Der letzte Ouzo kostet was!

Grexit“ avanciert bestimmt zum Unwort des Jahres 2015. Es handelt sich um eine Wortschöpfung aus den Begriffen „Greece“ und „Exit“ und symbolisiert seit Monaten oder gar schon Jahren den möglichen Austritt Griechenlands aus der europäischen Union.
Bemerkenswert erscheint hierbei der Umstand, dass diese Option gar nicht existiert, über welche fortwährend diskutiert wird. Ein Austritt eines Landes aus der europäischen Staatengemeinschaft ist in den Verträgen überhaupt nicht vorgesehen und müsste folglich erst konstruiert werden. Es wird damit eigentlich eine Art Horrorszenario gezeichnet, welches eigentlich nur in der Phantasie lebt. Aber kurioserweise haben alle, vom griechischen Obstbauern über den deutschen Rentner bis hin zum EU- Kommissionspräsidenten, irgendwie Angst vor diesem Ereignis, wie ein kleines Kind, welches einen Luftballon unaufhörlich aufbläst.

Tragisch an diesem finanzpolitischen Irrsinn ist die verloren gegangene Philosophie, welche einst vorgeschobene Grundlage für ein vereintes Europa darstellen sollte. Tatsächlich beherrschen sicherheitspolitische wie wirtschaftliche Interessen den Staatenbund. Mehr als die Milliarden Euros zur angeblichen Griechenland- Rettung, die ohnehin vollkommen zweckentfremdet ihr Ziel verfehlten, fürchten die kapitalistisch geprägten Regierungen den Störfaktor einer eher links orientierten griechischen Regierung.
Als man 2001 Griechenland in die EU aufgenommen hatte, wussten alle Verantwortlichen ziemlich genau über das Haushaltsdefizit Griechenlands Bescheid. Griechenlands damalige Regierung(PASOK, Konstantinos Simitis) erschwindelte sich den Beitritt mit gefälschten Zahlen und die Prüfungsbehörde Eurostat versäumte es, diese Angaben zu überprüfen. Das mag jetzt extrem banal klingen, bleibt allerdings auf den Punkt gebracht bittere Realität.
Erhärtenden Spekulationen zufolge sollen auch die damaligen Regierungschefs von Deutschland (Gerhard Schröder) und Frankreich(Jacques Chirac) wegen wiederholter eigener Defizitverfahren den Beitritt Griechenlands in die europäische Währungsunion vorangetrieben haben, um die eigene Haushaltsdisziplin rechtfertigen zu können. Der Stabilitätspakt wurde maßgeblich aufgeweicht, was durch die anschließende Bankenkrise zum Desaster eskalierte.
Sicherlich spielen noch viele andere Umstände eine Rolle, welche speziell Griechenland so sehr zum Schuldenstaat Nummer 1 katapultiert haben. Die europäischen Staatenlenker erfanden in der Folge nahtlos aneinander reihender Krisenfälle solche bizarren Konstrukte wie Rettungsschirme und später analog zur griechischen Sprache eine Troika.
Die Rettungsschirme dienten dazu, mit dem Geld der europäischen Steuerzahler jene Banken und Investoren zu retten, die sich nicht allein in Griechenland mächtig verspekuliert hatten. Was tatsächlich in Griechenland bzw. dem griechischen Volk von inzwischen über 321 Milliarden Euro angekommen ist, was deutlich weniger als ein Drittel davon war, musste zum größten Teil direkt zur Tilgung von Zinsen verbraucht werden. Die Troika wiederum, eine Art Steuerprüfertruppe zusammengesetzt aus Vertretern von EU- Kommission, europäischer Zentralbank und internationalen Währungsfonds, soll Pleitestaaten wie Griechenland restriktive Vorschläge zur Bewältigung der Krise machen. Eine Ablehnung durch die Regierung des entsprechenden Staates war nie vorgesehen. Als Alexis Tsipras (Syriza) in Griechenland zum Regierungschef gewählt wurde, widersetzte er sich den Vorgaben der sogenannten Geldgeber. Ein weiteres Schlagwort wurde geboren: Austeritätspolitik.
Mit aufgezwungenen Sparmaßnahmen, welche bereits seit Jahren die Krise eher schlimmer werden ließen, wollte die neue griechische Regierung abschließen und idealerweise einen Schuldenschnitt herbeiführen. Womöglich wäre bereits ein Zinserlass ein vernünftiges Entgegenkommen der EU gewesen, worüber man trefflich spekulieren kann. Die Erkenntnis, dass die bislang verfolgte Austeritätspolitik versagt hat, darf man diesen Spekulationen durchaus entgegenbringen.
Als schließlich Alexis Tsipras ankündigte, sich einer längst verstorben geglaubten politischen Legitimität zu bedienen, einem demokratischen Volksentscheid, war die Entrüstung auf der europäischen Politikbühne riesengroß. Als Staatsoberhaupt sieht er sich schlicht nicht mehr in der Lage, die Auflagen der Geldgeber gegenüber seinem Volk vertreten zu können. Das mag und muss den EU- Gremien nicht gefallen, bleibt allerdings eine zu respektierende Entscheidung.
An dieser Stelle sollte man in Erinnerung rufen, was offensichtlich erfolgreich verdrängt wurde. Deutschland müsste eigentlich noch Kredite an Griechenland aus dem 2. Weltkrieg begleichen. Deutschland wurde nach dem 2. Weltkrieg ein Schuldenerlass gewährt, ohne diesen dieses Land nicht den heutigen Wohlstand erreicht hätte.
Eigentlich sollte „Grexit“ besser bedeuten, dass Griechenland aus der Krise geführt wird, anstatt aus der Eurozone. Die Philosophie hinter dem Gebilde Europa war bestimmt nicht der Ausverkauf eines Landes samt seiner Bevölkerung zugunsten gieriger Finanzspekulanten und jenen Superreichen, die ohnehin keine Steuern zahlen und unter Duldung der europäischen Union ihren Reichtum im Ausland gewinnbringend anlegen.

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: