Das Kriegsbeil im Rücken der Friedensaktivisten

„Wir! – Aufruf zum friedlichen Widerstand“ ist der Name einer Facebook- Gruppe, die sich augenscheinlich zum Ziel gesetzt hatte, auf die drohende Kriegsgefahr wegen der Ukraine- Krise aufmerksam zu machen. Zumindest war das mein erster Eindruck als ich mich durch die Beiträge und Kommentare dort hindurch wühlte.
Charmant empfand ich die Bereitschaft vieler Menschen, endlich einmal für eine ausgesprochen gemeinschaftlich sinnvolle Sache auf die Straße gehen zu wollen. Aus eigener Erfahrung weiß ich jedoch, dass solche generell begrüßenswerte Vorhaben oft für andere Zwecke instrumentalisiert werden. Die Veranstalter, ob nun naiv oder bewusst, boten, nicht allein zu meinem Unmut, Populisten diverser Gesinnungen eine Plattform. Das ist bedauerlich, insbesondere für jene Leute, die eben des Friedens wegen an diesen Veranstaltungen teil nehmen möchten.
Die Selbstdarstellung der Facebook- Gruppe besitzt durchaus gewisses Abschreckungspotential und vermischt Ursache mit Wirkung auf fatale Weise.

AUFRUF ZUM FRIEDLICHEN WIDERSTAND! FÜR FRIEDEN! IN EUROPA! AUF DER WELT!
FÜR EINE EHRLICHE PRESSE! & GEGEN DIE TÖDLICHE POLITIK DER FEDERAL RESERVE (einer privaten bank)!

So beginnt der Informationstext der Gruppe und stellt zugleich Kausalitäten in Zusammenhang, die auf Spekulationen beruhen und im Prinzip für Mahnwachen des Friedens Willens eher ungeeignet erscheinen.

Im Einzelnen:
Sicherlich wäre es erstrebenswert, wenn Medien unabhängig und überparteiisch berichten würden. Das tun sie leider nicht. Manche strengen sich zwar redlich an, gelingen will es nur selten. Erschreckend ist allerdings, wenn gewisse Medien unverhohlen zur Propagandamaschinerie verkommen und sich nicht einmal mehr Mühe geben müssen, ihre gefährlich manipulative Macht auszuüben. Das macht wütend, ohne Frage. Aber anstatt diese bestimmten Pressevertreter demonstrativ zu ignorieren, werden deren Artikel heftig diskutiert und verbreitet. Das generiert jene Aufmerksamkeit, die solche Boulevard- Blätter benötigen, um ihre Auflage zu steigern und Werbekunden zu überzeugen. Übrigens sind „Klicks“ auf deren Internetpräsenzen quasi der Mammon der virtuellen Welt. Zeitungen benötigen Leser und TV- Sender Zuschauer. Ignoranz gegenüber diesen Medien würde sie empfindlich treffen…
Deutlich heftiger fällt das Urteil über das US- Zentralbanksystem, genannt FED (Federal Reserve System) aus, wonach pauschal die Verantwortung aller Kriege der letzten 100 Jahre auf die Hochfinanzjongleure dieser Institution zurück zu führen seien. Das ist fürwahr eine gewagte These, die es zu beweisen gilt. Es ist definitiv nicht meine Aufgabe, das Gegenteil zu beweisen, vielmehr wären jene Protagonisten in der Pflicht, diese bedeutungsvolle Anschuldigung nachzuweisen. Plausible Schlussfolgerungen führen unweigerlich zu der Überzeugung, dass man Geld benötigt, um Kriege führen zu können und schlussendlich damit noch mehr Geld verdienen zu können. Mit ausreichend Abneigung gegen ein offenkundig ungerechtes kapitalistisches System lässt man sich gerne überzeugen. Ist sich eigentlich jeder darüber im Klaren, ob diese Behauptungen mit der Forderung nach Frieden in Einklang zu bringen sind? Wird damit nicht eine Gegenpropaganda zur angeblichen Kriegspropaganda von USA und EU erzeugt? Selbst wenn es so wäre, dass alle westlichen Nationen innerhalb ihrer Bündnisse einen Krieg herbeiführen wollten, ist es dann der richtige Weg, mit der Angst der Menschen zu spielen und sie für eine Konfrontation untereinander zu instrumentalisieren? Ist es eines Friedensaktivisten würdig, wenn er vermeintliche Lügen der politisch gesteuerten Medien mit eigenen Manipulationen begegnet? Das nennt man Eskalation, wenngleich eine Deeskalation nötig wäre…
Herzlich gerne ginge ich für den Frieden auf die Straße, ohne mich hinterher als „Neu- Rechter“ beschimpfen lassen zu müssen. Allerdings wird dies der Fall sein, solange das Themen- Portfolio auch diverse Verschwörungstheorien beinhaltet. Was hat eine Debatte über die angezweifelte Legitimation von Personalausweisen auf einer Mahnwache für Frieden in Europa bzw. gegen einen Krieg mit Initialzündung in der Ukraine zu tun? Was haben die Deutschen von einer Staatssouveränität, die angeblich nicht existent sei, wenn es im Bombenhagel zwischen West und Ost zerrieben würde? Man kann und darf gerne diese und jene Kritik üben und Aufklärung verlangen, aber bitte nicht im Windschatten einer Friedensbewegung.
Die eigene Unzufriedenheit, das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, die Ohnmacht gegenüber dem Establishment und nicht zuletzt ein Funken Neid auf jene, die sich besser in dieser Gesellschaft positionieren konnten, treiben viele Leute in die offenen Arme von ideologisch fragwürdigen Vereinigungen. Das hat zuweilen etwas Sektenartiges.
Was dabei auf der Strecke bleibt, ist das eigentliche Ziel, gemeinsam für den Frieden eine Gemeinschaft zu bilden, die es wert ist, unterstützt zu werden. In der Öffentlichkeit den wahren Charakter einer Friedensbewegung zu hinterlassen, scheint wegen des augenblicklichen Dilemmas ein ambitioniertes Ziel geworden zu sein. Ist man nicht bereit, sich vom Ballast themenfremder Nebenschauplätze zu lösen, wird sich die Axt im eigenen Rücken nur tiefer bohren. Wer würde sich im Fußballstadion wundern, dass dort nicht der Formel 1 Zirkus gastiert? Frieden erreicht man nicht, indem man jene, die dieses heiße Eisen in Händen halten, als Verantwortliche für einen bevorstehenden Krieg längst verurteilt hat. Und Krieg verhindert man nicht, wenn man böse und gut geographisch sowie weltanschaulich sinnbildlich in ein Paar Stiefel zwängt, die keinem der Beteiligten passen. Das Kriegsbeil muss begraben werden, bevor es jemand werfen kann…

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