Das Urheberrecht – Die Religion der Verwertungsindustrie

Bereits die Überschrift des Beitrags vom ARD- Magazin Monitor klingt polarisierend negativ: „Enteignung durch die Hintertür

Ich habe mir erlaubt, den Beitrag an manchen Stellen zu analysieren.

Ein Auto ist etwas, das ein anderer entworfen und produziert hat. Und wenn ich so ein Auto will, muss ich bezahlen. Schwieriger wird es schon mit geistigem Eigentum, mit Literatur, Musik oder Software, denn die kann ich kopieren, so oft ich will.

Hier werden materielle Güter mit Immaterialgütern verglichen. Dass jedoch bis zur Konstruktion eines Autos auch eine Menge geistigen Eigentums verwendet wurde, sollte nicht unerwähnt bleiben. Eigentlich dürfte es nur eine einzige Automarke geben, hätten nicht andere sich des geistigen Eigentums von Carl Benz bemächtigt, sofern man diesen als Urheber des Kraftfahrzeugs mit Verbrennungsmotor bezeichnen möchte. Dadurch dass viele weitere Menschen die Ursprungsidee aufgegriffen hatten, war erst Innovation und Fortschritt möglich.

Industriespionage, oft durch Länder wie China praktiziert, aber wegen der „guten“ Beziehungen zwischen den Nationen gerne verschwiegen, ist ein wesentlicher Bestandteil, wie Urheberechte (Patentrechte) plakativ missachtet werden. Das physische Objekt, im Beispiel das Auto, kann man stehlen, während man geistiges Eigentum eben nur kopieren kann. Das geistige Eigentum bleibt folglich bei seinem Urheber, während das Auto den Besitzer wechselt. Das ist ein wesentlicher Unterschied, den man nicht in der Betrachtung des Sachverhaltes verdrängen darf. Während das eine subtilen Diebstahl darstellt, ist das andere möglicherweise ein Verstoß gegen geltendes Urheberrecht.

 Jupiter Jones, die Punkrock-Band aus Hamburg gibt es seit zehn Jahren. Bis zu ihrem Hit „Still“ haben sie sich gerade so über Wasser gehalten. Seitdem können sie von ihrer Musik leben.

Alle Bands, die ich kenne, haben Musik als Hobby betrieben und zum Teil darauf gehofft, damit Karriere machen zu können. Den wenigsten ist zu Beginn ihres Musikerlebens bewusst, was auf sie zukommen wird, wenn sie aus ihrem Hobby einen Beruf machen wollten. Viele Musiker bleiben auch Hobbymusiker, wie auch viele Fußballer immer Hobbyfußballer bleiben. Gerade Bands spielen in ihrer Anfangszeit Klassiker und Hits anderer Künstler und machen erstmals Bekanntschaft mit dem Urheberrecht und in Deutschland mit der GEMA. Nicht immer sind diese angehenden Musiker glücklich über die Fallstricke der Bürokratie und der Rechtslage. Mit dem ersten Plattenvertrag und vielleicht dem ersten Hit vergessen die ehemaligen Hobbymusiker ihren damaligen Frust recht schnell. Das System hat sie schnell vereinnahmt…

In § 53, Absatz 6 fordern sie: Die Legalisierung von Tauschbörsen. Software, Texte und Songs sollen dann frei aus dem Internet heruntergeladen, kopiert und weiterverbreitet werden können. Egal an wen, egal wie oft.

Tauschbörsen sind nicht illegal. Das können sie gar nicht sein, da es sich dabei lediglich um ein Netzwerkprotokoll und ein Stück interaktive Software handelt. Die Nutzer können unter Umständen die angebotene Plattform missbrauchen. Das tun aber nicht grundsätzlich alle Benutzer von Tauschbörsen. Deswegen kann man nicht pauschal Tauschbörsen kriminalisieren. Ein Hammer ist ja auch zunächst ein Werkzeug und wird nicht grundsätzlich illegal in seiner Verwendung, weil gelegentlich damit Leute erschlagen werden.

Software, Texte und Songs sollen nicht frei aus dem Internet heruntergeladen, kopiert und weiterverarbeitet werden können, sondern es wird faktisch getan, weil es schlicht möglich und nicht zu verhindern ist. Das ist weder mit Gesetzen noch mit technischen Maßnahmen zu unterbinden. Allerdings wird genau dies versucht. Mit DRM (Digital Rights Management) und bisweilen sogar per Virus (Sony’s BMG Rootkit) und einigen weiteren bösartigen Kopierschutzmaßnahmen wird die Verwendbarkeit legal erworbener Medien stark eingeschränkt. Das Recht der Privatkopie wird damit verweigert. Viele Leute haben erst aufgrund dieses Ärgernisses die Möglichkeit entdeckt, von ihren rechtmäßig erworbenen Daten eine kopierfähige Variante über eben solche Tauschbörsen zu bekommen. Ich möchte keineswegs bestreiten, dass hierbei auch ausreichend Potential für illegale Aktivitäten gegeben ist. Dies hat aber mit den Forderungen der Piratenpartei nichts zu tun. Die kommerzielle Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken bleibt nach wie vor illegal. Die Trennlinie zwischen legal und illegal ist leider sehr unscharf und sollte mit der Reform des Urheberrechts nachjustiert werden.

Das wird zu einer kompletten Enteignung der Musiker führen. Denn wenn das geschieht, wird das gesamte musikalische Programm der Welt in Tauschbörsen frei erhältlich sein und das wird dazu führen, dass nur noch sehr wenige Konsumenten aus legalen Quellen gegen Entgelt diese Musik erwerben.

Diese Behauptung ist falsch, Herr Prof. Dr. Hegemann. An einigen Beispielen lässt sich das sehr eindrucksvoll nachweisen.

Justin Bieber wurde durch das Video- Portal YouTube zum Superstar (http://www.facelinking.com/2011/06/youtube-justin-bieber/). Hier nutze ein junger Musiker das Internet, um seine Karriere anzukurbeln sehr effektiv. Finanziell scheint es sich gelohnt zu haben, das Medium zu nutzen, dass die Verwertungsindustrie so gerne reglementieren und überwachen möchte.

Auch in der Filmindustrie beklagt man einen Rückgang der Umsätze, obwohl eigentlich das Gegenteil der Fall ist: http://www.gulli.com/news/775-trotz-filesharing-deutsche-kinos-erzielen-rekordergebnis-2009-07-24

Bei der Musikindustrie tut man sich schwer mit der digitalen Revolution und der veränderten Situation. Scheut man nicht den Schritt, neue Geschäftsmodelle anwenden zu wollen, kann man durchaus erfolgreich bleiben: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,828129,00.html

Es gibt sogar renommierte Musiker (z.B. die Rockband Marillion), die ihre Musik kostenlos angeboten hat, um neue Geschäftsmodelle zu erkunden: http://www.thewebgermany.de/wiwwy.htm

Ihre Prognose ist grundlegend falsch, da gegenteilige Effekte eingetreten sind. Entscheidend wird jedoch immer sein, wie der Konsument das jeweilige Angebot annimmt. Kopiergeschützte Downloads, welche nur auf einem einzigen Abspielgerät nutzbar sind oder eben Tonträger, die durch einen restriktiven Hardware- Kopierschutz teilweise gar nicht verwendbar sind, treiben die verprellten Kunden förmlich zu Tauschbörsen und womöglich zu illegalen Aktivitäten. An Portalen wie Apples iTunes kann man deutlich erkennen, dass man Kunden durchaus mit legalen Angeboten überzeugen kann. Die Konsumenten von Musik und Videos sind nicht grundsätzlich Gesetzesbrecher. Und Tauschbörsen sind nicht grundsätzlich illegal. Kennen Sie die Erdbeerfelder? In unserer Gegend gibt es diese Felder, wo Leute sich selbst Erdbeeren pflücken können. Auch Blumen sind manchmal so zu bekommen. Diebstahl ist so leicht möglich, da die Felder frei zugänglich sind und niemand das Pflücken dauerhaft überwacht. Trotzdem ist dieses Geschäftsmodell noch nicht gestorben. Das liegt sicher nicht daran, dass alle Menschen vom Grundsatz her Diebe sind…

Die Aussagen der Bandmitglieder von Jupiter Jones treffen nicht zu. Sobald eine Band vertraglich an ein Label gebunden ist und sich daraus Gewinne generieren lassen, ändern sie ihre Meinung recht schnell. Zuvor, ohne Plattenvertrag, haben sie alle Möglichkeiten genutzt, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Es erfordert immer Investitionen, um das eigene Produkt zu promoten, selbst wenn dies noch nicht kommerzialisiert ist. Cover- Bands müssen (eigentlich) an die GEMA entsprechende Gebühren zahlen, damit sie überhaupt auftreten dürfen. Selbst verdienen sie über diese Schiene (noch) nichts. Ihre Einnahmen richten sich nach der Nachfrage. Spielen die Bands selbst komponierte Lieder, sind diese auch deren geistiges Eigentum. Ein Verdienst aus Verkäufen lässt sich nicht erzielen. Besteht womöglich eine Nachfrage nach den eigenen Werken der Band, müssen sie sich ein Vermarktungskonzept überlegen. Diesen Weg beschreiten wohl viele Künstler und werden nicht selten durch schlechte Verträge geknebelt. Der faktische Schaden für Musiker außerhalb eines Status als Superstar durch Raubkopien ist nicht wirklich nachweisbar. Wie bereits erwähnt, haben sich sogar etliche Künstler erfolgreich mit der digitalen Revolution arrangieren können. Das veraltete analoge Geschäftsmodell wird auch ohne eine Reformation der Urheberrechts nicht überlebensfähig bleiben. Die Reformation des Urheberrechts soll aber die Urheber genau davor schützen.

Die Konsumenten von Musik und Filmen sind die Lebensgrundlage für die Künstler. Das sollte man nie vergessen. Auch deren Interessen sollen berücksichtigt werden. Eine pauschale Kriminalisierung wird diesem Prozess nicht gut tun. Genau dies jedoch geschieht zur Zeit. Mit der Digitalisierung hat man Geräte (CD/DVD- Brenner) auf den Markt geworfen, womit die Industrie prächtig Geld verdienen konnte. Ebenso wurden beschreibbare Rohlinge in den Markt geworfen. Auf beides zahlt der Kunde übrigens versteckte Abgaben an die Verwertungsindustrie. Nun hat man die Möglichkeiten geschaffen, dass jeder kopieren kann, jetzt möchte man es wieder per Gesetz verbieten. Ist das nicht irgendwie paradox?

“Verkürzung des Urheberrechts auf höchstens zehn Jahre nach dem Tod“ festlegen. Was heißt das im Klartext?

„Das wird dazu führen, dass die Verleger den Autoren deutlich weniger Geld bezahlen können und Geld bezahlen werden. Denn sie können die Werke nur noch eine sehr viel kürzere Zeit auswerten.“

Ist es bei einer Lebensversicherung nicht auch so? Ein junger Mensch bezahlt geringere Beiträge als ein vergleichsweise deutlich älterer Mensch. Natürlich findet eine Risikobewertung statt. Mit Hits von Elvis Presley lässt sich noch lange nach seinem Tod Geld verdienen. Auf den frühen Tod des Rock’n’Roll Stars hat man nicht spekuliert. Es wäre sicher gewinnversprechender gewesen, wenn der „King“ noch etliche Jahre länger im Geschäft geblieben wäre. Andere Musiker, die weniger erfolgreich sind, werden 70 Jahre nach ihrem Tod auch kein Unternehmen finanziell am Leben halten können. Diese Argumentation ist arg spekulativ. Es ist sicher nicht davon auszugehen, dass ein Musiklabel einer Lady Gaga oder (national) Dieter Bohlen wegen einer Verkürzung der Schutzfrist, einen dermaßen schlechten Vertrag anbieten würde, dass beide Seiten um ihre Existenz fürchten müssten. Ich kenne kein Unternehmen, welches bereits jetzt für das Jahr 2082 einen Budgetplan erstellt…

Schriftsteller wie Herr Jakob Hein lassen sich nicht in die gleiche Schublade stecken wie Musiker. Das Geschäftsmodell ist ein anderes. Trotzdem darf man aber nicht vergessen, dass die Verlage durch den technischen Fortschritt erhebliche Erleichterungen erfahren durften. Durch neue, effiziente Technik und das Internet generell wurde die Herstellung und Verbreitung von Druckerzeugnissen deutlich einfacher. Personalkosten und Herstellungskosten wurden eingespart. Die Verlage haben alle erdenklichen Möglichkeiten der digitalen Revolution für sich genutzt. Dass die damit verbundene Kopierbarkeit der Printerzeugnisse ebenfalls vereinfacht wurde, war kalkulierbar. Mit Vorsatz hat man die neuen Verbreitungswege genutzt, beklagt aber gleichzeitig die vorhersehbaren Nachteile. Wenn die Autoren nun für die Fehler der Verlagsgesellschaften Einnahmeeinbußen hinnehmen müssen, stimmt etwas nicht am Verhältnis zwischen Autoren und Verlagen.

 „Wenn ich mit jemandem darüber spreche, der sagt, ich bin von der Piratenpartei, dann möchte ich von dem nicht die Antwort bekommen, auch eine interessante Frage, ich google das jetzt mal. Sondern ich möchte, dass er mir sagt, was seine Meinung dazu ist. Der hat aber keine Meinung, weil er ja das erst mal nachgucken muss.“

Lieber Herr Hein, wenn ich mit jemandem spreche, der sagt, ich bin von der CDU, dann möchte ich von dem nicht die Antwort bekommen, Atomkraftwerke waren bis zum Unglück von Fukushima eine tolle Sache, Frau Merkel hat ja nur deswegen die Energiewende beschlossen. Nicht jeder, gleich welcher Partei er angehören mag, wird aus dem Stehgreif zu allen Themen eine fachlich fundierte Antwort liefern können. Meine persönliche Meinung zu Sachverhalten, worüber ich mich vorher nicht kundig getan habe, ist womöglich stark vom Mainstream beeinflusst. Es ist in solchen Fällen durchaus eine gewissenhafte Entscheidung, sich vor einer Aussage darüber zu informieren.

Keine Meinung, eine andere Meinung, eine neue? Wie erklären die Spitzenvertreter der Piraten ihre Forderungen?

Polemisierung ist nicht zielführend. Ich besitze keine Meinung zu Sachverhalten, die ich nicht kenne. Das kann ich allerdings bei Bedarf ändern, indem ich mich informiere. Eine andere Meinung wie Sie zu haben oder jemand anderes, ist legitim. Meinungen können sich ändern, wenn man sich mit einem Thema beschäftigt und man zuvor nicht alle Hintergründe kannte, die zur anfänglichen Meinung führten. Ich erkenne nicht Ihr Problem, Herr Hein.

Noch gefährlicher könnten die Piraten für Softwarehersteller werden. Denn ihre Produkte sollen nicht nur in Tauschbörsen kopiert und verbreitet werden können, auch die Programme dahinter sollen offengelegt werden. Und: Nutzer sollen an einer Software weiterschreiben können, quasi wie es ihnen gefällt. In den §§ 69 d und e heißt es freundlich: „Software als normales Eigentum“.

Hier fehlt eine grundlegende Spezifizierung. Unfreie Software soll und darf es natürlich weiterhin geben. Wurde die Entwicklung der Software jedoch von Steuermitteln finanziert, muss die Software auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Freie Software soll gegenüber unfreier Software bevorzugt im behördlichen Umfeld eingesetzt werden, nicht zuletzt wegen der Kostenreduzierung. Freie und quelloffene Software bietet bessere Möglichkeiten zur schnellen Fehleranalyse und verhindert vorsätzliche Datenspionage. Für welches Softwaremodell sich die jeweiligen Softwarehersteller entscheiden, liegt natürlich in ihrem Ermessen.

 „Kein Softwarehersteller wird mehr viel Geld in seine eigenen Programme investieren können. Dieser Markt wird verschwinden.“

Erneut ist diese Behauptung falsch. Wäre dies nämlich der Fall, gäbe es das Betriebssystem Linux längst nicht mehr und alle Unternehmen, die mit diesem quelloffenen System Geld verdienen, müssten Insolvenz anmelden. Dieser Markt ist in den letzten Jahren stetig gewachsen.

Der Idee, die so genannten Quellcodes und damit sämtliche Programmierdaten freizugeben, kann Carsten Fichtelmann nichts abgewinnen.

Wenn Herr Fichtelmann den Quellcode seiner Programme nicht offen legen möchte, dann darf er das auch gerne weiterhin so handhaben. Auch hier wird zu sehr pauschalisiert. Um Computerspiele geht es vordergründig gar nicht.

„Ich kann ja auch nicht in den Louvre gehen und an der Mona Lisa rum malen, und kann sagen, ich meine, das müsste jetzt anders aussehen. Die Nase muss zur anderen Seite. Und da sollte man einfach auch die Ideen, die ursprünglichen Ideen der Schöpfer respektieren.“

Das Beispiel ist falsch. Es müsste lauten: Ich fotografiere im Louvre die Mona Lisa und verändere die Kopie. Das gibt es sogar:

http://uncyclopedia.wikia.com/wiki/File:MonaLisa.jpg

oder

http://www.redhotpogo.com/2011/11/mona-lisa-remix-7.html

Ob man dadurch dem Schöpfer weniger oder mehr Respekt zollt, bleibt dahin gestellt. Schaden tut man ihm damit jedenfalls nicht. Im Gegenteil, man macht letztendlich sogar Werbung für das Original.

 „Ich glaube, dass sie gar nicht wissen, was sie da fordern. Und sozusagen gar nicht die Vielfältigkeit von kreativen Abläufen erkennen. Wenn man immer alles sozusagen umsonst und frei im Internet bekommen hat, und auch so aufgewachsen ist, dann kann man das möglicherweise auch gar nicht einschätzen, was es bedeutet, sozusagen solche Inhalte herzustellen.“

Jeder Künstler oder auch Softwareentwickler soll selbst bestimmen, wie er sein Werk erstellt und vermarktet. Um Computerspiele geht es hierbei eigentlich gar nicht. Software, die beispielsweise in sensiblen Bereichen zum Einsatz kommt, kann schnell auf Schwachstellen überprüft werden, wenn der Quellcode offen liegt. Das ist im Prinzip das Erfolgsmodell von Linux. Auch lassen sich dadurch effektiv Schadroutinen vermeiden, die es in Software nicht selten gibt. So gab es sogar schon nachweisliche Vorfälle, wo Sicherheitssoftware

(Zonealarm – http://labnol.blogspot.de/2006/03/zone-alarm-no-longer-phones-home.html)

ungewollte Funktionen beherbergte, die den Nutzern nicht bewusst waren. Ist die jeweilige Software nicht quelloffen, muss man eine hohe Vertrauensbasis schaffen. Leider gab es bereits genügend Missbrauchsfälle (Staatstrojaner, E- Perso u.v.m.). Das ist der eigentliche Ansatz, der leider gerne falsch verstanden wird. Wenn eine Softwarefirma mit der Erstellung einer Software beauftragt wird und erhält dafür die gerechte Entlohnung, soll dem Kunden zugestanden werden, dass dieser mit der Software machen kann und darf, was er will. Auch eigene Veränderungen sollen dann erlaubt sein. Das Tuning eines Autos wäre ein adäquater Vergleich. Der Kunde soll natürlich dadurch nicht das Recht erlangen, die gekaufte Software als eigenes Produkt weiter zu vermarkten. Dagegen gibt es übrigens Gesetze.

„Stehen Sie für die Position, dass bei Software sämtlicher Urheberschutz aufgelöst werden soll?“

Leider ist die Fragestellung bereits falsch. Es soll nicht sämtlicher Urheberschutz aufgelöst werden. Das Urheberrecht soll reformiert werden. Ist das so schwer zu begreifen?

Es mag sein, dass die Urheberrechtsreform der Piratenpartei zu radikal wirkt. Das muss aber so sein, um Aufmerksamkeit erzeugen zu können. Diese Maximalforderungen werden niemals Konsens erzielen, aber wenn alle Betroffenen sich daran beteiligen, kann eine Reform des Urheberrechts eine Anpassung an die digitalen Gegebenheiten bewirken. Insbesondere die Urheber sollen davon profitieren, ohne dass dadurch die Konsumenten pauschal kriminalisiert und eingeschränkt werden. Ich suche übrigens den Dialog und beharre nicht auf meiner Position oder der Position meiner Partei. Sollte mich eine Argumentation überzeugen, die der Programmatik der Piratenpartei widerspricht, werde ich mich nicht scheuen, einen entsprechenden Änderungsantrag einzubringen.

Anmerkung: Ich wurde freundlicherweise darauf hingewiesen, dass die Begriffe “Verwerter”, “Verwertungsgesellschaft” und “Verwertungsindustrie” verschiedene Bedeutungen besitzen und auch oft falsch verstanden werden. Auch ich muss zugeben, nicht genau spezifiziert zu haben. Während man in Deutschand beispiesweise die GEMA und VG Wort zu den Verwertungsgesellschaften zählen kann, gehören Verlage und Musiklabels nicht unbedingt dazu. Hier kann man unter Umständen von “Verwertern” sprechen. Alles zusammen wird pauschal als Verwertungsindustrie betitelt. Eine klare Definition oder Unterscheidung scheint es nicht zu geben. Praktisch kann ein Urheber also auch sein eigener Verwerter sein, wenn er seine Produkte selbst vermarktet.  

About these ads

Schlagwörter: , , , , ,

Eine Antwort to “Das Urheberrecht – Die Religion der Verwertungsindustrie”

  1. Des Schwachsinns fette Beute… | Froitzheims Wortpresse Says:

    [...] so viel Durchblick hat, bezeichnet schon mal das Urheberrecht als “Die Religion der Verwertungsindustrie”, poltert über “Urheberknechte” oder nimmt selbst einen plumpen, völlig absurden [...]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 617 Followern an

%d Bloggern gefällt das: