Schwarz(er) geld – Opfer der Dekadenz

Nicht erst seit Ulli Hoeneß versuchen die Steuerzahler jeder Portemonnaie- Klasse dem Finanzamt so wenig wie möglich vom selbst erwirtschafteten Erlös überlassen zu müssen. Bei der Kilometerpauschale wird daher immer aufgerundet und die Werbungskosten werden mit den exotischsten Ausgabeposten geschmückt. Beim Geld hört offensichtlich der Spaß auf und zum gemeinschaftlichen Feindbild erklärt man jene Finanzbehörden, welche gierig ihre Tentakel nach jedem hart verdienten Cent ausstrecken.

Dabei ist es doch das Prinzip unseres Solidaritätsstaates, dass jeder Bürger seinen Anteil am Gemeinwohl zu leisten hat. Jedoch wird dieses Gemeinwohl immer wieder auf eine harte Probe gestellt, wenn die Steuerzahler zusehen müssen, wofür ihr Geld verwendet wird. Da werden jene Banken gerettet, welche durch Missmanagement und zügellose Gier ganze Volkswirtschaften in den Ruin stürzten. Es werden augenscheinlich Staaten gerettet, deren Bevölkerung, glaubt man den überwiegenden Medienberichten, über ihre Verhältnisse leben. Es werden Millionen Euros für Kampfdrohnen ausgegeben, die niemals den Boden verlassen dürfen. Politiker errichten sich auf Staatskosten fragwürdige Denkmäler in Form von Flughäfen, Bahnhöfen oder Opernhäusern, deren Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

Zum Verdruss der gebeutelten Steuerzahler tragen jene Protagonisten die eigene Dekadenz zur Schau und erlauben sich die Dreistigkeit, der Bevölkerung notwendige Sparmaßnahmen diktieren zu wollen. Dass genau jene Bevölkerung durch ihr Desinteresse und ihr Wählervotum maßgeblich zu dieser Entwicklung beiträgt, erscheint als Spiegel der Gesellschaft, in welcher wir uns befinden.

So mutierte Steuerhinterziehung von einer Straftat zur Disziplin. Aufgrund unsres unnötig komplizierten Steuersystems und dessen vielfältigen Möglichkeiten, sogar legal Steuern zu sparen, wurde eine Straftat zu einer moralisch akzeptierten bürokratisierten Sportart. Allein der Umstand, dass Steueroasen existieren, beweist die Unzulänglichkeit unseres Steuersystems. Dass Falschparken gefühlt stärker sanktioniert wird als Steuerhinterziehung, beflügelt doch eher jene Sportsleute des Steuerrechts, als dass man dieses Risiko, welches ja offensichtlich keines ist, nicht eingehen sollte.

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer gehört wohl eher zu jenen Schafen gleicher Farbgestaltung, die dem lukrativen Angebot nicht widerstehen konnten. Beschämend hingegen ist ihr plumper Versuch, sich als Opfer einer Medienkampagne darzustellen. Wer das Scheinwerferlicht sucht, kann nicht verlangen, dass es immer dann ausgeschaltet wird, wenn die Situation nicht passend erscheint.

Und ausgerechnet ein Finanzminister, der selbst einmal Erklärungsnöte wegen eines Geldkoffers hatte, weil ein gewisser Herr Schreiber ihn scheinbar auf seinem Schreibtisch vergessen hatte, will der Menschheit Sitte und Anstand vermitteln? Jene CDU, welche sich mit allen Mitteln gegen ein Antikorruptionsgesetz sträubt und in den eigenen Reihen ausreichend Steuersünder beherbergt, findet logischerweise die umstrittene Selbstanzeige für Steuersünder als adäquates Mittel gegen eben solchen Frevel. Einer Ironie braucht man sich nicht zu befleißigen, welche den Irrsinn dieses Gerechtigkeitsempfinden erklären könnte.

Herr Dr. Schäuble behauptet ohne rot zu werden, dass Straftätern im Steuerrecht, die Möglichkeit der Selbstanzeige erhalten bleiben muss, weil dadurch der Staat Steuereinnahmen generieren würde, die ihm ansonsten verborgen und verloren gingen. Das stimmt insofern, dass unser Steuersystem nicht funktioniert. Könnte ein Bankräuber seine Beute zurück bringen, wenn er sich der Überführung durch die Polizei genötigt fühlt, würden Banküberfälle zur Alltäglichkeit werden. Die Hemmschwelle für Steuerbetrug wird künstlich herabgesetzt.

Ein marodes System wird am Leben gehalten. In einer beinahe vollständig digitalisierten Welt, wo praktisch jeder Mensch an seinen digitalen Fingerabdrücken und virtuellen Datenspuren identifiziert und kontrolliert werden kann, soll es nicht möglich sein, ein weniger gegen Betrug anfälliges Steuersystem zu etablieren? Der deutsche Michel glaubt immer noch an den Osterhasen und daran, dass der Storch die Babys bringt. So bleibt die Bevölkerung weiterhin im Würgegriff einer elitären Minderheit, welche sich über Moral und Anstand hinweg setzt…

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Eine Antwort to “Schwarz(er) geld – Opfer der Dekadenz”

  1. Heike InderAu Says:

    Aber weit über 90% der Steuerliteratur die weltweit verfasst wird ist in deutscher Sprache. Und manchmal frage ich mich: sind diese „Promiis“ die Opfer unserer Steuergesetze? Denn ein Steuerberater liest das Gesetz so … das Finanzamt sieht es anders. Klar, wenn ich Geld in Steueroasen anlege – dann will ich mein Geld vor der deutschen Steuer „retten“. Aber andersrum: ich würde so viel verdienen, das die Hälfte von meinem Verdienst in die Einkommensteuer fliesst? Wer würde dann keine „Schlupflöcher“ suchen? Und noch was: ich arbeite auch noch ehrenamtlich und ohne Aufwandsentschädigung.

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