Der Strom kommt aus der Steckdose!

Die Energiewende gerät ins Stocken. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) verkündet finanzielle Horrorszenarien, um seine Strompreisbremse zum Nachteil der erneuerbaren Energien durchsetzen zu können. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) möchte das Projekt Energiewende am liebsten komplett boykottieren.

Quelle: Bundestag: Christian Doppelgatz/KUXMA

Quelle: Bundestag: Christian Doppelgatz/KUXMA

Die Menschen in unserem Land haben sich längst daran gewöhnt, dass trotz aller Sparbemühungen am Ende des Jahres die Energiekostenabrechnung im wahrsten Sinne des Wortes eine schöne Bescherung wird. Dabei sind die Stromkosten nicht einmal die schmerzlichsten Kostenfaktoren. Dennoch steigen die Strompreise stetig an und schuld daran ist, glaubt man den beiden Ministern und ihren Lobbyfreunden, diese unsägliche Energiewende. Stimmt das tatsächlich?

Kostenfaktor Netzausbau:

Ob ein Ausbau in den geplanten Dimensionen überhaupt notwendig ist, wird nur rudimentär geklärt. Dezentrale Energieversorgung kann zweifelsohne einige Stromwege sparen, jedoch spielen hierbei viele ungeklärte Umstände, insbesondere auf kommunaler Ebene, eine entscheidende Rolle. Erfolgreiche Projekte dezentraler, regional umgesetzter Energiegewinnungskonzepte auf Basis erneuerbarer Energien gibt es bereits. Die Regierung will langwierige Genehmigungsverfahren endlich abkürzen und den Netzausbau beschleunigen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass aufgrund jahrzehntelanger Verschleppungen aus finanziellen Aspekten, das marode Stromnetz auch ohne Energiewende eine Modernisierung erfahren müsste. Diese Gesamtkosten darf man also nicht allein den erneuerbaren Energien anlasten…

Kostenfaktor Einspeisevergütung:

Mit Einführung des Erneuerbaren- Energie- Gesetzes (EEG) wurden Anreize an Unternehmen sowie Privatpersonen geschaffen, sich an der Energiewende aktiv zu beteiligen. Betreiber von Photovoltaikanlagen, Windrädern oder Biomasseanlagen werden mit einer speziellen Subvention gefördert. Sie erhalten für ins Netz eingespeisten Strom die sogenannte Einspeisevergütung, die sich mit dem Ausbau erneuerbarer Energieanlagen gemessen an der Gesamtkapazität verringert, aber jeweils für 20 Jahre als fester Betrag garantiert ist. Ohne diese Investitionssicherheit wäre die Energiewende nie das Erfolgsmodell geworden, dass jetzt angeblich die staatlichen Finanzierungsmöglichkeiten zu sprengen droht. Hintergrund dieser eigentlich sinnvollen Überlegung war die Annahme, dass preiswertere und leistungsfähigere Anlagen nicht die gleichen Starthilfen benötigen wie die Pioniere, die für geringere Leistung sogar mehr in die eigene Anlage investieren mussten. Dieses degressive System wurde sehr genau kalkuliert, lediglich der enorme Zuspruch war nicht absehbar. Auch diese Subventionen fließen in die EEG- Umlage ein.

Warum wird der Strom immer teurer?

Grob betrachtet fließen somit alle Kosten, die die Energiewende mit sich bringt, auf das Soll- Konto dieser EEG- Umlage. Anders als in den meisten Fällen üblich, werden diese Kosten nicht über Subventionen aus irgendwelchen Fördertöpfen oder staatlichen Umlagefinanzierungen gedeckt, sondern auf die Strompreise aufgeschlagen. Bezahlen müssen wir „fast“ alle, nur so merken wir es deutlicher bzw. direkter. Man hat diesen Weg gewählt, weil er angeblich gerechter sein soll, wenn energiebewusste Menschen weniger belastet würden als jene, die darauf nicht achten. Man könnte es ungefähr mit der Müllentsorgung vergleichen.

Auf dem Haben- Konto der EEG- Umlage finden sich die Erlöse wieder, die durch den Öko- Strom erwirtschaftet werden. An der Strombörse wird Strom wie jede andere Ware gehandelt und unterliegt den Gesetzen des Marktes. Niedrige Nachfrage oder viel Überschuss drücken den Preis für Strom. Durch das Einspeisen von immer mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen wird der Strom an der Börse günstiger. Zudem wird Öko- Strom nach dem sogenannten Merit- Order Effekt gegenüber anderen Erzeugungsformen begünstigt. Energie in Form von Strom lässt sich nunmal schlecht speichern. Wind- und Sonnenenergie ist naturgemäß von extremen Schwankungen abhängig. Kern-, Kohle- und Gaskraftwerke sind hingegen genauer regelbar und dienen besser zur Kompensation. In Phasen, wo eben viel Sonne scheint oder der Wind weht ist es sinnvoll, Kraftwerke herunter zu regeln, damit EEG- Strom primär verwendet wird. In dieser Reihenfolge erfolgt die Zuschaltung anderer Energieträger: Kernenergie, Kohle, Gas und schließlich Öl.

Diese Energieträger sind nach ihren jeweiligen Grenzkosten gestaffelt, sodass die teuersten Energiequellen erst final bei Bedarf zugeschaltet werden. Öko- Strom drosselt also deutlich den Strompreis an der Börse. Trotzdem wird kurioserweise der Endkundenpreis gerade dadurch teurer. Das liegt an der fatalen Berechnungsgrundlage für die EEG- Umlage. Denn hierfür wird die Differenz des Soll- Kontos und des Haben- Kontos herangezogen. Je günstiger der Preis für Strom an der Börse wird, desto geringer sind die Erlöse für gehandelten Strom und somit bleibt das Haben- Konto klein. Die Berechnungsgrundlage für die EEG- Umlage sollte unbedingt überdacht werden. Diese Antiproportionalität behindert nachhaltig eine erfolgreiche Energiewende und erzeugt künstlich hohe Endverbraucherpreise.

Kostenfaktor EEG- Umlage Befreiung:

Unabhängig davon, ob man die Berechnungsgrundlage der EEG- Umlage für reformbedürftig hält, wurde die Energiewende durch manipulative, politisch motivierte Eingriffe, empfindlich negativ beeinflusst. Stromintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie Schienenbahnen und inzwischen etliche andere Betriebe können sich von der EEG- Umlage teilweise befreien lassen. Mit der kaum haltbaren Begründung, sich im internationalen Wettbewerb behaupten zu können, wurden auf diese Weise vielen Unternehmen Privilegien gegenüber nicht antragsberechtigten Unternehmen und Privathaushalten zugestanden. Dummerweise bedeutet dies für eben jene nicht privilegierten Verbraucher, dass sie die Kosten der EEG- Umlage allein zu tragen haben. Seit Beginn des Jahres 2012 wurde sogar die Bewilligungsgrenze von 10 GWh/a auf 1 GWh/a herabgesetzt, sodass sich der Kreis jener unterprivilegierter abermals verkleinerte und deren Kostenanteil erneut anstieg. Es entstand dabei ein fataler Nebeneffekt. Es wurden so Anreize geschaffen, gerade so viel mehr Strom zu verbrauchen, dass man die notwendige Antragshöhe erreicht. Verkehrte Welt!

Kostenfaktor Offshore- Haftungsregel:

Betreiber von Offshore- Windparks haben seit 2012 Anspruch auf Entschädigungen, wenn aufgrund von Störungen oder fehlenden Anschlüssen eine Einspeisung der Energie in die Netze nicht gewährleistet werden kann. Netzbetreiber haften nach dem Verursacherprinzip mit maximal 110 Millionen Euro, vorhersehbare Restkosten werden auf die Stromverbraucher umgelegt.

Kostenfaktor Steuern:

Gerne verweisen Kritiker der Energiewende auf die Strompreise im Ausland, welche auf die angeblich günstige Kernenergie zurück zu führen sei. Tatsächlich ist aber der Steueranteil wesentlich für die unterschiedlichen Stromkosten verantwortlich. Der Durchschnittspreis in der EU für 100 KWh beträgt 18,4 Cent. Deutschland liegt mit 25,3 Cent deutlich darüber und an 2. Stelle hinter Dänemark im europäischen Vergleich. Bosnien- Herzegowina ist mit 7,9 Cent das günstigste Stromland. Atomland Frankreich liegt bei 14,2 Cent und Großbritannien bei 15,8 Cent. Während die Briten lediglich 4,8% Steuern auf ihren Strom zahlen und damit Tabellenletzter sind, müssen die Deutschen satte 40,7% berappen. Deutschland belegt auch in dieser Aufstellung Platz 2 hinter Dänemark (55,8%), was den tatsächlichen Strompreis deutlich relativiert. Hiermit hat die Energiewende nicht das geringste zu tun.

Die Sache mit den Äpfeln und Birnen:

Seit Beginn der Förderung von erneuerbaren Energien wurden bis zum Jahr 2012 satte 67 Mrd. Euro investiert. Das klingt enorm, relativiert sich aber deutlich, wenn man die Subventionen der anderen Energieträger dazu ins Verhältnis setzt. Hierbei ist es wichtig und schlichtweg notwendig, sauber zu vergleichen. Im Grunde müsste man den EEG-Strom mit den Vollkosten eines neuen Kraftwerks vergleichen. Aber auch dieser Vergleich wäre noch unvollständig, da die erneuerbaren Energien ja Teil eines Gesamtsystems mit Netzen, Backup-Kapazitäten und Speichern sind. Der wissenschaftlich korrekte Vergleich wäre daher ein Systemvergleich zwischen dem neuen System und einer Fortschreibung des alten Systems – und hier zeigt sich eindeutig, dass das erneuerbare System am Ende des Tages eindeutig kostengünstiger ist als die Fortschreibung des heutigen fossil-nuklearen Systems.

Subventionen verschiedener Energieträger im Zeitraum von 1970 bis 2012:

  • Erneuerbare Energien: 67 Mrd. Euro
  • Braunkohle: 87 Mrd. Euro
  • Atomenergie: 213 Mrd. Euro
  • Kohleenergie: 311 Mrd. Euro

In diesem Zusammenhang darf man die Verflechtungen der Energieträger zueinander nicht unberücksichtigt lassen. Je mehr günstig produzierter Öko- Strom verwendet wird, desto weniger muss man auf teure und klimaschädliche Energieformen zurückgreifen. Jeder Cent, der in erneuerbare Energien investiert wird, spart ein Vielfaches, müsste man andere Energieträger verwenden. Auch der Emmissionshandel wurde in der Gegenüberstellung überhaupt noch nicht berücksichtigt. Hierbei wird mit Zertifikaten quasi ein Umweltverschmutzungsrecht erkauft. Diese Zertifikate erlagen einem erheblichen Preisverfall, sodass im Prinzip Umweltverschmutzung rentabel wird, obwohl man eigentlich das Gegenteil erreichen wollte. Ebenso wie Öko- Energie ist Kernenergie nicht vom Emmissionshandel abhängig. Dass Kernenergie auf seine ganz spezielle Weise die Umwelt belastet, ist hinlänglich bekannt.

Fazit:

Langfristig ist Energiegewinnung nur durch (re)generative Energieformen moralisch vertretbar. Ohne Frage sind hohe Hürden zu überwinden, doch angesichts knapper werdener Ressourcen bei konventionellen Energieträgern und der unkontrollierbaren Gefahr, welche von der Kernenergie ausgeht, gibt es zur Zeit keine andere Alternative. Würde man das grundsätzlich vernünftig konzipierte EEG wieder von politisch und wirtschaftlich motivierten Interessen befreien und die Berechnungsgrundlage auf eine solide Basis stellen, dürfte man sich bald über stabile und sogar sinkende Strompreise freuen.

Wichtige Information: Seit dem 16. März 2013 ist die Energiewende mit diesem Lösungsansatz zur EEG- Umlage in der Programmatik der Piratenpartei Saarland verankert.  

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3 Antworten to “Der Strom kommt aus der Steckdose!”

  1. Klaus Thielen Says:

    Prima Zusammenfassung!

    Danke für die sehr gelungene Zusammenfassung der Faktoren für die Strompreiserhöhungen.
    Hier wird wieder einmal deutlich, wie dilettantisch die Energiewende unter großer Einflussnahme zahlreicher Lobbygruppen umgesetzt wurde und wird.
    Die Zeche zahlen, wie so oft, die Verbraucher!

    Gruß von
    Klaus

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  2. Power-to-Gas – überschüssigen Strom als Gas speichern | 123energie Blog Says:

    […] oder in Gasspeicher eingespeist und zwischengespeichert werden. Da das so gewonnene Methan aus erneuerbaren Energien stammt und seine CO2-Bilanz neutral ist, wird es auch EE-Gas genannt. Wird dann jedoch Strom […]

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  3. free-german-lessons Says:

    free-german-lessons

    Der Strom kommt aus der Steckdose! | Des Schwachsinns fette Beute

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