Manipulationsmedien versus Lügenpresse

Nachdem der reizbare Begriff „Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres 2014 gekürt wurde und aufgrund seiner historischen Wurzeln quasi zum Tatwerkzeug für verbalen Selbtmord für die Benutzer umfunktioniert wurde, blieb offensichtlich jeglicher Lerneffekt auf der Strecke.

Nicht selten wurde das ZDF damit betitelt und beschimpft. Man darf als öffentlich- rechtliche Medienanstalt journalistische Kardinalsfehler nicht dauerhaft ignorieren. Man kann fahrlässige Fehler als gebührenfinanzierte Sendeanstalt mit Anspruch auf Seriosität und einem verpflichtendem Bürgerauftrag nicht leugnen und sich selbst als Opfer einer Verschwörung präsentieren. Aber sie haben es schon wieder gemacht:

 

Am 12. Februar berichtete man über russische Panzer, welche angeblich während der Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Minsk die Grenze zur Ukraine überquert hätten. Weitgehend ungeprüft übernimmt man die Aussagen der ukrainischen Regierung. Eine Recherche des Internetblogs Blauer Bote offenbart zumindest eklatante Mängel in dieser Berichterstattung. So existierte das gezeigte Bildmaterial bereits 2009, wo  der Georgien- Konflikt thematisiert wurde. Eine koreanische Quelle verwendete damals exakt das gleiche Foto…

 

 

Inwieweit das Bild nun tatsächlich zum Bericht auf diesem koreanischen Blog passt, würde erneut intensive Recherchearbeit erfordern. Im aktuellen Kontext ist dieser Umstand allerdings nebensächlich, denn bewiesen wurde ja dadurch, dass das ZDF augenscheinlich das verwendete Bildmaterial ungenügend überprüft.

Bilder suggerieren immer noch eine Untermauerung des jeweiligen Artikels und seiner Aussagekraft. Man kann damit die eigene Position im Unterbewusstsein des Zuschauers bzw. Lesers beeinflussen. Man liefert sozusagen wichtige Indizien zur Meinungsbildung mit. So funktioniert auch Propaganda und im Zusammenhang mit einem derart brisanten Sachverhalt wie die Ukraine- Krise, ist ein solches Handeln unverantwortlich.

Fehler passieren und Fehler sind menschlich, allerdings die Art, wie die Verantwortlichen beim ZDF damit umgehen, kann man schon als arrogant bis absichtlich manipulativ erachten. Denn nachdem der Faux Pas bemerkt wurde bzw. das ZDF freundlicherweise darauf hingewiesen wurde (z.B. in einer Email meinerseits vom 14. Februar 2015), tauschte man lediglich das Bild aus, als hätte es diesen peinlichen Fehler nie gegeben. Bekanntlich vergisst das Internet nie, das sollte auch inzwischen beim ZDF angekommen sein. Anmerkung: Ob das aktuelle Bild dem Thema zugeordnet werden darf, ist ebefalls fragwürdig, denn die eher sommerliche Kleidertracht der Soldaten auf dem Bild wirkt merkwürdig. Zur Zeit herrschen in der Gegend dauerhaft Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Quelle: ZDF

Quelle: ZDF

 

An keiner Stelle wird erwähnt, dass man das ursprüngliche Bild augetauscht hatte und schon gar nicht warum. Eine Antwort auf meine Email blieb bislang ebefalls aus, obwohl ich explizit um Stellungnahme gebeten hatte. Das ZDF besitzt durch dieses Verhalten maßgeblichen Anteil am schlechten Image der Mainstreammedien und beschädigt ein weiteres Mal das Ansehen der gesamten Presselandschaft.

 

Update 16. Februar 2015:

Über Nacht wurde ein Text hinzugefügt, der endlich den Fehler bestätigt. Gleichzeitig versucht man den nächsten Fehler zu korrigieren, indem man gleich zugibt, dass das neue Bild ebenfalls nicht zur Situation passt und ebenfalls aus einem anderen Zusammenhang stammt.

Quelle: ZDF & Reuters

Quelle: ZDF & Reuters

 

Was soll nun ein Bild aus dem August 2014, welches russische Panzer und Soldaten auf russischem Territorium zeigt, in einem Artikel vom Februar 2015, wo es um angebliche Truppenbewegungen aus Russland in die Ukraine geht? Nach wie vor wird ein Sachverhalt dadurch manipulativ verändert. Liebes ZDF, das ist eine ganz erbärmliche Vorstellung, welche ihr da inszeniert. Wie kann man das noch vor den Gebührenzahlern rechtfertigen, welche für ihre verpflichtende Haushaltsabgabe wenigstens ehrliche und wahrheitsgetreue Berichterstattung erwarten dürfen…?

 

Update 17. Februar 2015:

Email- Antwort des ZDF:

haben tatsächlich recht: Mit Blick auf den Krieg in der Ostukraine wurde auf der Internetseite von heute.de ein falsches Bild verwendet. Es zeigt georgische Panzer aus dem Jahr 2009 und nicht russische Panzer aus dem aktuellen Konflikt. Im Produktionsprozess ist leider ein Fehler passiert, die Bildbeschreibung wurde falsch übertragen und so wurden aus georgischen Panzern russische Panzer. Der Fehler wurde schließlich aber korrigiert und auf heute.de entsprechend kenntlich gemacht. Wir können Sie daher nur um Entschuldigung bitten. Die zuständige Redaktion hat die Arbeitsabläufe überprüft und verbessert, so dass solche Fehler nicht mehr vorkommen sollten.

Als Entschuldigung kann man diese Antwort nur bedingt annehmen. Denn was hätte die korrekte Bildbeschreibung für einen Sinn ergeben? Das Bild gehörte da schlichtweg gar nicht hin. Und auch das neue Bild hat nichts mit dem geschilderten Sachverhalt zu tun. Wenn kein Bildmaterial zu diesem Thema zur Verfügung steht, kann man nicht einfach ein beliebiges Bild verwenden. Das verzerrt den Informationsgehalt. Von einer seriösen Berichterstattung darf der Gebührenzahler erwarten, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen der Wahrheit entspricht. Indem ein Artikel mit einem Bild ergänzt wird, will man damit den Inhalt der Botschaft visuell untermauern. Man will eine optische Zusatzinformation darbieten. Ein Bild, welches von einem anderen Ort und einer anderen Zeit stammt, gehört verdammt nochmal nicht zu diesem Bericht.

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4 Antworten to “Manipulationsmedien versus Lügenpresse”

  1. Ukraine-kriegsbild des tages | Schwerdtfegr (beta) Says:

    […] Was soll nun ein Bild aus dem August 2014, welches russische Panzer und Soldaten auf russischem Terr… […]

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  2. Maria Les Misérables Says:

    Sie versuchen mit einem ziemlich inhaltslosen Text von der eigentlichen Meldung abzulenken und Stimmung zu schüren, auf das man demnächst direkt zur Propagandafraktion von RT greift und Menschen wie Ihnen die Arbeit erleichtert wird.

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  3. forenwanderer Says:

    Wenn jemand anonym ein Bild postet, worauf ein Soldat und bestenfalls 2 Panzer vage zu erkennen sind, ist das als Beweis ziemlich dünn. Ich bin jetzt kein Experte für Panzermodelle, aber weil das eben die wenigsten Menschen sind, sollte man darauf genauer eingehen. Ebenfalls ist es nicht ersichtlich, dass die Gegend auch die Ukraine darstellt. Abgesehen davon geht es in diesem Artikel nicht darum, zu behaupten, dass keine russischen Panzer in der Ukraine gewesen sind, sondern schlicht darum, dass das ZDF Bildmaterial verwendet, was nicht zum Artikel passt.

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  4. Warum ist die Lügenpresse eine Lügenpresse? | Des Schwachsinns fette Beute Says:

    […] Manipulationsmedien versus Lügenpresse […]

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