Gefällt mir nicht!

Das soziale Netzwerk Facebook, auch herabwürdigend als Hackfressenlektüre beschimpft, hat sich nach eigenen Angaben der Daten von über einer Milliarde Benutzer bemächtigt. Diese dienen als Gegenwert für die kostenlose Nutzung des Dienstes. Datenschützer kritisieren zu recht, dass persönliche Daten quasi zur Währung verkommen sind und die Nutzer in vielen Fällen völlig unbekümmert zum Teil intime Einzelheiten von sich Preis geben. Bis zu einem gewissen Punkt kann der Nutzer Einstellungen vornehmen, um der Öffentlichkeit nicht komplett virtuell nackt gegenüber zu stehen. Das gilt übrigens nicht gegenüber Facebook…

Erstaunlich ist allerdings unter diesem Aspekt der Erfolg des Zuckerberg- Imperiums dennoch. Wer nur halbwegs gewissenhaft und fachkundig in der IT- Branche beschäftigt ist, sollte die Problematik eigentlich kennen. Datenmissbrauch beschränkt sich nicht mehr auf Einzelfälle. Identitätsdiebstahl kann böse Folgen haben. Das Überfluten vom Werbung und sonstigem SPAM stellt noch das geringste Übel dar.

Persönlich konnte ich lange Zeit, wenn man den 25. März 2012 als meinen Einstieg bei Facebook so bezeichnen darf, mit diesen unangenehmen Nebenwirkungen leben und auch weitgehend beherrschen. Eigentlich bewogen mich völlig andere Umstände dazu, diesem sozialen Netzwerk schließlich den Rücken zu kehren. Sicherlich lernte auch ich einige neue Freunde kennen, wenn auch der überwiegende Teil dieser virtuellen Bekanntschaften mir eigentlich fremd blieb. Mein ursprünglicher Freundeskreis existiert ohnehin außerhalb der virtuellen Welt und wegen der digitalen Kommunikation mit diesen Leuten braucht man definitiv nicht Facebook oder eine andere Datensammelmaschine. Auch die neuen Bekanntschaften, die erst durch Facebook entstanden sind, können mit mir auch ohne diese Online- Plattform in Kontakt bleiben. Das funktioniert tatsächlich, sogar ohne dass Zuckerberg und Co. mitlesen. Ich werde allerdings zukünftig keine neuen Bekanntschaften per Facebook knüpfen können. Das kann ich verschmerzen, denn bevor Facebook existierte, funktionierte die Kommunikation ja auch schon, eben anders. Schließlich betreibe ich derzeit 2 Weblogs, diesen und auch http://soznet.org. Auch besitze ich eine Homepage (http://www.oberthal-online.de). Die virtuellen Kontaktmöglichkeiten sind somit vorhanden.

Wer es bis hierin noch nicht begriffen haben sollte, ich habe mich entschieden, das (a)soziale Netz namens Facebook zu verlassen. Ich habe erkannt, dass mir im Prinzip zu viel Unsinn entgegen schwirrt, wenn ich meine Timeline (so nennt man den Nachrichtenstrom, der unentwegt im Browser- Fenster nach unten scrollt) verfolge. Die niedlichen Katzenbilder fand ich anfangs noch amüsant, begannen aber mit der 12. Wiederholung in nur 3 Wochen zu nerven. Spieleanfragen und diverse Tests, welches Tier man denn wäre, wenn man ein Tier wäre bzw. wer angeblich mein Seelenverwandter sein sollte, betrachte ich persönlich als reine Zeitverschwendung. Ja, man kann in gewisser Weise auch verhindern, dass man mit solchem Müll überflutet wird. Doch der Anstand verbietet mir, jene Leute, die mir diese Dinge zwangsläufig darbieten, vor den Kopf zu stoßen. Ohnehin sind die Verschwörungstheoretiker, die Rechtspopulisten und Fanatiker aller Art wesentlich unangenehmer und nach meiner gefühlten Einschätzung in der Überzahl. Naiv war es, zu glauben, mit Fakten und stichhaltigen Argumenten jenen geistig Hohlraumversiegelten die Welt erklären zu wollen. Man darf mir gerne und womöglich zu recht eine gewisse Arroganz unterstellen, wenn ich behaupte, dass das Niveau aller Beiträge in der Facebook- Welt nur selten aus dem Sandkasten der Evolution entsteigt.

Verpasse ich etwas, wenn ich nicht mehr alle diese Informationen erblicken werde, wenn ich kein Facebook- Nutzer mehr sein werde?

Schließlich gab es vereinzelt auch interessante Beiträge, welche auf anderen Kanälen meist fehlen. Das ist ein Trugschluss. Denn genau genommen bestehen Facebook- Beiträge überwiegend aus sogenannten „geteilten“ Inhalten, die irgendwo außerhalb von Facebook erstellt und veröffentlicht wurden. In gewisser Weise erinnert mich Facebook an die Bildzeitung, welche ich auch aus Prinzip schon seit einer Ewigkeit nicht mehr konsumiere. In großen bunten Buchstaben und unter Verwendung von meist sensationslüsternen Bildern wird man dauerberieselt. Besonders penetrant empfinde ich die Aufforderungen, gewisse Botschaften unbedingt „teilen“ zu müssen, indem man unmissverständlich zu einem schlechten Menschen degradiert wird, sollte man der Aufforderung nicht nachkommen. Friedlicher wird die Welt dadurch keinesfalls. Auch werden die Tierquäler deswegen nicht weniger und die Drogendealer lassen sich auch nicht einschüchtern. Das Gegenteil ist meinem Empfinden nach eher der Fall. Facebook hat sich als ideales Medium für Propaganda und Hetze jeglicher Art etablieren können. Falschmeldungen werden oft schneller verbreitet als deren Korrektur. Es ist bisweilen erschreckend, wie leicht sich viele Facebook- Nutzer dadurch beeindrucken, ja sogar manipulieren lassen. Meinungsfreiheit ist auf dieser Online- Plattform zum Synonym für Beleidigung und Volksverhetzung durch angeblich demokratische Legitimation verkommen. Die verbale Anarchie hat dieses (a)soziale Netzwerk für sich erobert.

Ich erhoffe mir durch die Abstinenz von Facebook mehr Lebensqualität. Insbesondere auf Beleidigungen innerhalb diverser Kommentare, wo man meine Ansichten nicht akzeptieren wollte, kann ich gut und gerne verzichten. Man muss nicht immer der gleichen Auffassung in der Diskussion um ein bestimmtes Thema sein, aber man sollte den Diskussionspartnern mit Anstand begegnen. Die räumliche Trennung und die angebliche Anonymität verleiten manche Nutzer dazu, verbal so manche Grenze zu überschreiten. In Abwägung der Vor- und Nachteile erkenne ich für mich eher einen Gewinn dadurch, kein Facebook- Nutzer mehr zu sein. Der Entzug kann beginnen…

 

 

Eine Antwort to “Gefällt mir nicht!”

  1. pe.demmer@demail.info Says:

    spannende ansicht die ich durchaus in manchen bereichen teile. aber … witziger weise fordert mich wordpress auf, diese artikel unbedingt … trommelwirbel … mit facebook zu teilen😀

    Gefällt mir

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