Licht an in Dunkeldeutschland!

Das Kunstwort „Dunkeldeutschland“ ist eine bösartige Bezeichnung für Sachsen speziell und generell für Ostdeutschland im Zusammenhang mit einer auffallend aggressiven Haltung gegenüber Flüchtlingen. Diese Pauschalisierung ist völlig unangebracht und provozierend zugleich. Dennoch gelingt es weder Politikern noch den Bürgern selbst, das Image zu verbessern, weil fremdenfeindliche Hetze dort immer wieder auf fruchtbaren Boden zu fallen scheint. Hierbei schrecken die rassistisch und rechtspopulistisch zu verortenden Urheber jener Hetze auch nicht vor Lügenpropaganda zurück…

Der Artikel auf der Internetpräsenz „Deutsche Warnung“ ist datiert auf den 27. September 2015. 3 Tage zuvor soll in einem Supermarkt im Ort Doberlug- Kirchhain in der Nähe von Cottbus angeblich ein Flüchtling nicht bezahlt haben. Die herbeigeholte Polizei soll sogar den Diebstahl geduldet haben. Der gesamte Artikel basiert auf einer anonymen Leserzuschrift. Der einzige Lebensmitteldiscounter im Ort ist eine Aldi- Filiale.

Es wird dreist suggeriert, dass Flüchtlinge sich in deutschen Supermärkten kostenlos bedienen könnten. Das wurde schon mehrfach von anderen Ladenbesitzern dementiert. Auch diverse Polizei- Dienststellen haben schon solche Unterstellungen, also dass sie Flüchtlinge ohne Konsequenzen stehlen lassen würden, energisch zurück gewiesen. Genau genommen dürfen die Beamten, wenn sie wegen Diebstahl gerufen werden, nicht so reagieren, wie im Artikel geschildert wird. Das sollte selbst der hellsten Birne im Kronleuchter im wahrsten Sinne des Wortes „einleuchten“. Dennoch finden sich genügend ultra- naive Leute, die diesen Schwachsinn glauben und sich daran zuweilen ereifern.

Die sogenannte Lügenpresse berichtet ja nach Ansicht der besorgten Bürger gar nicht über solch monumental wichtigen Ereignisse oder unterschlägt bewusst wichtige Details, nur um die allseits auftretenden Probleme mit Flüchtlingen zu vertuschen.

Quelle: Die Welt

Quelle: Die Welt

Das ist doch ein völlig anderer Vorfall, darf der berechtigte Einwand der geneigten Leserschaft lauten. Das ist korrekt, denn dieser Vorfall ereignete sich knapp 160 Kilometer weit weg in einer Penny- Markt Filiale in Braunsbedra. Auch der Zeitrahmen passt überhaupt nicht, wie ein Artikel eines weiteren rechtspopulistischen Internetportals bestätigt.

Kurios bleibt die Feststellung, dass jeweils das gleiche Bild  Situationen zeigen, die tatsächlich etwa ein Jahr auseinander liegen, sich in verschiedenen Orten zugetragen haben und selbst die Discounter verschieden sind. Natürlich weiß diese seriöse Internetpräsenz, mit Namen „Halbpfosten„, welche auch kein Impressum nötig hat, besser über den tatsächlichen Hergang Bescheid als die Redaktion des Lügenpressen- Ablegers „Die Welt„. Immerhin hat sich dieser Vorfall tatsächlich zugetragen, was jedoch die Geschichte in Doberlug- Kirchhain eher ins Reich der Phantasie befördert. Was immer dort im Penny- Markt geschehen sein mag, so war es auf keinen Fall, wie es von der ebenfalls unantastbar seriösen Internetpräsenz „Deutsche Warnung“ berichtet wird.

Wer’s genau wissen will, kann sich ja bei der zuständigen Polizeidienststelle oder dem Marktleiter in der Penny- Filiale in Doberlug- Kirchhain erkundigen. Aber Kleingeister, die sich ohnehin der Fremdenfeindlichkeit zugewandt haben, vertrauen natürlich ungeprüft den Aussagen von unbekannten Schreiberlingen, die sich in der Anonymität ausländischer Server wohl fühlen.

namecheap

Diese Abbildung zeigt die Information einer sogenannten „WHOIS“- Abfrage, welche den Betreiber einer Internetpräsenz identifizieren soll. Der Anbieter Namecheap Inc. wirbt sogar dafür, dass er Identitätsverschleierung anbietet. Wer hat wohl diese Form der Anonymität  als Verfasser von deutschsprachigen Nachrichten nötig? Es würde nicht schaden, wenn so mancher Leser solcher Artikel in seinem Oberstübchen das Licht anknipsen würde…

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