The winner takes it all

Hallo zusammen,

per Twitter wurde ich aufmerksam auf ein hoch interessantes Online- Gewinnspiel. Bei solchen Angeboten gehen bei mir reflexartig die Alarmglocken an. Daher möchte ich diesen Fall mit Einverständnis der Beteiligten gerne näher beleuchten.

Folgender Tweet machte gestern Abend (15.02.2011) die Runde über Twitter und trotz meiner verhältnismäßig geringen Anzahl an Leuten, deren Geschwafel ich folge, weil ich mir von diesen einigen durchaus auch qualitativ hochwertige Zweizeiler erhoffe, erblickte ich den folgenden Tweet gleich doppelt:

Weshalb verlost jemand offenbar ohne jegliche Gegenleistung zu verlangen, ein hochwertiges technisches Gerät? Es ist nicht einfach, dieser Sache auf die Spur zu kommen, doch habe ich es trotzdem mal versucht, wenn ich auch womöglich bei manchen Rückschlüssen nicht völlig richtig liegen könnte. Andererseits beweisen typische Marketing- Strategien, dass ich so falsch auch wieder nicht liegen kann. Mein wertfreier Beitrag zur Verlosung wurde natürlich mit entsprechend nachvollziehbaren Argumenten augenscheinlich entkräftet. Die Diskussion fokusiert sich, wie meist üblich unter „Piraten“, auf die datenschutzrelevante Betrachtungsweise des Sachverhalts. Es werden keine Daten an „Dritte“ weitergegeben und ohne positive Gewinnbenachrichtigung werden scheinbar auch keine weiteren Daten abgefragt. Dagegen lässt sich zunächst nur schwer etwas entgegen stellen, es sei denn, man antwortet höchst spekulativ, was ich dann auch zu später Stunde dennoch nicht vermeiden konnte.

Ich habe mir natürlich vor diesem Tweet die Teilnahmebedingungen und die Website angesehen, konnte aber zu meiner eigenen Verwunderung direkt nichts feststellen, dass es sich um eine Abo- Falle oder eine geschickte Datensammelaktion handelte. Trotzdem bleibt für mich eine solche Aktion suspekt.

Im Prinzip besitzt das Marketing- Unternehmen nichts weiter als die Twitter- Namen derjenigen, die teilgenommen haben. Alles weitere müssten sie sich genauso zusammen suchen, wie jeder andere auch und wäre auch völlig ohne Verlosung möglich. Gibt es denn gar keinen Haken an der Sache? Handelt es sich bei dieser Firma tatsächlich um eine Ansammlung von barmherzigen Samaritern? Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. 

 Die Website, die man über den Short- Link in den Tweets erreicht, macht weniger den Eindruck einer gemeinnützigen Institution, die aus Steuergeldern und Spenden finanziert würde. Auf den ersten Blick erkennt man ein Marketingkonzept, welches offensichtlich von großen Unternehmen gesponsort wird. Die Frage ist jedoch, welchen Gegenwert erwarten die Sponsoren? Eines wurde sicher nachhaltig erreicht – die kettenbriefähnliche Verbreitung dieser Botschaft mit werbewirksamen Mehrwert. DasÖrtliche erhofft sich zumindest davon eine weite Verbreitung ihrer Apps. Inwieweit damit im Nachhinein Geld zu verdienen ist, entzieht sich mangels Smartphone und Download meiner Kenntnis und ich bin folglich auf Kommentare von Leuten angewiesen, die die Application verwenden. Ein Blick in die Teilnahmebedingungen kann sicher nicht schaden. Zunächst erfährt man dort, wer der Veranstalter der Verlosung ist: gjuice GmbH. Es handelt sich also um ein Unternehmen, dass Produkte anderer Unternehmen promotet. Dazu bedient sich die Firma u.a. kostenlosen Kommunikationskanälen wie Twitter und Facebook, womit sie offensichtlich Erfolg hat. Es entsteht der Eindruck einer Win- Win Situation. Das Marketing- Unternehmen kann mit relativ geringen Kosten Produkte direkt der Zielgruppe vor Augen führen. Die Zielgruppe, zumindest ein verschwindet kleiner Teil davon, kann auf diese Weise ein hochwertiges Produkt „umsonst“ ergattern. Man könnte ja als Nicht- Gewinner des Nexus- S immerhin argumentieren, nichts dabei verloren zu haben bzw. auch nicht laut Teilnahmebedingungen Opfer von Datenkraken geworden zu sein. Zumindest muss man sich eingestehen, von einer Marketing- Firma geschickt als Werbeträger instrumentalisiert worden zu sein. Ich zitiere an dieser Stelle nochmals Gobold1979: Es ist eine Illusion, zu glauben, nur die eigenen Follower hätten Zugriff auf  Tweets. Und mehr als die haben sie nicht.

Genau diese Kernaussage beschreibt die Taktik des Marketing- Unternehmens, denn mehr als die schnelle und effiziente Verbreitung des Tweets war gar nicht nötig und mehr war nicht einmal gewollt. Man braucht keine Daten von Leuten zu sammeln, wenn man sich quasi als Parasit an deren Account hängen kann. Schleichwerbung bekommt hierdurch eine neue Qualität und ist nicht einmal in dieser Form verboten. Meine Hochachtung gilt der gjuice GmbH für dieses erfolgreiche Marketing- Konzept.

Dennoch gibt es gewisse Dinge zu bemängeln.

Der Gewinner akzeptiert notwendige Änderungen des Gewinns, die durch andere außerhalb des Einflussbereichs der am Gewinnspiel beteiligten Firmen liegenden Faktoren bedingt sind.

Ich bin nun kein Jurist, doch irritiert mich dieser Auszug aus den Teilnahmebedingungen doch. Was versteht der Veranstalter unter „notwendigen Änderungen“ ? Grob gesehen, könnte nach dieser Aussage aus dem Nexus- S auch quasi eine überreife Banane werden. Die dafür vorstellbaren „Faktoren“ sind nicht näher definiert, es könnte also sogar eine Darminfektion des Personalchefs einer dieser beteiligten Firmen sein. Ich will sowas keineswegs unterstellen und hoffe, dass der glückliche Gewinner auch tatsächlich sein ersehntes Nexus- S bekommt. Der elementare Hinweis darauf, sollte jedoch gestattet sein.

Die Entscheidungen der gjuice GmbH sind endgültig. Diesbezügliche Anfragen können nicht beantwortet werden. Die gjuice GmbH behält sich das Recht vor, das Gewinnspiel ganz oder zeitweise auszusetzen, wenn irgendwelche Schwierigkeiten auftreten, die die Integrität des Gewinnspiels gefährden.

Im Klartext bedeutet dies, das Gewinnspiel kann jederzeit ohne Gewinnausschüttung beendet werden, theoretisch bereits, wenn in China ein Sack Reis umkippt. Praktisch habe ich durch diesen Artikel allein schon die Integrität des Gewinnspiels beeinflusst. Mich würde brennend interessieren, ob jemand tatsächlich ein Nexus- S als Gewinner erhält? Dumm nur, nachfragen kann man ja auch nicht…

Die gjuice GmbH behält sich ferner das Recht vor, diese Teilnahmebedingungen auch unangekündigt zu ändern.

Diese Aussage erscheint mir zumindest juristisch bedenklich. Welchen Sinn ergeben Teilnahmebedingungen, die man nach eigenen Bedürfnissen nachträglich jederzeit verändern kann? Der Twitter- Account von gjuice GmbH hat innerhalb kürzester Zeit mächtig viele Follower bekommen.

Wenn man bedenkt, dass fast alle Tweets dieses Twitter- Accounts auf reiner Werbung bestehen, ist es erstaunlich, dass so viele Leute doch immer wieder auf simple Marketing- Tricks hereinfallen. Wenn auch nicht vordergründig der Datenschutz tangiert wurde, so lässt sich doch durch die Resonanz und die auswertbaren (öffentlichen) Daten der Follower (nicht zu vergessen, dass auch Facebook- Promotion betrieben wurde) durchaus eine Zielgruppenanalyse generieren. Auch lässt sich anhand von diesen Zahlen der Erfolg diverser Marketing- Kampagnen auswerten. Wer kritisiert, dass Homepage- Betreiber mit Analyse- Tools die Herkunft ihrer Besucher in Erfahrung bringen wollen, darf in solchen Fällen nicht beide Augen verschließen. Persönlich finde ich solche Strategien völlig legitim und marktstrategisch unverzichtbar, es sollte jedoch nicht heimlich oder unter anderem Vorwand geschehen.

Update 16.02.2011 14h00:

Ich möchte nachtragen (aufgrund eines Retweets von veritas81), dass diese Form des Marketings sich mit dem Begriff virales Marketing beschreiben lässt. Die Bewertung dieser Form der Werbung überlasse ich jedem selbst. Falls ein Gewinner unter den Lesern sein sollte, wäre es nützlich, dessen/deren Erfahrungen mit gjuice GmbH hier einbringen zu können.

Ein interessanter Artikel bei SpiegelOnline  gibt mir eigentlich recht…

  • Dennoch bewerten Twitter-Investoren das Unternehmen hoch – 23 Dollar ist ihnen ein Twitter-Nutzer wert – die Bewertung ist ähnlich hoch wie beim Spieleanbieter Zynga, obgleich diese Firma etwa dreimal so viel Umsatz je Nutzer erwirtschaftet.

  • …und erklärt immerhin, wie nutzbringend und umsatzsteigernd die Bündelung von Twitter- und Facebookaccount sein kann. Besonders erfreulich für die Marketing- Strategen und ihre Auftraggeber ist der Umstand, das eine vergleichsweise geringe Investition (in diesem Fall ein einziges Smartphone, um welches sich inzwischen Tausende streiten) größtmöglichen Profit erzielen kann…

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    4 Antworten to “The winner takes it all”

    1. Quinn Says:

      Weil Spiegel Online ja auch die beste Informationsquelle bei SMO Themen ist… Unglaublich

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    2. Tweets that mention The winner takes it all « Des Schwachsinns fette Beute -- Topsy.com Says:

      […] This post was mentioned on Twitter by uǝɥɔoɾ and Andreas Augustin, Thomas Brück. Thomas Brück said: @gobold1979 @ColdSphinX: #androidapptests Schaut mal bitte hier: http://tinyurl.com/47jlraw […]

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