Liebesbriefe aus M(oskau)ainz

Sehr geehrte Ministerpräsidentin, liebe Frau Dreyer,

Malu Dreyer

Malu Dreyer

ich hoffe, dass mir in diesem Schreiben an Sie nicht allzu viele Fehler unterlaufen, denn darin bin ich selbst ziemlich pedantisch. Immer wenn ich in meinen eigenen Schriftstücken Fehler finde, verärgert mich das ziemlich. Ich könnte mir vorstellen, dass es Ihnen ähnlich geht. Es verwundert mich jedoch, dass Ihr Schreiben an die Bundeskanzlerin an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Mir war bislang nicht bewusst, dass das Briefgeheimnis aufgehoben wurde?
Wie wir inzwischen alle von Herrn Snowden erfahren durften, gibt es jenes Briefgeheimnis für die digitale Post sowieso nicht mehr. Warum soll dieses Hemmnis also für den analogen Postverkehr noch Gültigkeit besitzen? Wie dem auch sei, die Peinlichkeit wurde öffentlich und wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.
Bedauerlich bei diesem Sachverhalt ist jedoch, dass der eigentlich sehr wichtige und nachdenklich stimmende Inhalt Ihres Briefes zur Fußnote verkümmert ist. Denn Herr Snowden wirft nicht nur seinen Schatten auf das Schriftstück selbst, sondern wird dort in erheblichem Maße thematisiert. Unlängst habe ich alle im Bundestag vertretenen Parteien samt deren Fraktionen wegen genau diesem Thema angeschrieben. Unverschlüsselt übrigens, weil es gar nicht anders möglich war. Ich wollte wissen, was denn nun die jeweiligen Parteien in Bezug auf den NSA- Abhörskandal unternehmen wollten, außer im Wahlkampf mit verbalem Getöse gegenseitig Schuldzuweisungen medienwirksam zu platzieren. Immerhin zeigte sich die Partei Die Linke interessiert und zusammen mit deren Bundestagskandidaten Thomas Lutze habe ich eine kleine Aufklärungsveranstaltung zum Thema Verschlüsselung des Emailverkehrs durchgeführt. Treffenderweise betitelte ich die Veranstaltung mit dem Namen „Prism Break“. Die Analogie wird einigen Insidern sicher auffallen.
Später meldete sich auch ein Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Jan Korte (Bündnis 90 /Die Grünen) bei mir und wies mich darauf hin, dass auch die Fraktion von Bündnis 90 /Die Grünen eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung anbieten würden. Tatsächlich gibt es diese Möglichkeit, aber leider ziemlich versteckt. Ausprobiert habe ich es aber dennoch zusammen mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter von Herrn Korte.
Sowohl die SPD wie auch CDU/CSU antworteten auf meine Anfrage nicht. Wie ich Ihrem eigenen Brief entnehme, gewichten Sie das Thema offensichtlich etwas mehr als Ihre Parteikollegen der Bundespartei. Die FDP meldete sich übrigens auch noch als Bundestagsfraktion, die sich ja inzwischen gezwungenermaßen in Auflösung befindet. Die Antwort war allerdings wenig befriedigend, so dass es sich nicht lohnt, darauf einzugehen.
Mein Vorschlag war es, dass die Bundesregierung einen staatlich manifestierten Keyserver in Betrieb nimmt. Solche Keyserver verwalten wie Telefonbücher die öffentlichen Schlüssel der Emailnutzer, welche Verschlüsselung anwenden möchten. Firmen und private Organisationen betreiben bereits solche Keyserver, jedoch würde es die Akzeptanz wie auch die Resonanz im Volk deutlich erhöhen, wenn die Regierung ein solches Konzept ernsthaft verfolgen würde. Unter den gegebenen Umständen ist es dringend erforderlich, dass staatliche Einrichtungen eine verschlüsselte Emailkommunikation anbieten. Damit denke ich auf keinen Fall an das gescheiterte DE- Mail Konzept. Es muss eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung etabliert werden.
Kompliziert ist das entgegen anders lautenden Aussagen keinesfalls. Wer es schafft, ein Facebook- Profil einzurichten, ist auch in der Lage ein Verschlüsselungsprogramm zu nutzen. Man muss es nur wollen und einen Sinn darin erkennen. Letzteres sollte uns Herr Snowden eindrucksvoll vermittelt haben?
Zur Zeit missbrauche ich persönlich ausgerechnet die Datenkrake Facebook, um meinen öffentlichen Schlüssel zu publizieren. Die ansonsten völlig überflüssigen Profildaten „Lieblingszitate“ und „Allgemein“ bieten sich geradezu an, sie mit nützlichen Informationen zu versehen. Wer mir also eine verschlüsselte Email zusenden möchte, kann meinen öffentlichen Schlüssel aus meinem Facebook- Profil entnehmen. Da über eine halbe Milliarde Menschen dieses soziale Netzwerk mehr oder weniger unkontrolliert verwenden, hätte ich da quasi eine Lücke im System entdeckt, die nicht allein diesen Datenkraken von den Daten seiner Nutzer profitieren lassen…

Damit sich der Kreis zu Ihrem Brief an die Bundeskanzlerin wieder schließt, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich durchaus des Öfteren in diversen Online- Magazinen von renommierten Presseverlagen ebenfalls über Rechtsschreibfehler virtuell stolpere. Wer also im Glashaus sitzt…

Beispiel eines Rechtschreibfehlers bei Spiegel Online:

Spiegel Online

Spiegel Online

Ausgerechnet jene Medien, deren Tagesgeschäft es ist, exakte Schreibarbeit abliefern zu müssen, machen jetzt einen Brief mit Rechtschreibfehlern zum Medienspektakel. Der Inhalt bleibt dabei unbedeutend. Daran erkennt man einmal mehr, wie grenzdebil unsere Gesellschaft geworden ist. Damit ziele ich nun keineswegs auf Frau Dreyer, sondern auf die Meute sensationsgeiler Berichterstatter, die genau das Level an Niveau bedienen, welches unsere Informationsgesellschaft dominiert.

Brief von Frau Dreyer an Bundeskanzlerin Merkel:

Brief-korrigiert

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