Poppen bis der Arzt kommt…(Spiel nicht mit den Schmuddelkindern…)

Sorry Andreas, dein Name verleitet zu schamlosen Assoziationen, verzeihe es mir…

Andreas Popp, stellvertretender Parteivositzender muss bereits den rauhen Wind des schmutzigen Geschäftes, welches sich Politik nennt, spüren. Da hat sich der frischgebackende Neu- Politiker zu einem Interview hinreisen lassen, welches ausgerechnet die Junge Freiheit inszenierte. Nicht, dass er sich als Rechtsextremer outete oder sonstwie auffällig wurde, stellte ihn an den Pranger der konservativen und linken Presse. Allein der Umstand, dass er sich nicht ausdrücklich von diesem Interview und dessen Initiatoren distanzierte, stürzt plötzlich die gesamte Piratenpartei ins rechte Lager. Wenig hilfreich war dabei die Rückendeckung seines Parteivorsitzenden Jens Seipenbusch, der in seinem Weblog darauf reagierte. Auch dieser hatte mal einen lapidaren völlig unpolitischen Fragebogen ausgefüllt, der relativ zeitnah in der Jungen Freiheit veröffentlicht wurde und inzwischen aus unbekannten Gründen wieder entfernt wurde…

Hurra, endlich liefern die Piraten auch mal einen Skandal, den man medial ausschlachten kann, dachten sich wohl die politischen Gegner und machten daraus eine Affäre, welche die Afghanistan- Situation der Bundeswehr oder die Atommüll- Problematik in Gorleben und Asse harmlos wie ein rosa Plüschkanninchen erscheinen läßt. Dass ein Polit- Neuling wie Andreas Popp nicht wußte, welche Ideologie sich hinter der Jungen Freiheit verbirgt, muss natürlich unweigerlich zur politischen Kapitulation des stellvertretenden Parteivorsitzenden führen und selbstverständlich die Piratenpartei unwählbar machen. Vielleicht schafft es dieser handfeste globale Skandal um die Piratenkapitäne, die Schlagzeilen vom Amoklauf in Ansbach oder das geplatzte polnische Raketenschild von Obama in die zweite Reihe zu verdrängen?

Eines weiß ich dadurch nun mit Gewissheit: Wenn solchen Nebensächlichkeiten derart hochgespielt werden, scheinen die politischen Gegner doch mächtig die Hosen voll zu haben? Auch musste ich unweigerlich feststellen, dass sich im Kielwasser des Piratenschiffes naturgemäß auch jede Menge Unrat tummelt. Die Palette erstreckt sich von leicht reizbaren Nerds bis hin zu extremen Gruppierungen, die sich von der Politikrichtung der Piraten inspiriert fühlen, illegale und grenzwertige Onlinetätigkeiten ungehindert fortführen zu können. Es mag zeitweilig diesen Anschein erwecken und wird oft von den politischen Gegnern so suggeriert, aber das entspricht keinesfalls der Ideologie der Piratenpartei.

„Mit Schmuddelkindern spricht man nicht“ titelte Jens Seipenbusch in seinem Blog und hat damit in ein virtuelles Wespennest gestochen…

„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder…“ heißt es richtig von Franz- Josef Degenhardt (http://www.franz-josef-degenhardt.de/disco/titel/lieder/spielnichtmitdenschmuddelkindern.html)
Jetzt habe ich tatsächlich in einer womöglich rechtsradikalen Onlinezeitschrift ein Interview gelesen und düstere Gestalten am Rande des Framesets auf mich blicken gesehen. Bin ich jetzt auch ein RECHTER? Ich denke nicht, ich war auch bei den LINKEN und auch bei den vielen anderen irgendwo dazwischen, nicht öffentlich, aber das spielt auch keine Rolle. Etwas Informationsfreiheit gibt es vielleicht noch? Das ändert sich schlagartig, wenn man nur mit Leuten anderer Gesinnung redet. Bei Schäuble wird man Terrorverdächtiger allein wenn man jemandem mit langem grauen Bart und Turban auf dem Kopf den Weg zur nächsten öffentlichen Toilette erklärt. Als Pirat respektiert man die Meinungsfreiheit, sofern sie innerhalb des gesetzlichen Rahmens bleibt. Nichts davon kann man aus dem Interview von Andreas Popp ableiten, lediglich dass politische Gegner damit punkten wollen. Würde ich es gleichermaßen engstirnig betrachten wie einige profilsüchtige Politiker, die aus dieser Mücke einen Elefanten machen wollen, dürften weder G8, G9, G(1+n) Gipfel mehr stattfinden, wo Regierungschefs verschiedener Nationen mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung sich gepflegt die Hände schütteln. Wer von denen, die jetzt gegen Andreas Popp wettern, haben die Olympischen Spiele in China boykottiert? Wer untersteht sich, Urlaub in Kuba zu machen? Udo Voigt, Parteivorsitzender der NPD müsste eigentlich elendig verhungern, da er nach dieser Ideologie einer Julia Seeliger & Co. niemanden finden würde, der ihm etwas verkauft. Man könnte dies doch als Unterstützung von Rechtsradikalismus werten? Was soll dieses ganze Wahlkampfgetöße? Die Piratenpartei ist durch dieses Interview nicht rechtsradikal geworden. Am besten würde Andreas Popp gleich morgen in der Sozialistischen Zeitung ein Interview geben…

Während am Heck des Piratenschiffes die Junge Freiheit klebt, rammt der Kabarettist Dieter Nuhr ins Bug, eher unfreiwillig, aber dennoch schmerzhaft:

Piratenpartei ist ja ein schöner Name. Der stimmt einfach. Es geht um einen Raubzug. Um Wahlkampfkostenrückerstattung und Diäten, um Pensionen und Zulagen. Die Piraten sind da ein gutes Beispiel, das sind ein paar verwirrte Studenten, die wollen sparen. Sie haben Angst, dass man im Internet in Zukunft vielleicht keine Musik mehr klauen darf. Und dass man Kinofilme nicht mehr für lau vor dem Kinostart runterladen kann. Oder Kinderpornografie – oder weshalb haben sie uns Herrn Tauss präsentiert, wohl kaum, weil er so kinderlieb ist. Was soll das?

Dieser Auszug aus seinem Online- Tagebuch rief sowohl reizbare Nerds als auch radikale politische Trolle auf den Plan, die größtenteils eine unangemessene verbale Breitseite entgegen schmetterten. Dieter Nuhr wiederum konnte seine sonst so bewundernswerte Gelassenheit nicht beweisen und schloss sein Gästebuch aufgrund des Piraten- SPAM:
 

Manch einer wird sich wundern, warum das Gästebuch nicht mehr existiert. Ich finde es auch schade, dass es nicht mehr da ist. Ich habe mich immer gefreut über die zahlreichen netten Einträge. Leider laufen da draußen aber zu viele Dorftrottel rum, die offenbar jede Form von Öffentlichkeit nutzen, um der Welt ihre geistige Beschränktheit zu offenbaren. So wurde das Gästebuch leider zum Forum für Durchgedrehte und Bekloppte, denen sonst keiner zuhört…

Neuerdings beweisen auch die Piraten durch Drohungen, Beleidigungen und Nötigung, dass sie alles sind, aber keine Partei für zivilisierte Wähler. Es gibt einen großen Haufen adrenalingesteuerter Radikalgeiferer…

Da versammeln sich Nazis und alte Sozialisten aus der Stalinschule mit Emanzipationsgeschädigten und Verteidigern von Steinigungen und Auspeitschungen. Und diese Menschen sind zwar vergleichsweise rar, neigen aber dazu, mit großer Energie kundzutun, es gebe nichts Natürlicheres, als auf ein Leben im Jenseits zu fiebern, Ausländer zu prügeln, Frauen an ihre Gebärpflicht zu gemahnen oder den Minenstreifen prima zu finden. Warum sollte man diesen Gestalten ein Forum bieten, zumal Gerichte jetzt festgestellt haben, dass man als Betreiber einer Homepage für die kranken Beiträge von Gästebuchexhibitionisten verantwortlich ist. Also lasse ich es lieber. Ich hoffe, dass mir der Zuspruch nun per Email zugesandt wird. Und die Folterknechte und Dummdödel werden sich einen neuen Aufenthaltsort suchen müssen.

Dieter Nuhr hat den Stein geworfen, der eine Lawine auslöste, die auf ihn selbst zurückrollt. Dass nun in den Geröllmassen auch spitze und kantige Brocken sein werden, kann sich so ziemlich jeder vorstellen. Kabarettist hin und Comedian her, aber es ist sicher kein Privileg dieser Spassvogel- Berufsgruppe, sich über andere lächerlich machen zu dürfen, aber selbst die beleidigte Leberwurst zu spielen, wenn man dummerweise mal gegen den Wind gepinkelt hat. Nichts für Ungut, ich bin eher ein Verfechter der sachlichen Debatte, doch dazu bedarf es mindestens 2 Diskussionspartnern. Dieter Nuhr meidet jegliche sachliche Diskussion und feuert weitere verbale Attacken in Richtung Piratenpartei, wobei er gar nicht genau weiß, dass die bösen Verbalangriffe auf seine Person tatsächlich von Parteimitgliedern der Piratenpartei stammen. Man darf mich gern als Pirat auf den Arm nehmen und meintwegen sich aller Klischees dazu bedienen, aber in die Ecke der Kinderpornobefürworter muss ich mich nicht drängen lassen. Herr Nuhr, eine Entschuldigung wäre jetzt passend, nicht den Dummschwätzern gegenüber, die den gesäaten Wind als geernteten Sturm auf sie lenkten, sondern gegenüber den sachlich verbliebenen Piraten, die dies bestimmt nicht verdient haben. Im Übrigen ist es ja gar nicht sicher, dass die Trolle alle aus der Piratenpartei stammen? Oder woher stammt diese Gewissheit?

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5 Antworten to “Poppen bis der Arzt kommt…(Spiel nicht mit den Schmuddelkindern…)”

  1. Toddl Says:

    Dass ein Polit- Neuling wie Andreas Popp nicht wußte, welche Ideologie sich hinter der Jungen Freiheit verbirgt, muss natürlich unweigerlich zur politischen Kapitulation des stellvertretenden Parteivorsitzenden führen und selbstverständlich die Piratenpartei unwählbar machen.

    Unfug. Das Problem ist doch eher: Eine stellvertr. Parteivorsitzender einer Partei, die sich Medienkompetenz auf die Fahnen geschrieben hat, weiß nicht, wer die „Junge Freiheit“ – egal wie man diese bewertet – ist?

    Wer seine Kernkompetenzen in den Bereichen Politik und Medien sieht, sollte die JF kennen.
    Das wirft für mich als potenzieller Piratenwähler den deutlichen Hinweis auf, dass da Dilletanten am Werk sind. Und Dilletanten will ich nicht wählen.

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    • forenwanderer Says:

      Und Dilletanten will ich nicht wählen.

      Das ist das Gute unserer „Noch“- Demokratie, du kannst wenigstens dies entscheiden, was meiner Meinung nicht ausschließt, dass in den Spitzenpositionen anderer (etablierter) Parteien keine Dilletanten sind. Bitte nenn mir eine Partei, wo sich noch nie ein (Spitzen)politiker blamiert hätte! Ich könnte dir genügend Beispiele darbieten, die das Gegenteil beweisen und deutlich mehr Kopfschütteln verursachen, als dieses lapidare Interview von Andreas Popp in der Jungen Freiheit und seiner zugegeben naiven, aber wenigstens ehrlichen Entschuldigung.

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      • Toddl Says:

        Sicher sitzen in den etablierten Parteien Dilletanten en masse, aber ich hatte gehofft, dass die Piraten sich nicht ganz so blöd anstellen würden. Sonst sehe ich die Alternative nämlich nicht…

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  2. forenwanderer Says:

    @Toddl – du hast vollkommen recht. Jahrzehnte lang ging ich zur Wahlurne, um das geringste Übel zu unterstützen. Jetzt gibt es endlich eine Partei, die neuen Wind in die abgestumpfte Parteienlandschaft bläßt, das ist doch schon mal ein Fortschritt. Mir war von Anbeginn an klar, dass die Piratenpartei nicht deckungsgleich meine politische Einstellung widerspiegeln würde, aber ein erfrischender Eiswürfel im Cocktail hat durchaus seinen Reiz, wenn die Alternative lediglich eine abgestandene handwarme Cola wäre. Man kann 2009 mit der Piratenpartei (noch) nichts falsch machen, was in 4 Jahren sein wird, wird sich zeigen. Daher verzeihe ich kleine Fehler im Moment noch großzügig, da die Alternativen sehr fragwürdig sind und größere Fehler liefern.

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  3. internetausdrucker Says:

    Das Zitat von Dieter Nuhr ist ja unter aller Kanone, z.B. seine Äußerung zu Tauss. Er hängt sich mächtig weit aus dem Fenster. Das ist weder gegenüber den Piraten fair noch gegenüber Tauss selbst. Das ist kein Kabarett mehr, das ist eine Frechheit. Man sollte meinen, dass sich Kabarettisten etwas gründlicher informieren, bevor sie loslegen mit ihren Sprüchen.

    Und @Toddl
    Ja, es sind wohl Dilettanten bei der Piratenpartei am Werke. Wenn man Politiprofis will, kann man sich ja bei den etablierten Parteien umschauen – und folgendes sehen: Politprofis machen keine Fehler, sie hinterlassen kaum Spuren, sie sagen nichts öffentlich, was ihnen irgendwie gefährlich werden könnte. Sie sind einfach weichgespült. Das hat systemische Gründe, mehr, als dass es ein Charakterzug der Leute ist. Aber es ist der Nachteil von politischer Professionalität. Es fragt sich, ob das dann wirklich so erstrebenswert ist.

    Und: gebt doch den dilletierenden Piraten die Chance, politisch erwachsen zu werden. Das geschieht am besten, indem sie mit dem ganzen Ernst der Politik konfrontiert werden. Dafür müsste man sie aber wählen.

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