Das Gezwitscher der Flugunfähigen

Auch in der virtuellen Welt gibt es Paradiesvögel, Aasgeier und beinahe genauso viele komische Vögel wie es die Ornithologie (Vogelkunde) uns lehrt. Im Internet besitzt die digitale (R)Evolution eine bemerkenswert hohe Geschwindigkeit. Lange Zeit beglückte besonders der Dienst SMS (Short Message Service) beim Mobiltelefon besonders Teenager als mehr oder weniger sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Für internetfähige Smartphones, Tablet- PC’s und Computer gibt es eine Weiterentwicklung davon… 

Wer bis jetzt noch keinen blassen Schimmer besitzt, welchen Lebensraum im Nerduniversum ich zu umschreiben versuchte, kann mit dem Microbloggingdienst Twitter offensichtlich nicht viel anfangen. Der Slogan „It is not a bug, it is a feature“  erhält durch Twitter eine zwiespältige Qualität. Denn nun ist es möglich, die beliebten 140 Zeilen Geschichten nicht nur zu einer bestimmten Person zu senden, sondern damit die gesamte digitale Welt zu beglücken. In gewisser Weise ist es ein Abonnent, wenn sich jemand als „Follower“ bei jemand anderem einträgt. Dadurch entsteht eine undefinierbare Vernetzung von Leuten, die sich gegenseitig und noch viele andere „verfolgen“.

Twitter eignet sich nahezu perfekt zur Selbstdarstellung. Dadurch sinkt der Anteil tatsächlich relevanter Informationen drastisch ab. Wer im Morgengrauen gelegentlich durch den Lärm von Vögeln geweckt wird, wird so manche nett trillernde Nachtigall kaum noch wahrnehmen. Besonders die Krähen können nerven…

Auch die Piratenpartei nutzt diesen Kommunikationskanal gerne und oft. Es ist im Prinzip tatsächlich sehr informativ, wenn politische, wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Ereignisse schnell und ungefiltert verbreitet werden. Der „arabische Frühling“  profitierte ganz sicher davon…

Gerade in der Politik ist es von entscheidender Bedeutung, wer sich in welcher Form artikuliert. Die Piraten wirken entgegen den anderen Parteien deutlich hemmungsloser. Das stellt sich immer mehr als strategisch falsch dar und darf nicht mit der gern vorgetragenen Transparenz verwechselt werden. Wenn sich politische Amts- oder Mandatsträger gegenseitig oder gar mit weiteren pseudonymen Gestalten per Twitter verbal regelrecht prügeln, erkennen viele Leute darin eher einen Niveauverlust gesellschaftlicher Werte. Das Problem in dieser Form der Korrespondenz liegt grundsätzlich in der beschränkten Länge dieser Kurznachrichten. Twitter- Statements diverser Protagonisten schaffen es inzwischen regelmäßig in die konventionellen Medienkanäle. Der Informationsgehalt ist meistens gering, aber der Interpretationsspielraum nahezu unbegrenzt.

Im Prinzip werden Twitter- Nachrichten gelegentlich wie Interviews behandelt und erhalten schnell skandalöse Züge. Eine gesunde Selbstdisziplin würde sicher nicht schaden. Natürlich steht es jedem frei, zu zwitschern, was er oder sie möchte, solange die Persönlichkeitsrechte anderer dadurch nicht verletzt werden. Die freie Meinungsäußerung ist ein Gut und ein Recht zugleich. Wer sich durch eine zu großzügig ausgelegte Offenbarung der eigenen Meinung schadet, muss dafür die Konsequenzen selbst tragen. Bei Mandats- und Amtsträgern kann das bisweilen auf die gesamte Partei abfärben. Jeder sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein, wenn er/sie als Repräsentant(in) einer Partei, Organisation, Institution, Firma oder eines Vereins Kommunikation betreibt. Auch „Zwitschern“ muss gelernt sein!

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