Geschichtsstunde beim Nazi nebenan

Als kürzlich die HuffingtonPost einen Artikel über eine umtriebige Aktivistin der rechtsextremen Szene veröffentlichte, hätten manche Kommentare darauf nicht skurriler sein können.

Besonders herausgestochen ist ein verschmähter Historiker, der offensichtlich den geeigneten Raum gefunden hat, um dem infantilen Bürgertum eine Lektion in deutscher Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts zu erteilen. Nennen wir diesen Geleerten* fiktiv einfach Johannes S. .

Zunächst versucht er mit einem grandiosen Erklärungsversuch die absurde Taschengeldforderung jener Asylkritikerin zu rechtfertigen:

Quelle: Facebook

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Die deutsche Übersetzung ohne Gewähr lautet:
Wer sich mit der Politik der deutschen Regierung und der Nato nicht anfreunden will und konstruktive Kritik anbringt, wird als Nazi verunglimpft. Wer sich solcher Diffamierungen befleißigt, muss eine Fäkalie sein…

Die historisch ausgesprochen freizügige Interpretation des Johannes S. (Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind ganz und gar nicht zufällig) des 2. Weltkriegs, der eigentlich mit der Ursprungsthematik so viel gemein hat, wie eine Essiggurke mit einem Feuerzeug, folgt mit dieser fulminanten Überleitung:

Quelle: Facebook

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Demnach war der 2. Weltkrieg zum größten Teil fiktiv und ein Märchenbuch, verfasst von Schriftstellern im Auftrag der Alliierten. Öffentlich- rechtliche Sendeanstalten verbünden sich mit dem Springer- Verlag und der Nato, um die Kriegspropaganda des Herrn Goebbels im 3. Reich wie einen feuchten Waschlappen aussehen zu lassen.

Quelle: Facebook

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Auf die Frage hin, auf welche Fakten sich die Thesen von Hobby- Historiker Johannes S. stützen, liefert er eine   gewöhnungsbedürftige Erklärung:

 

Quelle: Facebook

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Johannes S. sieht sich selbst offenkundig als verlässliche Quellenangabe. In amerikanischen (Konzentrations)lagern seien offensichtlich eine Million Soldaten gestorben und niemand, insbesondere die „Lügenpresse“ wollen nicht darüber berichten. Auch hätten die USA absichtlich mit dem Eintritt in den 2. Weltkrieg gewartet, bis sich deutsche und russische Soldaten hinreichend nieder gemetzelt hatten. Adolf Hitler war nach Ansicht von Johannes S. aus humanistischen Gründen gezwungen, Polen anzugreifen. Die Polen hätten schließlich den Führer daran gehindert, „seinen Leuten“ Lebensmittel liefern zu können. Auch über diese historischen Tatsachen berichtete augenscheinlich die Lügenpresse nicht. Die Verwendung von Uran- Munition im Irak durch die amerikanischen Streitkräfte scheint eine geheime Verschlusssache zu sein, welche selbst dann nicht in der Presse veröffentlicht werden darf, wenn sie nicht mehr geheim wäre. Johannes S. hingegen scheint einer gewissen Elite anzugehören, denen dennoch diese geheimen Informationen zu Teil wurden. Und obwohl er sich hier und jetzt als verkannter Whistelblower um Kopf und Kragen schreibt, will niemand die Geschichtsbücher seiner Realität entsprechend umschreiben.

Auch ich bin Fan von Dana Scully und Fox Mulder und habe so manche X- Akte im Fernsehsessel genossen. Wo Realsatire beginnt und Fiktion aufhört, scheint sie bei grenzdebilen Rechtspopulisten fließend ineinander über zu gehen. Bei dieser ausgesprochen bedrohlichen Beschädigung des Hypothalamus, sollte Herr Johannes S. dringend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

(*) Dem ironischen Kontekt entsprechend wurde diese Wortspielerei dem orthographisch richtigen Begriff „Gelehrter“ vorgezogen.

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