzten Verpflichtungen nachkommen zu können, welche in erster Linie eben diesen Steuerzahlern zu Gute kommen.
Erneute Spekulationen über mögliche Renten von unberechtigten Personen, womit jene Flüchtlinge gemeint sind, gehören ins Reich der schlechten Phantasien. Anspruch auf Altersversorgung haben ausschließlich Menschen, die auch Beiträge geleistet haben. Es spricht nichts dagegen, dass integrierte Flüchtlinge, die ein steuerpflichtiges Arbeitsverhältnis angetreten haben, auch Leistungen aus der Rentenkasse beziehen dürfen.

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Das Asylrecht ist in Deutschland gesetzlich geregelt und im Grundgesetz verankert. Dies unterscheidet eine Demokratie und einen Sozialstaat schlicht und ergreifend von einer Diktatur oder anderen exotisch anmutenden Staatsformen. Die Meinungsfreit erlaubt es, dass man andere Ansichten vertreten darf, hat aber solange Bestand, bis sich diese anderen Ansichten durchsetzen, was hoffentlich eine üble Vorstellung bleiben mag. Der Staat finanziert somit dieses komplette Asyl- Portfolio aus verschiedenen Staats- Länder- und kommunalen Haushalten. In der Summe ist es ein gewaltiger Betrag, besonders im Hinblick auf ständig steigende Flüchtlingszahlen, für den Einzelnen ist es jedoch das absolute Existenzminimum. Im Vergleich zum Rüstungs- Etat oder zu überflüssigen Ausgaben wie Prestige- Bauvorhaben(der Berliner Hauptstadtflughafen oder das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21) relativiert sich die Summe durchaus. Somit sollten sich jene besorgten Bürger auch heftiger über solche Ausgaben aufregen, die ebenfalls aus des Steuerzahlers Geldbeutel finanziert werden.

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In einer sachlichen Diskussion unter vernünftigen Leuten wird bestimmt niemand als „Nazi“ betitelt, wenn jene Person die Wahrheit präsentiert. Schaut man jedoch auf die bislang nur hier kommentierten Fundstücke zurück, ist von dieser angeblichen Wahrheit nicht viel zu erkennen. Utopische Spekulationen wechseln sich mit faktisch unwahren Bemerkungen ab. Oft halten sich diese Personen wirklich für die wahren Realisten und bemerken gar nicht, wie sehr sie an Realitätsverlust leiden. Ihre Verbohrtheit entfremdet sie von der Wirklichkeit. Fakten werden ignoriert. Gerne werden Einzelfälle pauschalisiert, um die eigene Sichtweise zu rechtfertigen. Wer bereits in extremistische Gesinnungszustände verfallen ist, scheut nicht einmal, Unwahrheiten zu verbreiten oder Geschehnisse manipulativ aufzubereiten.

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Typisch für Diskussionen, wo einzelnen Leuten die Argumente fehlen, ist das Abdriften zu Nebenschauplätzen, die kaum oder gar nichts mit dem Ursprungsthema zu tun haben. Aber interessant ist diese Einschätzung auf die Existenz von „Nazis“ durchaus…

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Wenn das eigene Schicksal es nicht gut mit einem meint oder man schlichtweg das eigene Schicksal nicht richtig in die eigene Hand nehmen kann oder will, sucht man Schuldige für das eigene Versagen oder auch stellvertretend für Behörden und Menschen, die womöglich Fehler begangen haben. Dass das deutsche Gesundheitswesen nicht vollkommen ist, wird eigentlich nicht bestritten. Wer möchte deswegen lieber das Gesundheitswesen der USA oder von Nigeria einführen? Es ist tragisch, wenn man auf dringende Behandlungen lange warten muss oder sie sogar komplett verwehrt bekommt. Es gibt auch eine nicht zu leugnende Ungleichbehandlung zwischen Patienten. Der Kommentator wird natürlich seine Drohung nicht wahr machen und seinen Pass wegwerfen. Er weiß auch im Grunde, dass ihn als Flüchtling eher schlechtere Bedingungen erwarten würden. Dennoch lässt er seine Aggression in diese Richtung treiben, weil er sich nicht traut, die wirklich Schuldigen für sein persönliches Dilemma zu attackieren. Womöglich würde er am Ende bei sich selbst wieder ankommen…

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Es mag den Anschein erwecken, dass in anderen Kulturen der Nachwuchs einen anderen Stellenwert besitzt. Es mag auch merkwürdig erscheinen, wenn Flüchtlinge schwanger die Strapazen einer langen und gefahrvollen Flucht auf sich nehmen. Die Schlussfolgerung dieser Kommentatorin ist allerdings abgrundtief hässlich. Wer vor Bomben und Terror aus der Heimat flieht, macht sich sicher keine Gedanken darüber, wie man durch Schwangerschaft ein Bleiberecht erpressen könnte. Derartige Verurteilungen von Menschen, ohne deren Schicksal nur ansatzweise zu kennen, ist niveaulos bis verachtungswürdig.

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Die Finanzierung des Flüchtlingsproblems wurde bereits behandelt und niemand kann genau vorhersehen, wie sich die Situation entwickeln wird. Allerdings wird erneut eine Schlussfolgerung getätigt, welche nicht ansatzweise belegt werden kann. Wer nicht fähig oder gar gewillt ist, seine Fragen an die richtigen Stellen zu adressieren, soll eine Entscheidung über die gesamtdeutsche Asylpolitik fällen? Als Befürworter von basisdemokratischen Entscheidungsfindungen möchte ich jedoch nicht, dass auf Grundlage weitreichender Desinformation solche wichtigen Entscheidungen getroffen würden. Ich bin in vielen Fällen nicht mit den politischen Entscheidungen unserer Regierungsmannschaft zufrieden, möchte aber auch nicht vom Regen in die Traufe geraten…

Die häßliche Fratze Deutschlands

3. September 2015

Während sich die Bevölkerung Deutschlands in gegensätzliche Gesinnungslager spaltet, welche je nach Blickwinkel abfällig als Gutmenschen bzw. als besorgte Bürger betitelt werden, offenbaren die politischen Verantwortlichen eine desaströse Strategie in der Flüchtlingsproblematik. Inzwischen sprechen nicht wenige Zeitzeugen von einer Völkerwanderung.

Anstatt die Ursachen zu bekämpfen, therapiert man die Symptome. Selbstverständlich muss man Menschen in Not helfen. Wer vor Krieg und Unterdrückung flieht und eher unfreiwillig seine Heimat verlässt, soll Zuflucht erhalten und jede erdenkliche Unterstützung bekommen. Die EU (Europäische Union) präsentiert bei diesem, durchaus alle Mitgliedsstaaten betreffendem Problem, ihre Uneinigkeit und zugleich damit ihre Unfähigkeit. Während in Deutschland die sogenannten Besserdeutschen neben dem Kulturschock für das christliche Abendland zudem auch noch eine drastisch ansteigende Kriminalitätsrate befürchten, reagieren andere EU- Staaten zunehmend hilflos bis abschottend auf die Flüchtlingsströme. Inzwischen wird herbe Kritik an der deutschen Asylpolitik lauter, wo der Vorwurf, dass ein zu verlockendes humanitäres Angebot die Zahl der sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge deutlich erhöhen würde, offen ausgesprochen wird. Ängste in der Bevölkerung, dass Einwanderer gegenüber dem eigenen Volk übervorteilt würden, bestehen durchaus. Aus einem egoistischen Blickwinkel, den nun wirklich kaum jemand leugnen kann, entwickelt sich zuweilen blanker Hass. Gescheiterte Existenzen oder welche, die vom Sog der Armut längst erfasst wurden, sich jedoch vom Rechts- und Sozialstaat im Stich gelassen fühlen, sind besonders empfänglich für Neiddebatten, welche gerne und meist übertrieben von Rechtspopulisten und Islamkritikern befeuert werden. Zu oft wurden Menschen Opfer von Behördenwillkür oder haben die Härte des Gesetzes erfahren müssen, während sie nun scheinbar beobachten können, wie Asylbewerber regelrecht eine sozialpolitische Rundumbetreuung erfahren dürfen. Das stimmt zwar nicht, aber es fühlt sich irgendwie so an, wenn man in einer digital vernetzten Welt permanent die Quellen der eigenen Überzeugung anzapft. Pegida ist ein solches Phänomen, welches sich vom Hass und Neid jener Leute nährt. Aber während sich Gutmenschen und Besserdeutsche verbal und auch real bekriegen, verlieren sie die eigentlichen Ursachen aus den Augen. Man könnte sogar denken, den politisch Verantwortlichen käme das gerade recht…

Warum kommen Flüchtlinge beispielsweise aus Eritrea nach Europa bzw. nach Deutschland? Dort herrscht doch kein Krieg? 

Bis ins Jahr 2000 herrschte Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien. Die EU leistete prompt Entwicklungshilfe und unterstützt immer noch den diktatorischen Präsidenten von Eritrea, Isayas Afewerki. Das ostafrikanische Land wird von einer autoritären Einparteien- Regierung beherrscht, welche die Verfassung nicht achtet und keine Pressefreiheit duldet. China ist neben dem Iran und Kuba der wichtigste außenpolitische Partner. Es gibt sogar Aussagen von geflüchteten Menschen aus Eritrea, dass sie sogar im Ausland Steuern an das Regime zahlen müssen, womit die Diktatur einen Teil des Staatshaushalts finanziert. Die Flucht der eigenen Bevölkerung ist nützlich für den Diktator. Es ist unbegreiflich, dass die EU ein solches Regime unterstützt und nicht mit aller Macht dagegen vorgeht. Die Flüchtlinge aus Eritrea hingegen sind zur Handelsware verkommen.

Warum kommen Flüchtlinge beispielsweise aus Afghanistan nach Europa bzw. nach Deutschland?

Auch aus Afghanistan strömen viele Flüchtlinge nach Europa. Der von der USA im Jahr 2001 entfachte Interventionskrieg gegen Afghanistan, um die Taliban- Regierung zu stürzen sowie Al Quaida zu bekämpfen, darf man als phänomenal gescheitert anerkennen. Das Land liegt in Trümmern und auch der deutsche Militäreinsatz, der eigentlich dem Aufbau einer Infrastruktur dienen sollte, endete im Desaster. Zusammenhänge, dass ISIS, bzw. der Islamische Staat (IS) daraus hervorgegangen sind, kann man kaum noch leugnen. Mehr als 17 Milliarden Euro soll der Afghanistan- Einsatz allein Deutschland bislang gekostet haben. Menschen aus dieser Region fliehen einerseits vor Perspektivlosigkeit und andererseits vor der Terrormiliz IS. Ratlos blickt die Bundesregierung auf jenen Afghanistan- Einsatz zurück und besitzt im Prinzip eine gewisse Fürsorgepflicht gegenüber den Menschen, die nun auf der Flucht sind. An die sogenannte „große Glocke“ will man jene Schmach gewiss nicht hängen und riskiert lieber den Konflikt zwischen Gutmenschen und Besserdeutschen im eigenen Land. Es dürfte auch den politisch Verantwortlichen bewusst sein, dass man rechtspopulistische Kräfte damit erstarkt hat…

Warum kommen Flüchtlinge beispielsweise aus Syrien nach Europa bzw. nach Deutschland?

In Syrien herrscht aktuell Krieg. Es ist nachvollziehbar, dass viele Menschen vor Tod und Zerstörung ihre Heimat verlassen müssen. Nachbarländer wie Jordanien und Libanon haben bereits Millionen syrischer Flüchtlinge aufgenommen. Hier bleiben jene Syrier, die auf ein baldiges Ende des Krieges hoffen, um in ihre Heimat zurückkehren zu können. Andere hingegen glauben nicht, in absehbarer Zeit ein Leben in ihrer ursprünglichen Heimat fortführen zu können und suchen sich eine neue. Deutschland ist hierbei nicht unattraktiv, denn die Bedingungen, um eine neue Existenz aufbauen zu können, sind beinahe nirgendwo besser. Logischerweise sind Länder mit guten Chancen auf ein sozialverträgliches Leben für Flüchtlinge anziehend. Besorgte Bürger erkennen darin lediglich das Ausbeuten der Sozialsysteme durch Menschen, die nie einen Beitrag dazu geleistet haben und ihrer Ansicht nach auch keinen Anspruch darauf haben. Sie verharren auf dem Standpunkt, dass zunächst der eigenen Bevölkerung Sozialleistungen zu Teil werden müssen, bevor man die Mittel für Fremde aufbraucht…

Ignoriert wird hierbei Artikel 16a des Grundgesetzes, worin deutlich beschrieben ist, dass politisch Verfolgte ein Recht auf Asyl besitzen. Es ist auch definiert, wer grundsätzlich kein Asyl erhalten kann. Dazu gehören alle Staaten der EU und Drittstaaten, die als sichere Herkunftsländer laut Gesetzesbeschluss gelten.

Warum kommen Flüchtlinge beispielsweise vom Balkan nach Europa bzw. nach Deutschland?

Quelle: Eurostat

Quelle: Eurostat

Nicht allein besorgte Bürger bezeichnen Flüchtlinge vom Balkan (Serbien, Kosovo, Albanien, Bosnien- Herzegowina) pauschal als sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge. Serbien hat im Prinzip eine demokratische Regierungsform und gehört zu den Anwärtern auf eine EU- Mitgliedschaft. Es erscheint befremdlich, dass laut der Eurostat- Flüchtlingstabelle von 2014 der Anteil von Asylsuchenden dermaßen hoch ist. Der Staat Serbien wurde nach dem Jugoslawien- Zerfall 2006 der anerkannte Rechtsnachfolger. Ohne Zweifel war der Jugoslawienkonflikt ein Bürgerkrieg vorwiegend aus ethnischen Gründen. Minderheiten werden laut Amnesty International weiterhin diskriminiert. Im Kosovo hingegen herrscht politisches Chaos, denn nicht alle Staaten erkennen den Kosovo als souveränen Staat an. Zumal auf Grundlage der UN- Sicherheitsresolution 1244 noch KFOR- Truppen im Land stationiert sind, die Sicherheit und Stabilität gewährleisten sollen, kann man von schwierigen Lebensbedingungen ausgehen. Albanien ist einerseits EU- Mitgliedsanwärter, UN- & NATO- Mitglied, aber andererseits irgendwie immer noch ein Entwicklungsland inmitten von Europa. Grob betrachtet hat sich der Balkan von den Bürgerkriegen in vielen Regionen immer noch nicht erholt. Zuweilen lassen Menschen aus diesen Gegenden auch eine Mentalität erkennen, die dem deutschen und auch dem Selbstverständnis anderer EU- Staaten Probleme bereiten. Das hat viel mit Vorurteilen zu tun, wird jedoch immer wieder durch Streifzüge krimineller Banden aus Südost- Europa durch „reiche“ Nachbarstaaten befeuert. Eine klare und deutliche Ansage von Seiten der EU gegenüber den jeweiligen Regierungen blieb bislang aus. Hilfe zur Selbsthilfe wäre sicher nicht die schlechteste Variante, was die EU leisten könnte, um nachhaltig auch das eigene Flüchtlingsproblem zu lösen.

Man wird das Flüchtlingsproblem nicht lösen, indem man jene Völkerwanderung durch ein unwillkürlich geschaffenes Anreizsystem sogar noch vorantreibt. Man muss politisch Verfolgten helfen, aber dennoch primär die Ursachen für Verfolgung, Elend, Hoffnungslosigkeit und Lebensgefahr dort bekämpfen, wo sie entstanden sind. Die EU hätte beim gemeinsamen Flüchtlingsproblem sogar die einzigartige Chance, endlich Einigkeit und den Willen zur Problemlösung zu zeigen. Hat man nicht auch gerade deswegen den Staatenverbund geschaffen?

Warum können die Rechtspopulisten das Problem nicht lösen?

Zwar verschaffte die Flüchtlingsproblematik und die Ohnmacht der Regierung, diese zu lösen, den lautstark pöbelnden Rechtsradikalen massive Unterstützung von besorgten Bürgern, jedoch begnügt man sich mit feigen Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte und Hetzkampagnen. Der Vorschlag, dass alle rechtspopulistischen Hetzer, ideologische und reale Brandstifter und Fremdenfeinde schlechthin in jene Krisengebiete reisen und dort gegen die Terroristen in den Kampf ziehen sollten, klingt irgendwie charmant, wenn auch ein wenig zynisch. Immerhin würde sich ihre Aggression dann wenigstens gegen die richtigen „Feinde“ richten. Tatsächlich verfolgen sie nur die Absicht, den Staat zu destabilisieren. Unermüdlich verbreiten Rechtspopulisten Nachrichten über straffällig gewordene Ausländer, als gäbe es keine einheimischen Kriminellen mehr. Nicht selten befleißigt man sich erfundenen Geschichten oder verdreht Tatsachen. So löst man keine Probleme, sondern schafft zusätzlich neue. Wirft man beispielsweise einen Blick in das Parteiprogramm der NPD, würde nach Umsetzung derer Konzepte aus Deutschland genau ein solches Land entstehen, woher jetzt die Flüchtlinge fliehen. Komplette Isolation innerhalb eines Machtvakuums wäre die Folge. Unser derzeitiger Rechts- und Sozialstaat ist keineswegs perfekt, jedoch ist es sicher nicht erstrebenswert, dieses unvollkommene Konzept gegen ein anderes auszutauschen, welches keine zufälligen Ähnlichkeiten mit Nord- Korea besitzt.

 

Gutmenschen versus Besserdeutsche

28. August 2015

Die Kleinstadt Heidenau in Sachsen bekleckerte sich dank einer rechtsextremen Horde nicht sonderlich mit Ruhm.

Es gibt noch weitere Orte in dieser Republik, wo Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zum ekelhaften Spiegelbild zumindest von einem Teil der dortigen Bewohner avancieren. Offen werden insbesondere Leute, die Flüchtlinge in irgendeiner Weise unterstützen und deren Schicksal in lebensfreundlichere Umstände wandeln möchten, abfällig als Gutmenschen betitelt.

Gutmenschen sind nach Auffassung jener Besserdeutschen sogenannte Schlafschafe, die ihre Augen vor der Wahrheit verschließen und in dümmlicher Lethargie die bevorstehende Apokalypse ignorieren. Ein Teil diese Apokalypse sind die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme, die nach Meinung einiger erleuchteter Lichtgestalten, die sich als Bewahrer des christlichen Abendlandes begreifen. Die Islamisierung und der kulturelle Kollaps stehen bevor und die Machtelite steuert bewusst dieses schöne Vaterland ins Verderben. Besorgte Bürger unterstützen zumindest passiv durch ihre Zustimmung den nicht zu übersehenden Rechtsruck in unserer Gesellschaft.

Einige Fragen an jene besorgten Bürger und Besserdeutschen sind folgende:

Was können Flüchtlinge für eine gescheiterte europäische Flüchtlingspolitik?

Was würden Sie, wenn in Deutschland Krieg oder Ausnahmezustand herrschen würde, dass Ihr Leben und das Leben Ihrer Familie in höchster Gefahr wäre, unternehmen?

Was würden Sie mitnehmen, wenn Sie Hals über Kopf das Land und Ihre Familie verlassen müssten?

Welches Ziel würden Sie wählen?

(Gerne darf, wer möchte, diese Fragen per Kommentar beantworten.)

Argumente von besorgten Bürgern und Besserdeutschen klingen oft plausibel. Sind sie auch richtig? Inzwischen gibt es ausreichend Quellen, wo deren Argumente entkräftet wurden, wenngleich es der Intellekt mancher Besserdeutschen ohnehin verbietet, die Fakten anzuerkennen und zu begreifen.

https://video-ams3-1.xx.fbcdn.net/hvideo-xpf1/v/t43.1792-2/11774909_887804431267170_1690711121_n.mp4?efg=eyJybHIiOjE1MDAsInJsYSI6MjI0OH0%3D&rl=1500&vabr=851&oh=278487a49477472b435093b81e66efa9&oe=55DF2DD3

Quelle: Die Welt

Im Video erläutert die Dame im Trainingsanzug ihre Sichtweise mit:

…weil so Leute haben hier in Deutschland nichts zu suchen!

Ohne dieser Frau zu nahe treten zu wollen, ist der Satzbau so schlecht, dass man durchaus auch ihr Recht, hier in Deutschland zu leben, aus ihrer eigenen Perspektive betrachtet, in Frage stellen darf.

Weil die nehmen uns die Arbeit weg!

Sicherlich ist dieses Argument aus dem Zusammenhang gerissen, stimmt aber trotzdem nicht. Asylbewerber dürfen nur in absoluten Ausnahmefällen ein Arbeitsverhältnis eingehen. Selbst wenn diese Hürde nicht bestünde, wäre es doch für solche Leute wie diese Frau eine beschämende Selbsterkenntnis, wenn Leute, ohne deutsche Sprachkenntnisse in einem fremden Land mit fremder Kultur diversen Besserdeutschen den Arbeitsplatz streitig machen könnten. Interessant wäre es noch zu erfahren, um welchen Arbeitsplatz sich die Dame im blauen Trainingsanzug wegen Flüchtlingen Sorgen macht?

Die Gegenargumentationskette könnte man endlos fortsetzen. Dennoch wird es unumstritten schwieriger, wenn Begriffe wie Wirtschaftsflüchtlinge oder Scheinasylanten in die Argumentation einfließen.

Hierbei sind gezielt Flüchtlinge gemeint, die aus Regionen kommen, die als sichere Herkunftsländer eingestuft wurden. Das trifft für die Balkanländer zu, wenngleich ethnische Minderheiten dort unter Verfolgung und Unterdrückung leiden müssen. Asyl erhalten diese Menschen eher selten in Deutschland, dennoch scheint es für sie die letzte Hoffnung auf ein besseres Leben zu sein. Tatsächlich scheint der kurzfristige Aufenthalt in Deutschland erträglicher zu sein, als in der Heimat. Man mag es nicht gerechtfertigt finden, dass Asylbewerber eine staatliche Mindestunterstützung bis zur Entscheidung über den Asylantrag erhalten, was gerne als Sozialschmarotzertum oder mit schlimmeren Ausdrücken beschimpft wird, rechtfertigt aber ganz sicher nicht jene fremdenfeindliche Ressentiments, die daraus entwachsen. Die Menschen können nichts für ihre Herkunft und folgen dem Selbsterhaltungstrieb, wie es auch jeder andere tun würde.

Kriminelle Asylbewerber, die es zweifelsohne auch gibt, verleiten besorgte Bürger dazu, pauschal alle Flüchtlinge zu verurteilen. Besserdeutsche skandieren gerne, dass kriminelle Ausländer vor der deutschen Justiz eine Bevorzugung erfahren würden. Besorgte Bürger glauben solche Märchen auch gerne, denn es bestätigt sie in ihrem Eifer gegen Flüchtlinge. Strafbare Handlungen von Rassisten oder Rechtsextremen werden gerne relativiert oder gar mit diversen Einzelfällen mit Ausländerbeteiligung gerechtfertigt.

In einer Berliner S- Bahn pöbelten 2 stark alkoholisierte Männer eine ausländisch erscheinende Frau mit ihren beiden Kindern an. Neben fremdenfeindlichen Sprüchen urinierte einer der Männer auf die Kinder.

Quellen:

Berliner Morgenpost

Greenpeace-Magazin

Man muss eigentlich kein Gutmensch sein, um von solchen Taten angewidert zu sein. Glücklicherweise ist auch diese Tat ein Einzelfall.

Trittbrettfahrer heizen die Stimmung zusätzlich auf. Nach dem grausamen Fund von ca. 50 Leichen in einem LKW auf der Autobahn bei Wien, womit augenscheinlich eine Schlepperbande Flüchtlinge transportierte, erschüttert folgender Facebook- Beitrag die Gemüter:

sam_black

Quelle: Facebook

Rücksichtnahme auf Identitäten endet dort, wo der Ekelfaktor die Grenze der Menschlichkeit überschreitet. Es ist ein Fake- Profil, was dennoch keine sichere Anonymität verspricht. Insbesondere wenn die Person selbst Hinweise auf die eigene Identität liefert, sollte den Ermittlungsbehörden, falls sie denn diese Art der Interpretation eines solch erschütternden Vorfalls als strafrelevant erachten, die Ergreifung problemlos gelingen. (Namen und Pseudonyme wurden von den Personen selbst veröffentlicht und sind öffentlich zugänglich.)

freezy_crakk2

Quelle: YouTube

Ist es Eitelkeit oder nur Dummheit, die eigentliche Identität in Klammern dahinter anzugeben? Denn Freezy Crakk findet man mehrfach im Netz der Netze. Offensichtlich belebt er, wenn er nicht ausgerechnet verbalen Müll ausspuckt, die Hip- Hop- Szene in Bremen.

 

sam_black2

Quelle: Facebook

freezy_craak

Quelle: banggood.com

Er unterhält einen YouTube- Kanal und besitzt auch einen Google+ Account. Das gleiche Profilbild erscheint sowohl beim Pseudonym Sam Black als auch bei Freeky Crakk, womit mit hoher Wahrscheinlichkeit erwiesen ist, dass es sich um die gleiche Person handelt. Eine weitere Spur hinterlässt der Hip- Hopper beim Online- Einkauf.

Es gibt sogar Leute, die solche widerlichen Texte mit einem „Gefällt mir“ würdigen, was annähernd ebenso widerwärtig ist. Toleranz endet, wenn die Gegenseite diese selbst abgelegt hat. Die Besserdeutschen werden auch für dieses Flüchtlingsdrama in Österreich zynische Bemerkungen liefern.

Wie lange will die EU bzw. die Bundesregierung weitgehend untätig bleiben? Mediale Empörung beinahe aller etablierten Parteifunktionäre genügen längst nicht mehr. Die Ursachenbekämpfung muss unverzüglich beginnen. Der Grund für millionenfache Flucht, was schon als Völkerwanderung bezeichnet werden kann, findet sich in den Herkunftsländern. Anstatt bilaterale Handelsbeziehungen zu Despoten und Diktatoren zu pflegen, muss man den Willen und die Kraft besitzen, die jeweiligen Staatsoberhäupter in ihre humanitäre Verantwortung zu zwingen.

Würde man mit gleicher Intensität dem Flüchtlingsproblem begegnen, welche man in die Überwachung der eigenen Bevölkerung durch Vorratsdatenspeicherung und viele andere verfassungswidrige Gesetze investiert, wäre man einen wesentlichen Schritt weiter…

Anmerkung: Pauschal Leute als Pack zu bezeichnen, setzt den Redner aufs gleiche Niveau, welches dieser damit kritisieren wollte. Diese Strategie ist quasi ein Eigentor jener Politik, die selbst versagt hat. Der Begriff Dunkeldeutschland richtet sich ebenfalls pauschal und geographisch auf eine Region in Deutschland und besitzt durchaus beleidigenden Charakter gegenüber Menschen, die sich keineswegs an Rassismus und Ausländerhetze beteiligen. Wenn die deutsche Politikelite keine besseren Argumente vorweisen kann, ist das als Kapitualtion der eigenen Aufgabe zu werten. Wenn es darum geht, Banken zu retten, scheinen die Ressouren unausschöpflich zu sein. Die besorgten Bürger sollten vor Banken und Regierungsgebäuden demonstrieren und ihre Aggression nicht an den Schwachen und Wehrlosen auslassen. Gutmenschen müssen aber auch einsehen, dass ihre Hilfe eine Hilfe zur Selbsthilfe sein muss.

Trauriges Update, wozu ich keine weiteren Worte verlieren möchte:

 

Til ist kein Schweiger…

19. August 2015

Auch wenn sein Nachname es behaupten möchte, ist Til Schweiger eben kein Promi, der die Schnauze hält, wenn brisante Themen die Nation in Gutmenschen und Besserdeutsche spalten. Mit durchaus vulgärer Intonation taucht er in die Flüchtlingsdebatte ein und muss so manchen verbalen Schlag unter die Gürtellinie ertragen.

Man muss den erfolgreichen Schauspieler nicht unbedingt mögen oder seine darstellerischen Fähigkeiten bewundern, dennoch zeigt er entgegen vielen anderen Prominenten und jenen, die sich dafür halten, eine klarepolitische Position. Er kann es sich leisten, andere vermutlich weniger.

Sie gehen mir auf den Sack, echt!

Ein Zitat in einer TV- Runde, welches gegen einen herablassenden Kommentar des CSU- Generalsekretärs Andreas Scheuer aus ihm heraus brach, entlarvt eigentlich sehr genau jene Lethargie und Angst der politischen Mandatsträger in Deutschland, womit sie dem Flüchtlingsproblem begegnen. Niemand der Verantwortlichen in der Bundesregierung besitzt den Mut, verständlich und schonungslos den Bürgern dieses Landes die Tatsachen zu präsentieren. Das schafft Raum für Spekulationen, welcher dankend von Fremdenfeinden und Rechtspopulisten mit haarsträbenden Unwahrheiten gefüllt wird.

Dass ein Mobiltelefon im Jahr 2015 kein Luxusartikel mehr ist und auch in Ländern wie Syrien oder Eritrea das Rad längst erfunden wurde, sollte sich inzwischen im letzten Provinznest unserer Republik herum gesprochen haben. Es ist für einen Flüchtling im Prinzip das letzte Bindeglied zu Familie und Freunden. Afrikaner tragen auch keine Baströckchen, sondern jene Kleidung, die auch Europäer kleiden und nicht selten als Billigprodukte aus jenen Ländern stammen, die lange Zeit als 3. Welt für den Wohlstand der Industriestaaten herhalten mussten.

Von der Vorstellung, dass Flüchtlinge demütig die Allmosen der zivilisierten Welt in tiefer Dankbarkeit entgegen nehmen, um anschließend motiviert in jene Kriegsgebiete und Elendsgegenden zurück geschickt zu werden, sollten sich selbst die hatnäckigsten Bildzeitungsleser und Facebook- Kotzbrocken verabschieden. So völlig unschuldig an den dramatischen Zuständen in den Herkunftsländern jener Flüchtlinge sind die Industrienationen wirklich nicht.

Dass nicht jeder Flüchtling tatsächlich ein solcher ist oder auch kriminelle Energie besitzt, wird immer dann deutlich, wenn jene Besserdeutschen wie im beschaulichen Städtchen Freital* und auch anderswo aufgrund geschürter Ängste und hochgespielten Einzelfällen den Hass auf ihr eigenes verkommenes Dasein davon galoppieren lassen. Es entsteht der beängstigende Eindruck, dass die Orks aus „Herr der Ringe“ inzwischen durch die Gassen deutscher Städte und Dörfer schwadronieren.

Schauspieler werden gerne als die Helden gefeiert, welche sie in diversen Filmrollen darstellen. Da sind die Rollen klar in gut und böse getrennt. In der Realität will es Til Schweiger offensichtlich nicht gleichermaßen gelingen. Obwohl er zielgenau die Ursachen für die Flüchtlingsproblematik betitelt, sucht man nach Fehltritten in seiner Biographie, als wäre darin ein Knopf verborgen, der ihn ausschalten könnte.

Die Amerikaner, unser Hauptverbündeter, ist für den ganzen Scheiss verantwortlich, weil sie unter einer Lüge in den Irak reingegangen sind, um konsequent ihre wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen.

Keineswegs wird dieses Zitat zu einem rhetorischen Meisterwerk erwachsen und Herr Schweiger war ohnehin noch nie sonderlich wortgewandt. Doch so abwegig ist seine Ursachenforschung keineswegs. Seit Jahrzehnten tobt im Nahen und Mittleren Osten der wirtschaftliche Kampf ums Erdöl, wozu auch der inzwischen nicht mehr zu leugnende Interventionskrieg der USA gegen den Irak seinen Beitrag leistete. Man öffnete die Büchse der Pandora…

Flüchtlinge sind das Resultat von Krieg und Elend. Diese Menschen kommen nicht freiwillig  unter lebensbedrohlichen Umständen nach Europa. Welche andere Alternative bleibt ihnen denn? Diese Frage geht direkt an jene, die so vehement gegen Flüchtlinge hetzen…

 

*  Auch in Freital gibt es sicher Menschen, welche nicht fremdenfeindlich sind. Pauschalisierungen helfen niemandem.

 

 


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