Zensursulas Rache

Nachdem Dr. Ursula von der Leyen als Familienministerin phenomenal mit ihren Internetsperren final am Bundesverfassungsgericht und der späten Einsicht ihrer AbgeordnetenkollegINNen gescheitert war, nahm nun ihre Nachfolgerin im Amt einen erneuten Anlauf, das böse Internet zu bändigen.

Ministerin Dr. Christina Schröder stellte kürzlich den sogenannten KinderServer vor, der unsere Kinder vor bösen Einflüssen aus der virtuellen Welt schützen soll. Das tat er dann auch aus Sicht von Unionspolitikern prächtig, denn ein Surfverlangen zur Piratenpartei wurde erfolgreich unterbunden, wie diverse Tests nachweisen konnten.

kinderserver_piratenparteiDie Erklärung, diese Internetseite wäre für Kinder nicht geeignet, besitzt durchaus Kritikwürdigkeit, denn die Internetpräsenz der CDU erscheint dem KinderServer unbedenklich. Der weitere Erklärungsversuch, dass die Seite schlicht noch nicht geprüft sei, scheitert an der Tatsache, dass man sowohl die Seite von CDU wie auch die Internetpräsenz anderer Parteien offensichtlich bereits geprüft hatte. Es entzieht sich jeder Logik, dass man im Zuge der Überprüfung von Internetseiten politischer Parteien nicht alle Parteien gleich behandelt.

Auf der Basis eines Proxy- Servers wird die Zensurinfrastruktur clientseitig realisiert, also eine Konfiguration auf dem Computer des Internetnutzers leitet die Anfragen im Browser einfach an den KinderServer um. Dort existieren dann sogenannte White- bzw. Black Lists, die darüber entscheiden, was gut oder böse für die surfenden Kinder sein soll. Nun ist die Piratenpartei sicher nicht im unmittelbaren Interessensbereich von Schulkindern zu verorten, doch das gilt gleichermaßen für die CDU oder die SPD. Günstigstenfalls darf man dem Familienministerium attestieren, ein unfertiges und fehlerhaftes Produkt den Menschen angeboten zu haben. Doch warum wird den Kindern ausgerechnet das Erfolgsspielzeug Lego vorenthalten?

kinderserver_legoDenn auch hier verweigert der KinderServer den direkten Zugriff auf die Internetseite des Spielzeugherstellers. Das sind nur 2 Beispiele unter vielen, die die Unausgegorenheit dieser Zensurinfrastruktur nachweisen. Das Prinzip der Zugriffslisten ist sehr fehleranfällig und verlagert die Entscheidungskompetenzen der Erziehungsberechtigten in fremde Hände. Solche Systeme haben noch nie richtig funktioniert und werden es auch nie.

Aber auch die Konfiguration des Proxy- Servers auf dem heimischen Computer weist eklatante Mängel auf. Mit kostenlos zur Verfügung gestellten Tools kann man bequem automatisiert die entsprechenden Einstellungen vornehmen lassen und kann auch in begrenztem Maße Einfluss darauf nehmen. Für die Browser Google Chrome und Mozilla Firefox werden diese Zusatztools, sogenannte AddOns angeboten, für den Microsoft- Browser Internet Explorer muss man zur Zeit die Konfiguration noch manuell vornehmen. Problematisch daran ist, dass man relativ einfach diese Schutzmaßnahmen umgehen kann. Ein Praxistest mit einem 10 jährigen Jungen bestätigte, dass der KinderServer mit einer simplen Anleitung in wenigen Minuten umgangen werden konnte. Dazu muss man lediglich die Konfiguration des jeweiligen Browsers rückgängig machen, was sogar ohne Administrationsrechte möglich ist. Auch die zusätzliche Installation eines weiteren Alternativbrowsers würde die Kindersicherung problemlos aushebeln. Man könnte natürlich bei Windows- Systemen über lokale Gruppenrichtlinien die Zugriffsrechte entsprechend anpassen, was aber einiges an Expertenwissen verlangt und auch das Betriebssystem an anderer Stelle erheblich beeinflussen könnte. Das Fazit für dieses Projekt des Familienministeriums bleibt vernichtend.

Erziehung gehört nicht in die Obhut von Technik, sondern muss Aufgabe der Erziehungsberechtigten bleiben. Diese haben eine Verantwortung übernommen, der sie gerecht werden müssen, im Bedarfsfall unter Mithilfe von geeigneten Pädagogen. Eine Politik, wie das CDU geführte Familienministerium hier vertritt, ist familienfeindlich und darüber hinaus verantwortungslos.

Auch darf man nicht vergessen, dass der KinderServer von Drittanbietern betreut wird, denen man ein umfassendes Vertrauen ausspricht, ohne die Personen zu kennen. Denn alle Daten, die über Proxy- Server fließen, können protokolliert und eingesehen werden.

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3 Antworten to “Zensursulas Rache”

  1. alphachamber Says:

    Weiss der Teufel, woher unsere „Volksvertreter“ ihre Eingebungen herbeziehen, dass sie angeblich in unserem Namen handeln (oder wenigstens im Namen einer Mehrheit).
    Ich denke oft, dass an unsere Politiker exzellente Diktatoren kleiner Inselstaaten abgeben wuerden: z.B der Malediven oder Kiribati.

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  2. Robert Stein-Holzheim Says:

    Rufe bitte Anita (@Anuschka78) an, sie braucht heute jemanden, der wie Du zu dem Thema sprechfähig ist!

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