Immer wenn er Pillen nahm…

Der Titel dieses Beitrages wird die etwas älteren Mitbürger an die gleichnamige, amüsante Slapstick- Serie aus dem Schwarz-Weiß Fernsehn erinnern, im aktuellen Zeitgeschehen jedoch beschreibt dies die weniger amüsante Klientel- Politik von Schwarz- Gelb…
IQWiG ist die Abkürzung für Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und hat den Beitragszahler sowohl zur gesetzlichen als auch zur privaten Krankenkasse schon so manches Mal vor unsinnigen Ausgaben für wirkungslose Placebos oder gar in anderer Richtung gesundheitsschädlichen Medikamenten bewahrt.
Die hellseherischen Fähigkeiten, die der zeitgeschichtlichen Gestalt Nostradamus mehr oder minder zuerkannt wurden, benötigt man nicht, wenn man aus Sicht der Pharma- Lobby auf diese unbequeme Institution und seinen Ex- Chef Peter Sawicki blickt, um zu verstehen, dass die Manager der Pharma- Konzerne diesen obersten Arzneimittelprüfer gerne aus dem Weg räumen möchten.
Glücklicherweise besitzt gerade die wirtschafts- und unternehmerfreundliche FDP zufällig gerade erheblichen Einfluss auf die Besetzung des Postens, den Sawicki jetzt wegen einiger, eher banalen Ungereimtheiten räumen muss. Eine lächerliche Dienstwagenaffäre, worüber Ulla Schmitt (ehemalige Gesundheitsministerin) lediglich ein müdes Lächeln übrig hatte, wird Sawicki primär zum Verhängnis. Es wurde offensichtlich von Seiten der Pharmaindustrie buchstäblich nach Schwachstellen in Sawickis Tätigkeiten  gegraben und man fand auch etwas Dreck am Schuh des Institutsleiters, in welchen dieser wohl eher unwissentlich getreten ist. Ein Dienstfahrzeug, welches Peter Sawicki unberechtigt geleast haben soll, genügt völlig, um seine Stelle zukünftig mit einem industriefreundlicheren Kandidaten zu besetzen (nebenbei erwähnt, hielt eine Überprüfung dieser Vorwürfe den Tatsachen kaum Stand).
So ist es wenig verwunderlich, dass die FDP- Leute Stefan Kapferer, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, und Georg Baum, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die beide im Vorstand des IQWiG die Entscheidung mittragen, ihren Pharmafreunden einen sehnlich erhofften Wunsch erfüllen. Endlich ist der Weg frei, in Zukunft prächtige Geschäfte mit teuren und teilweise wirkungslosen Medikamenten machen zu können, was Peter Sawicki nicht geduldet hätte. Sicherlich waren Sawickis Fehler mit den Dienstwagen und Benzinquittungen nicht einfach durch Kopfnicken zu entschuldigen, doch gerade wenn man die FDP betrachtet, hat das mit Verhältnismäßigkeit gar nichts mehr zu tun. Man braucht sich nur an den erst kürzlich verstorbenen Spitzenpolitiker der FDP, Otto Graf Lambsdorff, zu erinnen, der maßgeblich in die Flick- Affäre verstrickt war und wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt wurde und sollte sich eigentlich dabei über dessen weitere Karriere innerhalb der FDP doch wundern. Pech für Sawicki, der wohl das falsche oder vielleicht gar kein Parteibuch im Regal stehen hat, welches ihn in mittelfristiger Zukunft unter anderen Gegebenheiten womöglich, rein spekulativ, zum Parteivorsitzenden gemacht hätte? Die Gesundheitsreform kann nun endlich in die richtige Richtung gelenkt werden…
Die Überleitung zur Impf- Politik im Bezug auf die Schweinegrippe (saarländisch: Wutzefreck) ist nicht abwegig, dient nicht ausgerechnet diese Form der Influenza H1N1 als Paradebeispiel für gelungene Lobbyarbeit.  Die Anti-Korruptions-Organisation ‚Transparency International  bezeichnete die Schweinegrippe als eine  „katastrophenmässig aufgebauschte“ Krankheit, die weit unter den geschätzten Erwartungen geblieben ist. Tatsächlich wurde die Schweinegrippe erst zur Pandemie, als die WHO (Weltgesundheitsorganisation) die Definition für eine Pandemie förmlich an die Schweinegrippe anpasste. Auch ist es unstrittig, dass Vertreter der Pharmakonzerne, die die Schweinegrippe- Impfstoffe produzierten, maßgeblich an der Definitionsänderung beteiligt waren und auch in der WHO als ständige Berater aktiv sind. Ebenfalls ist es kein Geheimnis, dass die Pharmaindustrie in erheblichem Maß die WHO finanziell unterstützt. Auch bestehen enge Verbindungen der ständigen Impfkommision (STIKO) zu den Pharmakonzernen, so dass die ausgesprochenen Impfempfehlungen nicht unbedingt eine Neutralität erkennen liesen.

Nach einem angenehm verlaufenen Gespräch mit Frau Dr. Vera Zylka-Menhorn vom Deutschen Ärzteblatt scheint aus medizinischer Sicht kein Grund eines Vorwurfs angebracht zu sein, da die tatsächlich erforderliche Impfdosis erst nach Ergebnissen von Bluttests (Antikörperbestimmung) nach der ersten Impfung zweifelsfrei ermittelt werden konnte. Eine chaotische Kommunikation von Seiten der Politik, aber auch Teilen der Ärzteschaft habe jedoch zu einem weiteren Vertrauensverlust der Bevölkerung in ihre Eliten geführt. Der Impfgedanke wurde durch das Missmanagement nachhaltig beschädigt.

Hingegen wurden aber die Impfstoffe weit vor dieser Erkenntnis geordert, obwohl diese Prozedur von vorangegangen Impfaktionen durchaus bekannt gewesen sein musste. Gerade aufgrund dieses Wissens ist es völlig unverständlich, dass man dies nicht in die Vertragsverhandlungen mit dem Impfstoffherstellern hat einfließen lassen. Man hätte durchaus sich der Situation entziehen können, von der Kulanz der Pharmakonzerne abhängig zu sein. Dieses Entgegenkommen der Hersteller als Verhandlungserfolg der Politik zu verbuchen, besitzt gewisse Züge von Lächerlichkeit, da wäre mit besserem Verhandlungsgeschick vorher, ein wesentlich besseres Ergebnis für den Steuerzahler zu erzielen gewesen. Eine diesbezügliche Anhörung des SPD- Politikers Dr. Wolfgang Wodarg im Europarat, der sich schon mehrfach als Schweinegrippe- Impfkritiker geoutet hatte, wird hoffentlich den übel riechenden Schleier der Korruptionsvorwürfe lüften…

Update 26. Januar 2010:
Die Anhörung vor dem Europarat ergab offensichtlich keine greifbaren Resultate. Der Vorwurf an die WHO der Beeinflussung durch die Pharmaindustrie wurde lapidar mit der Begründung zurückgewiesen, die WHO habe rasch handeln müssen, um zahlreiche Grippetote zu vermeiden. Das hat man schließlich auch erreicht, wobei dies allerdings kaum auf die Definitionsänderung zurückzuführen ist. Dass der befragte WHO- Berater, Keiji Fukuda, die Kritik der Einflussnahme von Seiten der Pharmaindustrie zurückgewiesen hat, aber auch gleichzeitig einräumt, dass manche Teilnehmer Interessenkonflikte verschwiegen haben könnten, läßt die Umstände keineswegs glaubwürdiger erscheinen. Während der Anhörung wurde sogar bestätigt, dass es bereits im Juni 2009 Verträge zwischen einzelnen Regierungen und Pharmaunternehmen für den Kauf von Impfstoffen gab. Luc Hessel von der europäischen Vereinigung der Impfstoffhersteller erklärte, dass man zu schnellem Handeln gezwungen sei, denn wenn eine Pandemie ausbreche, gäbe es keine Zeit mehr für Verhandlungen. Dass solche Phrasen in die Ablage „völliger Blödsinn“ gehören, braucht sicher nicht extra erwähnt zu werden. All die Jahre konnte man sehr gut mit Grippewellen umgehen und praktisch haben sich die Umstände seither nicht geändert. In Krisensituationen bedarf es ohnehin keiner Verhandlungen, sondern dann muss Impfstoff hergestellt und verteilt werden. Dass die Hersteller dafür entlohnt werden, steht außer Frage, doch wie es im Falle der Schweinegrippe geschehen ist, ist schlichtweg skandalös. 

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