Die Quietsche- Entchen Steuer

Wir schreiben das Jahr 2025. Der Berliner Hauptstadtflughafen steht kurz vor der Eröffnung. Die Elb- Philharmonie in Hamburg muss saniert werden. Der Stuttgarter Hauptbahnhof wurde für stark radioaktive Abfälle als geeignetes Endlager eingestuft. Der Nürburgring muss wegen dauerhafter Nichtverwendung flächendeckend von Moos befreit werden. In Saarbrücken plant eine streng geheime Kommission der saarländischen Regierung den Bau des 5. Pavillons…

All diese unverzichtbaren Projekte müssen natürlich finanziert werden. Schon immer erwiesen sich Steuern als adäquates Mittel, den Bürgern recht plausibel das Geld aus der Tasche ziehen zu können. Nachdem bereits vor Jahren die Pferdesteuer zwar den defizitären Haushalten in den Kommunen einem verbliebenen Beamten- Quintett die Arbeitsplätze sichern konnte, brachen jedoch die Einnahmen aus der Agrarwirtschaft drastisch ein.

Wenn die Not am größten ist, muss eben eine neue Steuer her! Selbst wenn alles zusammenbricht, diese Tradition trotzt stoisch jedem Widerstand. Erneut ein Haus- oder Nutztier zu besteuern, würde inzwischen die behördliche Erklärungsnot ins Reich der Fabelwesen entschwinden lassen. Die allseits beliebte und unter Kleinkindern sehr geschätzte Badeente, umgangssprachlich auch als Quietsche- Entchen bekannt, dürfte dem Zweck der bekanntlich die Mittel heiligt, genügen. Welche liebende Mutter würde es wagen, dem eigenen Nachwuchs seines liebsten Spielgesellen zu berauben? Kaum ein Haushalt ist Quietsche- Entchen frei, selbst in kinderlosen Lebensgemeinschaften konnte man gelegentlich Exemplare dieser Gattung des synthetischen Schwimmvogels antreffen. Die perfekte Steuereinnahmequelle wurde mal wieder gefunden…

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Herr Schecke von Jessica Burgard

Ein Blick zurück auf die Einführung der Pferdesteuer gibt die Erklärung für dieses erfolgreiche Prinzip, Geldquellen völlig ungeniert in Form einer Steuer zu etablieren. Man bezeichnet diese Form der Steuer bekanntermaßen als kommunale Aufwandsteuer. Diese wiederum leitet man aus dem kommunalen Steuerfindungsrecht ab, ein fürwahr exotisch anmutender Begriff, dessen Erfinder auch ebenso der Besitzer eines Goldesels gewesen sein könnte. Während man den Leuten mit komplizierten Formularen bei der Einkommenssteuer das Leben erschwert, funktioniert die Einführung einer neuen Steuer dagegen denkbar einfach. Mit der Rechtsnorm der sogenannten Satzung gibt sich die Kommune die Legitimation, auf so ziemlich alle Elemente des bekannten Periodensystems eine Steuer erheben zu dürfen. Und um jegliche Nachverfolgung für Normalsterbliche so schwierig wie möglich zu gestalten, leitet man diese Legitimation aus den sogenannten Kommunalabgabengesetzen her. Die Verwirrung ist perfekt und so soll es ja schließlich sein…

Behörden spekulieren gerne mit der Unwissenheit ihrer Bürger und dem Wissen, dass kaum jemand die juristischen Verflechtungen zu durchschauen vermag. Transparenz ist der ärgste Feind des berüchtigten Amtsschimmels, wobei man dem armen weißen Pferd als solches kein erstrebenswertes Synonym angedachte. Bereits bei der Hundesteuer war man von Staats wegen her kaum bemüht, ein hartnäckiges Gerücht zu unterbinden. Jene Steuer dient in keiner Weise der Beseitigung organischer Hinterlassenschaften von Vierbeinern. Bei Hunden wollte man wenigstens zum Schein die Population des besten Freundes des Menschen in überschaubarer Dimension wissen. Bei Pferden wird sich diese Argumentation nicht aufrecht halten können. Dennoch spielt all dies keine Rolle, denn die vom Volk gewählten Volksvertreter haben sich parteienübergreifend immer zu helfen gewusst, wie man die eigenen Interessen gegen das Plebiszit durchsetzen kann.

Ebenso hofft man leider allzu oft erfolgreich auf den Sozialneid anderer bereits diskriminierter Gruppen. So manch Hundebesitzer wird mit Genugtuung verfolgen, wie nun Pferdehalter ihrer Bestimmung zugeführt werden. Und am Ende wird das Quietsche- Entchen an der Reihe sein, welches als giftiger Spielzeugimport aus Fernost nebenbei die Krankenkassenbeiträge explodieren lässt…

Ach, damit es nicht in Vergessenheit gerät: „Drohnen“ brauchen nicht mehr besteuert zu werden, was die Imker sicherlich freuen wird. Denn in diesem Fall wurden die Steuern bereits quasi als Vorsteuer abgeschrieben. Hierbei sind keineswegs die posierlichen, stachellosen  Bienenmännchen gemeint, sondern unbemannte militärische Fluggeräte, welche im Gegensatz zu ihren tierischen Namensgebern gar nicht in die Luft steigen dürfen. Mit einer gigantischen Summe jenseits der Vorstellungskraft, ca. eine halbe Milliarde Euro, haben die Bürohengste (kleine Wortspielerei des Themas wegen) um Verteidigungsminister Thomas De Maiziere (CDU) wahrlich die größten Pferdeäpfel hinterlassen. Man überlege sich nun, wieviele Kommunen man hätte damit sanieren können und somit die Gemeinderäte gar nicht zu unsinnigen Steuerfindungen genötigt würden…

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