Die Diebe geistigen Eigentums

Verwerter, Künstler, Verlage, Plattenlabels und weitere Protagonisten der Urheberszene regen sich aktuell mächtig über die Piratenpartei auf, weil sie das Urheberrecht reformieren möchte. Dabei ist die Aufregung völlig unbegründet. Zunächst wurden diverse Falschmeldungen durch die Presselandschaft geschleudert, die Piratenpartei wolle das Urheberrecht abschaffen. Unnötig Zeit musste seitens der Piraten einzig dafür aufgebracht werden, diese Fehlinterpretation der Programmatik bezüglich des Urheberrechts richtig zu stellen. Hartnäckig hält sich das gestreute Gerücht weiterhin. Während es der Piratenpartei primär um die Entkriminalisierung von Internetnutzern geht und sekundär um eine Reform des unverständlichen Inhalts dieses Gesetzeskonstrukts, fürchten viele Urheber um ihre Existenz. Auch die Piratenpartei hat inzwischen erkannt, dass die Urheber auch in diesen Sachverhalt einbezogen werden müssen. Dem gegenüber glauben allerdings immer noch viele Urheber, dass die Piratenpartei eine Kostenlosmentalität etablieren möchte, die ihnen jegliche Lebensgrundlage rauben könnte. In dieser emotional aufgeladenen Diskussion wird leicht vergessen, wer eigentlich auf der dunklen Seite des Konfliktes steht…

Denn das eigentliche Problem liegt weder beim veralteten Urheberrecht aus Sicht der Piraten, noch bei einem reformierten, welches die Urheber so sehr fürchten. Um das Problem überhaupt richtig erfassen zu können, muss man es zunächst einmal an der Wurzel packen. Das Paradebeispiel des vergangenen Jahres dürfte sicher das konsequente Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden gegen die Betreiber des Online- Portals Kino.to gewesen sein. Was war da geschehen?

Das kostenlose Anbieten von Film- und Musikmaterial zieht viele Konsumenten an. Inwiefern sich diese Internetnutzer darüber bewusst sind, dass sie hier am Rande der Legalität operieren, ist einer der Punkte, die eine Reform des Urheberrechts bewirken soll. Ohne juristische Vorkenntnisse hat kaum ein Nutzer das Wissen, sich immer gesetzeskonform verhalten zu können. Dieses Defizit wird von einer daraus erst entstandenen Abmahnindustrie schamlos ausgenutzt. Der Gesetzgeber schaut dabei noch tatenlos zu.

Ist die Nutzung von kinox.to legal?
Kinox.to ist nicht illegal, Kinox.to hostet keine eigenen Streams sondern verlinkt nur embeded Codes. Die Rechtslage ist je nach Land verschieden. Daher kann das anschauen von Videostreams in Ihrem Land je nach Stream illegal sein. Das betreten und nutzen der Seite Kinox.to selber ist nicht illegal. In der Schweiz ist das anschauen von OnlineStreams legal.

Nun bin auch ich kein Jurist und kann auch nur spekulieren. Muss jeder Internetnutzer sich beim Surfen einen Rechtsanwalt neben sich platzieren, der ihm die jeweilige Freigabe erteilt, ein entsprechendes Angebot nutzen zu dürfen? Die Aussage aus den FAQ des augenscheinlichen Nachfolgers von kino.to ist für kaum jemanden korrekt zu verstehen. Ist das nun die Schuld des Internetnutzers?

 

Quelle: Google Maps

Quelle: Google Maps

 


Noch komplizierter wird die Rechtslage dadurch, dass die Betreiber von in Deutschland mutmaßlich illegalen Angeboten in ein Land ausweichen, wo solche Aktivitäten nicht verboten sind bzw. zumindest nicht strafrechtlich verfolgt werden. Dennoch ist es ziemlich unproblematisch, die Verantwortlichen für solche Angebote ausfindig zu machen. Es ist auch kein Problem und mit geringem Aufwand verbunden, den Provider bzw. Hoster ausfindig zu machen. Hier wäre die entsprechende Anschrift:

Igoren V Murzak
Akrino Inc
P.O.Box 146 Trident Chambers
Road Town, Tortola

Die Vermutung liegt leider nahe, dass die Strafverfolgungsbehörden in Deutschland offensichtlich keine internationalen Kooperationen mit allen Staaten pflegen, sodass solche Schlupflöcher entstehen. Anstatt genau dieses Problem anzugehen, ist es ja bedeutend einfacher, wenigstens die deutschen Internetuser aufzuspüren, um mit saftigen Abmahnungen trotzdem etwas vom verlorengegangenen Profit zurück zu bekommen. Genau hier setzt die Piratenpartei an und möchte eine weitreichende Entkriminalisierung betroffener Internetbenutzer erreichen. Allein eine Eindämmung der inzwischen zügellos gewordenen Abmahnindustrie könnte die Situation schon deutlich entschärfen. Bußgelder, wie sie im Straßenverkehr erfolgreich bei Verstößen verhängt werden, sollten ausreichen, um uneinsichtige Filesharer nach entsprechender Mahnung und Belehrung urheberrechtlich zu resozialisieren. Stattdessen möchte man jedoch mit internationalen Handelsabkommen wie ACTA die Nutzer noch stärker kriminalisieren und strafrechtlich verfolgen können. Das kann den Urhebern doch nicht recht sein, dass man ihren potentiellen Kunden so nachstellt?

Die Realität sieht anders aus, wie ein Beispiel der Rockband Iron Maiden nachweist. Wegen des Verkaufs einer vor über 15 Jahren legal gekauften CD als gebrauchte Ware über ein Online- Auktionshaus, handelte sich ein Musikliebhaber eine Abmahnung ein: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/verkauf-alter-cds-iron-maiden-laesst-fans-abmahnen-a-645571.html

Wer hätte es für möglich gehalten, dass eine rechtmäßig mit Kassenbon im Laden erstandene Schallplatte nicht privat verkauft werden darf? Man stelle sich vor, der Gebrauchtwagenmarkt müsste sich mit solchen Problemen beschäftigen…

Das ist auch kein Einzelfall, sondern wird in großem Stil betrieben. Man setzt auch auf die Ahnungslosigkeit der Leute. Man kann solches Vorgehen nur mit reiner Abzocke erklären. 

Liebe Urheber, wenn ihr in Zukunft vom Diebstahl geistigen Eigentums philosophiert, solltet ihr vorher genau überlegen, in welchem Zusammenhang ihr davon redet. Die wirklichen Täter, also jene, die tatsächlich und vorsätzlich kommerziellen Gewinn mit euren geistigen Leistungen erzielen, will man gar nicht das Handwerk legen. Es ist einfach ein lukratives Geschäft, die mehr oder weniger unschuldigen Internetbenutzer abzuzocken. Ihr habt davon nichts, nur eine sich dazwischen geschobene Abmahnindustrie profitiert ganz passabel davon. Ihr hingegen verliert dadurch bei euren Fans zunehmend an Zuspruch und Glaubwürdigkeit.

Ein weiteres Reizthema insbesondere für Urheber aus der Musikbranche stellt die Google- eigene Video- Plattform YouTube dar. Hier fühlen sich viele Musiker hintergangen, weil ja erneut ihr geistiges Eigentum unkontrolliert der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. So einseitig darf man jedoch diesen Sachverhalt nicht verurteilen. Es gibt komplette Geschäftsmodelle, die auf YouTube durchaus erfolgreich aufbauen. Auch für Musiker ist es zumindest eine günstige Werbeplattform, um auf ihre Arbeit aufmerksam machen zu können. Nicht jedem wird auch Erfolg zu teil.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/web-grossverdiener-dollars-sammeln-dank-youtube-a-713113.html

Musikvideos wurden anfangs genau zu diesem einen Zweck produziert. Man wollte dadurch das jeweilige Musikprojekt der Künstler promoten, also den Verkauf der Musikalben ankurbeln. Das hat auch prächtig funktioniert, bis schließlich die Videos selbst attraktiver als das eigentlich beworbene Musikstück wurden. Auch diesen Effekt wusste man zu nutzen, sodass inzwischen zu beinahe jeder Audio- CD eine passende Video- DVD angeboten wird. Die Angst durch massenhaftes Kopieren Einnahmeeinbußen hinnehmen zu müssen, war mittlerweile größer als der ursprüngliche Werbeeffekt geworden. Obwohl auch durch das Veröffentlichen solcher Videos auf YouTube vertraglich Einnahmen generiert werden können, scheint es den Verwertern nicht auszureichen. Nicht selten erblicken Internetnutzer nun solche Meldungen, wenn sie YouTube- Videos ansehen wollen:

Quelle: YouTube

Quelle: YouTube

Aufgrund des Umstandes, dass die Verwertungsgesellschaft GEMA mit YouTube sich nicht einigen konnte, müssen diverse Videos in Deutschland gesperrt werden. Es gibt natürlich technische Möglichkeiten, diese Sperrung zu umgehen. Ob sich die Verwerter und in der Folge die Musiker dadurch einen Gefallen getan haben, können nur sie selbst beurteilen. Der Werbeeffekt entfällt, stattdessen entsteht Frust bei potentiellen Kunden. Selbst wenn die Internetnutzer sich die Videos auf DVD brennen würden, könnte die GEMA sogar davon profitieren, denn beim Kauf von Datenspeichermedien wird auch ein Beitrag an die Verwertungsgesellschaften entrichtet, auch wenn der Benutzer ausschließlich private und keine GEMA- relevanten Daten archiviert.

So wirklich verstehe ich die Urheber in ihrer Angst wegen des Diebstahls ihres geistigen Eigentums nicht, sofern man überhaupt davon reden kann. Es existieren Geschäftsmodelle und Verträge, die weitreichend die Bedürfnisse der Urheber vertreten. Ebenso existieren Gesetze, die die Urheber gegen missbräuchliche Nutzung ihres geistigen Eigentums schützen sollen. In der aktuellen Situation sind die Internetnutzer im Zweifelsfall die Dummen. Neben den Urhebern gilt es nun, auch die Rechte jener zu stärken, die oft unschuldig oder unwissend in die Mühlen der Justiz geraten. Es geht hierbei nicht um Straftäter, die vorsätzlich kommerziellen Schaden verursachen, um sich selbst zu bereichern.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

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