Löschen statt Sperren

Endlich hat die Vernunft über die Unwissenheit gesiegt, könnte man annehmen? Die FDP hat in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU augenscheinlich einen Erfolg verbuchen können, der auf jeden Fall eine Prestigeangelegenheit verkörperte. Es geht um die umstrittenen Internetsperren gegen Kinderpornographie im Internet, welche von (Noch)Familienministerin Ursula von der Leyen im Hauruck- Verfahren völlig kompetenzfrei im sog. Zugangserschwerungsgesetz durchgeboxt wurden. 

Verschiedene Slogans buhlen um die Gunst des Volkes. Zum besseren Verständnis setze ich mal die symbolische Wirkung auf den Strassenverkehr um. Da wäre zunächst die Alternative „Löschen vor Sperren“ , was auch im nachgebesserten Gesetzentwurf als Vorgabe festgesetzt wurde. Die Systematik entspricht adäquat zum Strassenverkehr folgendem Zeichen:

stopp

Man hält kurz an und vergewissert sich, ob „frei“ ist. Die Zensursula- Internetsperren verfolgen genau diese Strategie. Die Umgehungsmethoden sind simpel. Der Aspekt „Sperren“ steht klar im Vordergrund, denn das virtuelle Stopp- Schild hat sonst keinerlei Bedeutung. Beim Aspekt „Löschen“ würde das Stopp- Schild niemals erscheinen, da es nichts gäbe, was zu sperren wäre. Dennoch beharren selbst jetzt noch einige uneinsichtige Zeitgenossen auf die „Sperrtechnik“, weil „Löschen“ außerhalb Deutschlands nicht oder nur teilweise möglich wäre. Zwar wurde dies mehrfach widerlegt, aber Dummheit kennt offenbar keine Grenzen…

Dagegen kritisierten Unicef und andere Kinderschutzorganisationen die Aussetzung der Sperren. Es sei notwendig Seiten zu sperren, wenn Ermittler die Seiten nicht löschen können, weil sie von ausländischen Servern betrieben werden, erklärten die Kinderschützer. Sie forderten die neue Bundesregierung auf, beide Maßnahmen – Sperren und Löschen – im Kampf gegen Kinderpornografie im Netz anzuwenden.

Quelle: ZDFheute

Offensichtlich haben die Heilsbringer bei UNICEF & Co. tatsächlich nicht verstanden, dass Verkehrsschilder keine realen Abwehrmechanismen erzeugen können, wenn jemand die Beachtung selbiger nicht beherzigt.

Update:

Nun wollte ich von 4 Kinderschutzorganisationen per Email wissen, weshalb sie sich so vehement gegen eine deutlich bessere Strategie aussprechen. Vielleicht gibt es ja bestimmte Gründe, die der Allgemeinheit bislang verschlossen blieben:

Guten Tag,

 einige Kinderschutzorganisationen üben Kritik am Beschluss der Bundesregierung, die Internetsperren auszusetzen und dem Löschprinzip Vorrang zu gewähren.

 Zitat: „ Es geht nicht um Sperren statt Löschen – tatsächlich müssen beide Maßnahmen so schnell wie möglich umgesetzt werden…Die Sperren sind dort notwendig, wo eine Löschung noch nicht möglich ist, weil die Website von ausländischen Servern aus betrieben wird.“

 Solche Aussagen können nur Leute äußern, die von IT- Technik nicht viel verstehen.  Wird das Prinzip „Löschen“ konsequent und kompetent verfolgt, ist ein zusätzliches Sperrvorhaben völlig überflüssig. Sollten sich Provider bzw. Hoster nicht kooperativ zeigen, was bislang in keinem einzigen belegbaren Fall vorgekommen ist, machen diese sich selbst strafbar. Faktisch nachweisbare Analysen haben bestätigt, dass 99,6% aller kinderpornographischen Inhalte im WWW (also auf Websites) in Ländern gehostet waren, welche ausreichende Gesetzesgrundlagen gegen Kinderpornographie aufweisen. Das Prinzip „löschen“ ist also überall dort möglich und wurde auch bereits praktisch sehr eindrucksvoll nachgewiesen. 

Die Aussagen, zum Teil von Ursula von der Leyen und Jörg Ziercke, dass in diversen Ländern ein Löschen von kinderpornographischem Material nicht funktionieren würde, stellte sich als falsch heraus. Teilweise führte dies zu unangenehmen Entschuldigungen an die Botschaften von Indien und Kasachstan. Weitere Länder wollen weder Frau von der Leyen noch Herr Ziercke benennen und sind offensichtlich auch nicht dazu in der Lage. Ebenfalls hat sich herausgestellt, dass in den verbleibenden Ländern, also den 0,4%, entweder keine ausreichende Internetinfrastruktur besteht oder Bürgerkrieg o.ä. herrscht, sodass das Thema Kinderpornographie auf Websites quasi keine Rolle spielt.

 Dennoch möchten 4 Kinderschutzorganisationen das überflüssige Sperrprinzip für Kinderpornographie aufrecht erhalten. Daher möchte ich Sie alle bitten, echte und nachvollziehbare Gründe dafür zu nennen, eine Zensurinfrastruktur mit erheblichem Kollateralschadenspotential etablieren zu wollen. Sie müssten also mindestens ein Land nennen, welches kinderpornographische Inhalte auf den Servern ihres Geltungsbereiches duldet und die Löschung nicht möglich ist.

 Ich freue mich auf eine aussagekräftige Antwort,

Angeschrieben hatte ich die Organisationen UNICEF, ECPAT, Innocence in Danger und Save the Children. Lediglich Save the Children war bereit, eine Antwort zu geben:

Sehr geehrter ***,

 

dem Duktus Ihrer Mail an uns folgend, kann ich leider nicht erkennen, dass Sie tatsächlich eine an den Kinderrechten orientierte Antwort erwarten.

 

Mit freundlichen Grüßen

***

Nun war dies sicher nicht die genial verständniserzeugende Antwort, die man sich erhofft hätte, zeigt aber einmal mehr, dass diese Kinderschutzorganisationen rein Lobby- gesteuert auf Politik und Regierung Druck erzeugen wollen, jedoch völlig argumentationslos unsinnige Polemik in die Öffentlichkeit streuen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass Befürworter der Sperrinfrastruktur solche Organisationen als Marionetten missbrauchen, um über die sog. Tränendrüse, die Zustimmung der Bevölkerung zu bekommen. Sollte ich mit meiner Vermutung richtig liegen, läge es im eigenen Interesse dieser Organisationen, vor Veröffentlichung solcher Pressemitteilungen die Sinnhaftigkeit selbiger zu prüfen. „Keine Antwort ist auch eine Antwort“ lautet ein geistreiches Sprichwort…    

Weiter geht’s mit Verkehrszeichen…

Da wäre z.b. folgendes Zeichen: durchfahrt_verboten

Durchfahrt verboten! mahnt dieses doch recht plumpe Verkehrszeichen den herannahenden Kraftfahrer. Das Signal ist klar, doch könnte der Führer eines entsprechenden Kraftfahrzeuges völlig legitim das Schild zu Fuss passieren und sein gewünschtes Ziel mehr oder weniger komfortabel erreichen. Im Gegensatz zum Stopp- Schild wäre jedoch eine Durchfahrt tatsächlich eine Verkehrswidrigkeit. Das wäre beim Zugangserschwerungsgesetz der Fall, wenn das BKA die Erhebung sämtlicher Verkehrsdaten zu Ermittlungszwecken verwenden dürfte. Eigentlich hätte man als dieses Zeichen zumindest bei der 1. Fassung des Gesetzes verwenden müssen. „Anmahnen statt Löschen

Auch sehr putzig ist folgendes Zeichen: einfahrt_verbot

Selbst dieses Zeichen würde besser zum Inhalt des ZugErschwG passen. Man darf in dieser Richtung die Strasse nicht durchqueren, aber gleichzeitig wird der Hinweis gegeben, dass es eine Umgehungsmöglichkeit gibt, nämlich die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen. Die mögliche Einfahrt läßt sich in etwa so schnell finden wie die YouTube- Videos zum Umgehen des DNS- Access Blocking. „Belehren statt Löschen

Persönlich würde ich den Sperrbefürwortern jedoch dieses Schild empfehlen:

vorfahrt_gewaehrenSo wüßte wenigstens die Zielgruppe, wer gemeint ist und auch gleich, dass die Aufforderung nicht wirklich ernst gemeint ist. „Löschen statt Sperren“ ist eben doch die beste Alternative und rettet uns vor einem virtuellen Schilderwald und die Missbrauchten werden nicht erneut durch fehlegeleitete Politik missbraucht. „Definieren statt Löschen

Die FDP hat also in diesem Fall ihr Wahlversprechen halten können, wenngleich sich eigentlich nicht wirklich viel geändert hat. „Löschen vor Sperren“ war die Devise und wurde nun in ein halbherziges „Löschen statt Sperren“ abgewandelt. Die Zensurinfrastruktur ist auf Abruf installiert worden und kann per Knopfdruck aktiviert werden. Das BKA soll versuchen die Maßnahme innerhalb eines Jahres umzusetzen und hat gleichzeitig ein hohes Mitspracherecht bei der abschließenden Beurteilung. Die CDU/CSU konnte sich auf diese Weise unbeschadet aus der misslichen Lage befreien, Rede und Antwort stehen zu müssen, wenn die geleakte Sperrliste an die Öffentlichkeit gelangt wäre und womöglich Inhalte aufweisen würde, die dort nicht sein sollten oder kinderpornographische Inhalte, die hätten gelöscht werden können. Die Wahlkampftaktik ist aufgegangen. Der große Verlierer in diesem Spiel ist und bleibt die SPD, die durch ihr Verhalten sich selbst nachhaltig „Schach matt“ gesetzt hat…

Update vom 27. Oktober 2009

Der Internetprovider 1 & 1 war von Beginn an kein Freund der Von der Leyen’schen Internetsperren und verweigerte auch den damaligen Vertragsabschluss mit der Bundesfamilienministerin. Inzwischen gibt es auch eine offizielle Pressemittelung des Providers zum Thema:

Montabaur (ots) – Die 1&1 Internet AG begrüßt den Beschluss der künftigen Koalitionspartner, die geplanten Internet-Sperren nicht umzusetzen. CDU/CSU und FDP haben im Koalitionsvertrag angekündigt, das so genannte Zugangserschwerungsgesetz zunächst für ein Jahr nicht anzuwenden. Stattdessen sollen die Polizeibehörden Seiten mit kinderpornographischen Inhalten in enger Zusammenarbeit mit der Internetwirtschaft löschen. „Wir begrüßen sehr, dass Kinderpornographie an der Wurzel beseitigt werden soll“, kommentiert 1&1 Vorstandssprecher Robert Hoffmann die Ankündigung. „Das von der alten Regierung und einigen Providern verfolgte Placebo-Rezept, die schrecklichen Bilder hinter leider wirkungslosen Sperren zu verstecken, ist damit vom Tisch. Strafverfolgungsbehörden und Internet-Industrie müssen nun in einer konzertierten Aktion gemeinsam neue Wege gehen, um das Übel der Kinderpornographie wirkungsvoll zu bekämpfen.“ Bereits vergangene Woche hatte das BKA darüber informiert, auf die Umsetzung der Provider-Verträge zu verzichten, welche ebenfalls zu Internet-Sperren führen sollten. Die Sperren waren einerseits als von jedermann leicht zu umgehen und andererseits als Einstieg in eine Zensur-Infrastruktur kritisiert worden. 1&1 hatte eine entsprechende Vereinbarung mit dem BKA deshalb als wenig zielführend im Kampf gegen Kinderpornographie angesehen und nicht unterzeichnet. Durch die Koalitionsvereinbarung sieht man sich nun nochmals in dieser Linie bestätigt. „Von Beginn der Diskussion an waren unsere Anliegen effektive Maßnahmen zum Opferschutz und der Täterermittlung. Das Thema ist zu ernst, um es mit einem leicht umgehbaren virtuellen Stopp-Schild zu erledigen. Kinderpornographie muss gelöscht, nicht versteckt werden“, bemerkt Robert Hoffmann. „Als einer der größten Webspace-Anbieter löschen wir selbstverständlich bereits heute jede Kinderpornographie, die wir finden. Unsere Erfahrung ist, dass auch alle anderen Server-Betreiber im In- und Ausland das so machen, wenn sie nur einen Hinweis erhalten. Dafür stellen wir gerne das technische Know-how unserer Web-Spezialisten sowie unsere Kontakte zu internationalen Internet-Anbietern und Organisationen zur Verfügung. Konsequenterweise sollte die Politik das rechtlich umstrittene Netzsperren-Gesetz nun auch rechtsstaatlich einwandfrei entsorgen.“ Schon zu Beginn der Gespräche mit Familienministerin Ursula von der Leyen im Januar hat die Internetbranche darauf hingewiesen, dass das Entfernen solch schändlicher Inhalte an der Quelle der einzig richtige Weg sein kann. Kinderschutzorganisationen und Netz-Aktivisten haben bewiesen, dass das auch dann funktioniert, wenn die Web-Seiten auf Servern im Ausland liegen. 1&1 sagt zu, sich an der von den Koalitionspartnern angeregten Zusammenarbeit zu beteiligen – sowohl direkt als auch über den Branchenverband eco, der unter anderem die deutsche Internetbeschwerdestelle im Rahmen des INHOPE-Netzwerks betreibt. „Unsere Stiftung United Internet for UNICEF ist einer der größten Spender für das UNICEF Kinderhilfswerk. Die Koalitionsvereinbarung ermutigt uns und alle im Internet, die sich seit Jahren ernsthaft für Kinderrechte engagieren“, sagt 1&1 Vorstandssprecher Robert Hoffmann. Originaltext: 1&1 Internet AG Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/28831 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_28831.rss2 Pressekontakt: 1&1 Internet AG Andreas Maurer Elgendorfer Straße 57 56410 Montabaur Telefon: 02602/96-1275 E-Mail: presse@1und1.de

Das wirft durchaus Fragen auf, die ich umgehend an 1 & 1 gestellt habe:

Guten Tag,

 mit Wohlwollen habe ich die Pressemitteilung von 1&1 aufgenommen. Gerne würde ich auch diese Meldung über mein Weblog weitertragen, doch dann machte mich folgende Aussage am Ende der Pressemitteilung nachdenklich:

„Unsere Stiftung United Internet for UNICEF ist einer der größten Spender für das UNICEF Kinderhilfswerk. Die Koalitionsvereinbarung ermutigt uns und alle im Internet, die sich seit Jahren ernsthaft für Kinderrechte engagieren“, sagt 1&1 Vorstandssprecher Robert Hoffmann.“

Ausgerechnet UNICEF und 4 weitere Kinderschutzorganisationen haben eine gemeinsame Stellungnahme verfasst und öffentlich publiziert, worin sie herbe Kritik am Beschluss der neuen Koalition üben, die Internetsperren auszusetzen und dem Prinzip „Löschen statt Sperren“ zu folgen. Im meinem Weblog (www.guedesweiler.wordpress.com) habe ich diese Fehleinschätzung der Kinderschutzorganisationen aufgegriffen und sogar versucht, aus technischer Sicht die Sinnfreiheit des DNS- Access Blocking zu erläutern. Auf meine Email erhielt ich lediglich eine einzige unbefriedigende Rückmeldung und diese stammte nicht von UNICEF. Wegen der Kinderpornographie- Thematik habe ich bereits mehrfach erfolglos UNICEF kontaktiert. Nicht eine einzige Antwort war dieser Kinderschutzorgansisation mein Bestreben wert. UNICEF ist nachweislicher Befürworter von Internetsperren…

Umso mehr verwundert es mich, dass 1&1 einerseits als Provider Internetsperren als Placebo im Kampf gegen Kinderpornographie bezeichnet und andererseits eine Stiftung unterhält, die UNICEF unterstützt, aber in dieser Sache keine einheitliche Meinung vertritt. Nicht nur für mich stellt dies ein Glaubwürdigkeitsproblem entweder für 1&1 oder für UNICEF dar. Wie kann es sein, dass eine Partnerschaft zwischen 1&1 und UNICEF in der Thematik Kinderrechte aufrecht erhalten werden kann, wenn beide Seiten völlig verschiedene Ansichten vertreten, wie man gegen Kinderpornographie vorgehen sollte? Offensichtlich besteht zumindest ein eklatantes Kommunikationsproblem zwischen beiden Partnern? Können Sie mir bitte diesen unverständlichen Sachverhalt erläutern?

Gruß,

Noch am gleichen Tag erhielt ich folgende Antwort:

Sehr geehrter ***,

 vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir freuen uns, dass Sie unsere Meinung zum Thema Internetsperren teilen.

 „United Internet for UNICEF“ ist eine eigenständige Stiftung, die mit ihren Mitteln sowohl eigene Projekte wie auch konkrete Hilfsprojekte von UNICEF unterstützt. Ausführliche Informationen zur Stiftung sowie zu den von uns geförderten Hilfsprojekten finden Sie unter der URL http://www.united-internet-for-unicef.de/

 Die öffentlichen Äußerungen von UNICEF zum Thema Netzsperren sind uns bekannt. Wir haben diesbezüglich bereits in den letzten Monaten Gespräche mit der Leitung von UNICEF Deutschland geführt und werden die aktuelle Stellungnahme erneut zum Anlass nehmen, das Gespräch zu diesem Thema und unseren abweichenden Positionen zu suchen.

Selbstverständlich würden wir uns freuen, wenn Sie unsere Meldung in Ihrem Blog aufgreifen.

Mit freundlichen Grüßen,

Interessant würde ich nun auch Stellungnahmen der Provider finden, die mit Zensursula diese sinnfreien Verträge abgeschlossen haben, die nun hoffentlich geshreddert werden…

Auch UNICEF antwortet jetzt:

Sehr geehrter Herr ***,

 gerne gehen wir auf Ihre E-Mail zur Kritik ein.

 Das Löschen von Internetseiten mit kinderpornographischem Inhalt ist selbstverständlich möglich. Es wird jedoch nicht in ausreichendem Maße umgesetzt, obwohl die meisten Länder in der Tat über Gesetze gegen Kinderpornographie verfügen.

Doch die Umsetzung der Gesetze und Richtlinien setzt voraus, dass diese Länder auch eine Infrastruktur haben. Dazu gehört etwa eine Einsatzgruppe, die Vorwürfen nachgehen und die Verfolgung von Tätern, die kinderpornographische Bilder ins Internet stellen, aufnehmen kann. Es müssen Ansprechpartner und entsprechende Institutionen vorhanden sein, an die sich hiesige Behörden auch wenden können. Beamte hierzulande benötigen Kontaktleute vor Ort, mit denen sie zusammenarbeiten, Absprachen treffen und die grenzüberschreitende Strafverfolgung koordinieren können. Der Aufbau solcher Strukturen und Kooperationen braucht Zeit.

Solange die praktische Umsetzung nicht greifen kann, so lange sind Maßnahmen wie Zugangssperren erforderlich, um Kinder zu schützen. UNICEF hat immer wieder darauf hingewiesen, dass Zugangssperren nicht ausreichen, sondern ein Baustein auf dem Weg zu einer Lösung ist. Seit Beginn der Debatte tritt UNICEF für eine klare gesetzliche Regelung ein, um ein rechtsstaatlich kontrolliertes Verfahren sicher zu stellen. Darüber hinaus sind viele weitere Maßnahmen unabdingbar, um den Kinderschutz systematisch zu verbessern, die Strafverfolgung zu verstärken und den Opfern zu helfen.

Für weitere Details empfehle ich Ihnen die aktuellen Pressemeldungen unter

http://www.unicef.de/6585.html

http://www.unicef.de/6659.html

http://www.unicef.de/6627.html

http://www.unicef.de/091016vorrang_fuer_k.html

Mit freundlichen Grüßen

Um eine Rückantwort war ich schließlich nicht verlegen und glaube nicht, dass darauf noch ein Feedback folgen wird:

Guten Tag Frau **** und danke für Ihre Stellungnahme,

 (Ein Update in meinem Weblog wird durch diese Antwort notwendig, wie Sie später erkennen werden)

 Meine Kritik richtet sich nicht gegen die Arbeit von UNICEF, sondern einzig gegen die Fehleinschätzung der Maßnahme „Internetsperre“ auf ihre Wirkung. Ich weiß nicht, worauf sich Ihre Fehleinschätzung dieser technischen Maßnahmen stützt, doch kann ich Ihnen als IT- Experte versichern, dass Internetsperren nicht die geringste Effektivität im Kampf gegen Kinderpornographie entfalten können und dies wurde auch schon mehrfach eindrucksvoll nachgewiesen (bei Bedarf kann ich Ihnen dies gerne demonstrieren). Es kann also einzig und allein sinnvoll erscheinen, effektivere Maßnahmen zu ergreifen. Das Prinzip des Löschens bietet sich geradezu an und erreicht hohe Erfolgsquoten, was auch nachgewiesen wurde. Ich kann daher beim besten Willen nicht begreifen, dass immer noch Leute Internetsperren befürworten. Selbst als sog. „flankierende Maßnahme“ sind sie völlig unnütz und richten u.U. sogar Schaden an anderer Stelle an (siehe Bürgerrechte)…

 Unrichtig jedoch ist Ihre Behauptung, dass die Umsetzung der Löschstrategie in Ländern, die Sie allerdings ebenfalls nicht benennen wollen, nicht ausreichend funktionieren würde. Sie verfallen damit in die gleiche fatale Situation, die schon der Bundesfamilienministerin zum blamablen Verhängnis wurde. Während der Verein AK Zensur und die Organisation CareChild sehr wohl das Funktionieren der Löschstrategie im Ausland demonstrieren konnten, bleibt Ursula von der Leyen jeden Beweis schuldig, welcher Internetsperren sinnvoll machen würde.

Recht gebe ich Ihnen dahingehend, dass über die Ländergrenzen von Deutschland hinaus auf behördlicher Ebene eine stabile Vernetzung der Strafverfolgungsbehörden nicht flächendeckend gegeben ist. Dies jedoch ist kein Argument für Netzsperren, da diese ja wirkungslos sind, auch über Landesgrenzen hinaus. Anstatt, dass jeder Staat eine eigene Sperrinfrastruktur autark aufbaut, die ohnehin kein adäquates Mittel gegen Kinderpornographie darstellt, sollte man vorrangig an einer länderübergreifenden Zusammenarbeit interessiert sein. Es kann doch nicht sein, dass Privatpersonen deutlich erfolgreicher beim Löschen von kinderpornographischen Inhalten im Internet sind als Strafverfolgungsbehörden. Die Kreditwirtschaft macht es vor, indem betrügerische Phishing- Seiten binnen 4 Stunden aus dem Netz verschwinden, während Kinderpornographie wochen- bis monatelang durch behördliche Infantilität online bleiben können. Übrigens bleiben diese Inhalte weiterhin online, wenn man Internetsperren einrichtet, die in etwa 30 Sekunden ohne spezifisches Fachwissen umgangen werden können. Die praktische Umsetzung der Löschstrategie funktioniert, man muss es nur wollen und können…

Ich gehe noch kurz auf Ihre Pressemitteilungen ein, die Sie als Link mit gesendet haben:

Aufruf mit UNICEF-Botschafter Roger Moore und Ministerin von der Leyen – selten habe ich einen technisch so unqualifizierten Beitrag gelesen. Die Zahlen, die dort aufgeführt werden, beruhen auf Schätzungen und können bis heute in keiner Weise belegt werden. Im Grunde geht es mir nicht darum, in Frage zu stellen, ob 100 oder 100000 Kinder missbraucht werden, es ist nur beschämend, wenn man mit falschen Zahlen das Problem künstlich aufzublähen versucht, um eine breite Zustimmung für die Sache erreichen zu wollen. Jedes missbrauchte Kind ist eines zu viel und deshalb muss man nicht in Baron von Münchhausens Fußstapfen treten. Genau dies hat aber Ursula von der Leyen mehrfach getan, was in höchstem Maße unredlich ist.  Im Text werden Beispiele aus Kenia, den Philippinen und Bangla Desh genannt. Kontrolliert man die Sperrlisten aus Finnland, Schweden, Dänemark und Australien, findet man nicht eine einzige Internetpräsenz mit kinderpornographischem Inhalt aus diesen Ländern. Jetzt frage ich Sie ganz gezielt, wie wollen Sie mit Internetsperren die Kindesmisshandlungen aus den geschilderten Fällen bekämpfen? Ohne IT- Experte zu sein, sollte jedem klar sein, dass hierfür andere Maßnahmen notwendig sind. Nennen Sie mir nur ein einziges Land, wo aufgrund einer Internetsperre Kindesmissbrauch verhindert wird! Nennen Sie mir nur ein einziges Land, wo das Löschen von kinderpornographischen Inhalten nicht möglich ist und tatsächlich auch solches Material nachweislich vorliegt, sodass ein virtuelles Stopp- Schild eine zu rechtfertigende Alternative darstellen würde!

Die technische Sperrung von kinderpornografischen Internetseiten ist dabei ein Baustein.“  Dieser Irrglaube wird von Leuten verbreitet, die keinerlei Fachkompetenz besitzen. Tut mir leid, wenn ich so direkt reagiere. Nennen Sie mir bitte die Wirkung dieses Bausteines! Es kann nicht sein, dass man Behauptungen aufstellt, aber sie nicht begründet…

Ich habe mich zwischenzeitlich mit dem Provider 1 & 1 über dieses Thema ausgetauscht, welcher ja Partner von UNICEF ist, aber eine völlig andere Ansicht vertritt, wie die Pressemitteilung bestätigt. Es ist schon erstaunlich, dass in Fachkreisen das DNS Access Blocking zur Bekämpfung von Kinderpornographie quasi ausnahmslos als unwirksam angesehen wird. Laien hingegen verteidigen lobbygesteuert diese sinnfreie Technik im Bezug auf Kinderpornographie. Bitte nehmen Sie sich die Zeit und informieren Sie sich eingehend über das Thema und Sie werden erkennen, dass Internetsperren für Zensurmaßnahmen geeignet sind, aber in keiner Weise Kinderpornographie eindämmen. Mich würde interessieren, woher UNICEF die Information bezogen hat, dass Internetsperren gegen Kinderpornographie helfen würden? Auch wenn Sie mir dies nicht mitteilen wollen oder dürfen, möchte ich Sie bitten, die Quelle auf Seriosität und Fachkompetenz zu überprüfen. Wenn jemand Hilfe beim Steuerbescheid benötigt, zieht dieser ja auch nicht den ortsansässigen Metzger zu Rate, er wird sich wohl an einen Steuerberater oder ähnlich qualifizierten Fachmann wenden. Wieso vertraut man bei technischen Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet  auf Politiker und Juristen oder Betriebswirtschaftler anstatt auf IT- Experten? (Wer eine schöne PowerPoint- Präsentation erstellen kann, muss nicht gleichermaßen ein Experte für Netzwerktechnik und Serverdienste sein – nur so am Rande)…

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5 Antworten to “Löschen statt Sperren”

  1. Piratenpartei-News (piratennews) 's status on Friday, 16-Oct-09 19:44:09 UTC - Identi.ca Says:

    […] Löschen statt Sperren « Des Schwachsinns fette Beute a few seconds ago from api […]

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  2. frei DNS-Server « Wolkenclouds Blog Says:

    […] angeordnete Maßnahmen dazu, wie in Deutschland die für den Wahlkampf erfundene Lösung  Stoppschilder, aber auch in China und anderen Ländern, die Deutschland in dieser Beziehung etwas voraus […]

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  3. Barbra Says:

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